Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1867)
- Date
- 1867-09-17
- Page
- Seite 750 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226581-3226620--25331-3260829- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
spräche es der ganzen Lehre des Judenthumes und insonders der odengezeichneten von der Sühne, wenn der aller Würdigung dieser Wirksamkeit des Versöhnungstages die Meinung gehegt werden sollte, daß dieser Tag und seine ceremonielle Beobachtung an sich die Sündenvergebung herdeiführe. Dann würde eine nur äußerlich gebliebene Formheiligung die wirkliche Sühne, Umkehr und Besierung, verdrängen und der religiöse Schaden größer sein, als der Nutzen. Dies verhindert schon der Schristtext, wo 3. Mos. 10, 30. nicht heißt: oiti '5 '■m wr» iec mm sondern 'un am ova '2, also nicht: „dieser Tag wird euch versöhnen," sondern: „An diesem Tage wird Er (Gott) euch versöhnen." Wir brauchen nur an den Ausspruch der Mischnah zuerinnern (Joma 8, 9): „Wer da denkt: Ich will nur sündigen,'der Versöhnungstag bringt mir Vergebung, dem bringt der Versöhnungstag keine Vergebung."*) Vielmehr ist die mmian mit allen ihren seelischen und thatsächlichen Momenten die unumgängliche Bedingung der Sündenvergebung, und die Mischna theilt weder dem Versöhnungstage, noch der bloß innerlichen Umkehr bei Sünden gegen die Nebenmenschen eher die Sündenvergebung zu, als der Nebenmensch befriedigt, d. h., ihm für die Beleidigung Abbitte, für die Beschädigung Ersatz geleistet worden ist**). Somit ist der Versöhnungstag nur ein sehr heilsames Mittel der Religion, welchem jedoch der Mensch selbst erst die Wirkung der Sündenvergebung zu verschaffen hat. Ganz gleich wird auch das Verhältniß der Opfer am Versöhnungstage, welche im Tempel, solange er stand, dargebracht wurden, angesehen. Ohne wahrhafte mansn sind sie wirkungslos und verleihen keine Sündenvergebung. (Vergl. Maimonides a. a. O. § 2). Auch diese waren Mittel und zwar symbolischer Art, um die reuige Umkehr und das aufrichtige Sündenbekenntniß zu veranlassen, nicht aber daß in ihnen selbst die Wirkung der Sündenvergebung enthalten gedacht wurde. Hierauf müssen wir noch einmal zurückkommen. Wenn demnach die annsn das Werk des Menschen selbst ist, durch welches er zur Sündenvergebung gelangt, und für welche der Versöhnungstag jetzt, wie früher mit seinen Opfern nur ein wirksames Mittel ist, so ist es die Barmherzigkeit Gottes, welche jeder aufrichten Reue und Buße die Sündenvergebung gewährt, die *) dt p« tmssm ovn «am ivirrn •isD,tnssm **) idd» D’^isDia 01' pe< i“ianb> dtn pa© nim'aj» -112N nt» nstT*© Schuldhaftigkeit ausgleicht, so daß der Sünder nunmehr wieder mit Gott versöhnt ist. Wie Gott allheilig ist, vollkommen und unendlich, so auch seine Barmherzigkeit, die, unbegrenzt, jedem Sünder, der aufrichtig bereut, bekennt, sich bessert und zu Gott sich zurückwendet, die Sünde vergiebt, die Schuldhaftigkeit auslöscht. Dies ist die Lehre des Judenthums, wie sie von seinem ersten Beginne an ausgesprochen ward und zu seinem unveränderlichen Inhalt in allen seinen Epochen und Phasen wurde. Die Stellen der h. Schrift hierüber sind allbekannt; führen wir dennoch einige hier an, so geschieht es, weil wir uns später noch darauf berufen müssen. Hier vor Allem das Wort 2. Mos. 34, 6. 7., das zum Bekenntnißwort der Synagoge geworden: „Der Ewige, der Ewige, Gott, barmherzig und gnädig, vergebend Sünd' und Missethat und Schuld," welches von 5. Mos. (4, 31), von Joel, Jona, in sechs Psalmen, von Nehemia und dem Chronisten wiederholt wird. Der Prophet Hosea spricht (14, 3.): „Nehmt Worte mit euch, und kehret zum Ewigen, sprechet zu ihm, vergieb alle Schuld und nimm es gut an, daß wir die Farren (der Schuld) mit unseren Lippen entrichten." Der Prophet Ezechiel spricht (18, 19): „So der Frevler zurückkehrt von allen seinen Sünden, die er vollführte, und all' meine Satzungen wahret und Recht und Gerechtigkeit übet: so wird er leben, nicht sterben. All' seiner Missethat, die er vollführte, wird ihm nicht gedacht, durch seine Gerechtigkeit, die er übte, wird er leben. Sollt' ich denn Wohlgefallen am Tode des Frevlers haben? spricht der Herr, der Ewige; nicht daran, daß er zurückkehrte von seinem Wandel und lebe?" Der Prophet Jesaias spricht (55, 7.): „Der Frevler verlasse seinen Weg, der Mann der Sünde seine Gedanken; er kehre zum Ewigen, der wird sich erbarmen, zu unserm Gotte, denn der ist reich im Vergeben." (43, 25.): „Ich, ich bin's, der dein Vergehen tilget um meinetwillen, und deiner Sünden gedenk' ich nicht." (44, 22J; „Ich tilge wie Wolken deine Vergehungen, wie Gewölk deine Sünden: kehr' um zu mir, denn ich erlöse dich." Der Psalmist spricht (32, 5.): „Meine Sünde that ich Dir kund, meine Schuld verdeckt' ich nicht, ich sprach: auf meine Missethat will ich dem Ewigen bekennen — - da vergabst du mir meine Sundenschuld." Und so am vielen anderen Stellen. Nur noch eine heben wir her-) vor, weil sie für unseren Zweck sehr bezeichnend ist. Im dem Gebete, welches nach 1. Kön. 8, Salomo bei mx Weihe des Tempels hält, heißt es Vers 33: „WGm