Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1867)
- Date
- 1867-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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3t Jahrgang. Allgemeine _- Zeitung des Zvdeuthums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 17. September 1867. Diese Leitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis ->»/.. Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Tblr. Vierteljährig I Thlr. Iilser.ite werden mit 1'/» Nqr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. leitende Artikel r Die Sühne nach dem Begriff des Jndcnthums. — Literarischer Wochenbericht: Dresden, Paris. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover, Aus Mecklenburg. Oester r e ich i sch er K a i se r ft a a t: Wien. Donausürstenthümer: Bukarest. Holland: Amsterdam. Spanien: Gibraltar. Nord a m e r i k a: San Francisco. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Ansichten der Rabbiner über samaritanische Schrift. -feuilleton - Beilage: Vergleichende Studien über den Talmud. — Kolonisation in Palästina. — Korrespondenz — Notiz. Leitende Artikel. Bonn, 8. September. Die bühne nach dem Begriff des Iudenthums. (Fortsetzung.) Wenn also die Sühne, die Vergebung der Sünden, die Versöhnung mit Gott von dem sündigen Menschen selbst abhängt, von seiner Erkenntnis^ seiner Reue, seiner Besserung, seinem Streben zu Gott zurück ausgeht: so kann doch die Religion dieses Heil ihres Bekenners nicht allein ihm selbst überlassen. Allerdings weiß sie, daß die Fügungen der göttlichen Vorsehung mit dazu beitragen, den Menschen zur Erkenntniß und Reue zu führen*): aber es ist ihre Pflicht und Sache, in der *) Dahin deutet z. B. der Ansspruch der Mischna lJoma 8, 9) i"« mmi kühn «ürra trauen miarb "pp^DD?: „Wer da denkt: Ich will nur sündigen und mich später bekehren, der wird nicht (von oben her) dahin geführt Buße zu thun." Seele des Menschen das Bedürfniß der Sündenvergebung, das Gefühl und Bewußtsein der Schuldhaftigkeit zu wecken und ihm die Mittel zu bieten, den Weg zur Sühne zu beschreiten und zurückzulegen. Die Religion Israels that dies durch die Einsetzung des „Versöhnungstages" dt). Durch die jährliche Wiederkehr dieses, der Reue, Buße und dem Sündenbekenntniß geweiheten Tages, durch die an demselben zu vollführenden Ceremonialien, durch die, diesem Tage, der schon in der h. Schrift „Sabbath der Sabbathe" genannt wird, beigelegte Heiligkeit wird dem Israeliten die Notwendigkeit der Sündenvergebung und das Bedürfniß nach ihr von Jugend auf eingepflanzt, in ihm stets von Neuem geweckt und genährt. Seit dem Erwachen seines Bewußtseins fühlt er sich dadurch auf einem Boden, auf welchem der innere Zusammenhang mit Gott, ein lauteres Verhältniß zu Gott, als die unumgängliche Bedingung eines heilsamen Lebens erscheint, so daß ihm jener Tag willkommen und geheiligt ist, an welchem er alle eingetretenen Störungen in diesem Verhältnisse wieder beseitigen soll und kann. Es ist daher hierdurch Zwiefaches erlangt: einerseits, daß schon im gewöhnlichen Gange des Lebens alle die kleineren und größeren Fehler, deren sich der Mensch im Laufe des Jahres der Schwäche seiner Natur gemäß schuldig macht, zu beseitigen und deren Schuldhaftigkeit sich zu entäußern, der Versöhnungstag die Veranlassung bietet; andererseits, daß der gröbere und verstockte Sünder durch ihn zur Erweckung kommen und den dadurch eröffneten Weg beschreiten könne. Dem ungeachtet wider-