Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1867)
- Date
- 1867-09-17
- Page
- Seite 751 (sequence 3)
- Language
- German
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751 dein Volk Israel geschlagen wird von dem Feinds weil sie gegen dich gesündigt, und sie bekehren sich zu dir und bekennen deinen Namen und beten und flehen zu dir in deinem Hause: So höre ^du es im Himmel und vergieb der Sünde deines Volkes Israel." Gleiches Vers 35, 38, 42, 44. Endlich Vers 46: „Wenn sie sündigen wider dich — denn es ist kein Mensch, der nicht sündigt — und du zürnest über sie, und sie nehmen es zu Herzen, und sie bekehren sich und flehen zu dir, sprechend: Wir haben gesündigt und uns vergangen, wir haben gefrevelt! und sie bekehren sich zu dir mit ganzem Herzen und ganzer Seele und beten zu dir: so höre du im Himmels der Stätte deiner Wohnung, ihr Gebet und ihr Flehen und vergieb deinem Volke, was sie gesündigt wider dich und alle ihr Vergehungen, die sie begangen wider dich." Bekehrung, Bekenntniß, Besserung, Gebet seitens der Sünder und die Barmherzigkeit Gottes sind also auch hier die einzigen Erfordernisse der Sündenvergebung, und von Opfern, selbst während des Bestandes des Tempels, unmittelbar bei der Weihe desselben durchaus nicht die Rede. Mag nun die Kritik die Abfassung dieses Gebetes in seinem uns vorliegenden Wortlaute Salomo selbst nicht zusprechen wollen, so gehören die zwei Bücher der Könige doch jedenfalls einer Zeit an, nach welcher der Opferkultus im Tempel noch mindestens ein halbes Jahrtausend bestand, abgesehen davon daß die bedeutendsten Stücke dieser beiden Bücher älteren Schriften entnommen sind. Es ist nicht unsere Absicht, diese Lehre des Judenthums von der Sühne hier philosophisch oder nur psychologisch zu begründen, ihre Vernunftmäßigkeit und ihre Uebereinstimmung mit den Gefühlen des Menschenherzens, wie sie nicht blos mit dem Begriff der Barmherzigkeit Gottes, sondern auch mit dem der göttlichen Gerechtigkeit in Harmonie steht, nachzuweisen — wie der Psalmist sagt: „Denn er gedenkt, daß sie Fleisch, ein Hauch, der geht und nimmer wiederkehrt" (Ps. 78, 39.), ein Gedanke, der öfter wiederholt wird und den Anspruch des reuigen Menschen auf die Vergebung der Sünde rechtfertigen soll. Vielmehr ist es uns nur darum zu thun, jene Lehre in kurzen, treffenden Zügen vor unser Bewußtsein zu bringen.*) Worin unterscheidet sie sich nun von der christlichen ^ehre über die Sündenvergebung? Dadurch, daß die *) Vgl. unsere israelitische Religionslehre Band 2 Seite 126 ff. letztere eine Vermittlung und ein Opfer zwischen dem bußfertigen Sünder und der Barmherzigkeit Gottes für unumgänglich erforderlich erklärt, und zwar so, daß der Mittler sich selbst als Opfer zum Tode hingegeben, durch diesen Tod die sündige Menschheit erlöst hat, und nur der die Vergebung der Sünden erhalten kann, welcher in dieser Mittlerschaft und diesem Opfer die Vergebung der Sünde anerkennt. Hier ist also Zwiefaches angenommen, einerseits daß der Mensch sowohl durch die Erbsünde des ganzen Geschlechts als auch durch die Sündhaftigkeit jedes einzelnen Menschen so versündigt ist, kdaß keine Reue und Buße, keine Umkehr und Besserung, kein Bekenntniß und Gebet die Sündenvergebung bewirken könne; andrerseits daß die Barmherzigkeit Gottes an sich nicht so groß, so allumfassend sei, um durch sich selbst dem reuigen Sünder die Vergebung verleihen zu können, so daß Beide erst des Opfers eines Dritten und zwar den Tod des Mittlers bedürfen, um die Sündenvergebung bewerkstelligen zu können. Dies ist die unausfüllbare Kluft zwischen der jüdischen und der christlichen Lehre von der Sühne, der Sündenvergebung, der Versöhnung mit Gott. Allein die Anhänger dieser christlichen Lehre wenden ein, daß diese jüdische Lehre das Mosaische Gesetz mißkannt und beseitigt habe, daß allerdings das mosaische Gesetz die Sündenvergebung an die Bedingung von Schuld- und Sühnopfer geknüpft habe, und daß diese mosaischen Schuld- und Sühnopfer in dem Opfertode des christlichen Mittlers ihre Erfüllnng und ihren Ersatz für immer gefunden, weßhalb das Christenthum die Erfüllung des mosaischen Gesetzes sei. Dieser wichtigen Frage wollen wir nun unsere Aufmerksamkeit zuwenden. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. (Schluß.) Vo Immai,0----llieIra6l. Voüumano, gesandt von Ahura mazda, dem Haupte der Am.-cp., Beschützer der Thierwelt und der Menschen, Schützer des Friedens, wohnt gleich Ahura im Garonemäna, sitzt auf goldenem Throne und erhebt sich, wenn die Seelen der Frommen eintreten, denen er entgegen geht und sie zum Sitze der Seeligkeit führt. — Unter den 7 Himmelsfürsten ragen 4 hervor: Michael, Gabriel, Oriel, Raphael, diese umge- 38*