Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1867)
- Date
- 1867-09-10
- Page
- Seite 739 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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w m bringen können, und im Falle ihres Gelingens nur noch neue Secten zu den schon in der griech-kathol. Religion existirenden hinzufügen, und aus vielen guten Juden nur schlechte Christen machen würden. Ich glaube, daß dies Factum für sich selbst spricht. Und Alles dessen ungeachtet werden die studirten Juden doch zur Taufe aufgefordert, und wie wir leider vernehmen, haben sich einige junge Leute entschlossen in diesem oder dem nächsten Monate sich dieser Taufe zu unterwerfen, im Falle man ihnen sonst keine Anstellung geben wird. Diese jungen Herren vergessen, daß sie dadurch nicht nur an und für sich eine Schändlichkeit begehen, sondern auch einen Frevel an ihrer ganzen Nation, insbesondere aber an denjenigen ihrer Glaubensgenossen, die in derselben Lage wie sie sind und sich nicht so leicht zum Abfall entschließen können, sich zu Schulden kommen lassen. Ihr Beispiel wird hemmend für alle andern wirken, und die Regierung, wenn auch die jetzige reactionäre Stimmung vorüber ist, wird dann diesen Andern mit Recht sagen können: Wollt doch nicht besser sein, als -jene eure Glaubensbrüder, die auch ihre Religion um einer Stelle willen abgeschworen haben!*) So stehen die Dinge, und man kann nicht sagen, daß , sie besonders erbaulich sind. Es ist desto trauriger, da die Stimmung der Presse sich wieder aus manchen Winkeln gegen die Juden erhebt, und wir jetzt gerade Leute, die unsre besten Vorkämpfer sein sollten, verlieren müssen. Gerade jetzt sind sie uns besonders nöthig; sie aber wollen die ihrigen in der Noch verlassen. Wenn sie sich auf der Universitätsbank nur solche Lehren anzueignen verstanden, und aus der Rechtslehre,. Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie nur solche Prinzipien gezogen haben, dann wäre es wahrhaftig besser, sie wären daheim in ihrer Clause beim Talmud geblieben, um wenigstens den Namen Israels nicht der öffentlichen Schmach zu überliefern. — , Wir sagten eben, daß die Presse sich wieder aus manchen Winkeln gegen die Juden erhebt. Besonders ist es die Zeitung „Moskwa," die letzthin wieder gegen die Juden aufgetreten. Die „Moskwa" ist ein Organ der sogenannten Slavophilen (Panslavisten),. *) Es findet also jetzt in Rußland dieselbe Prozedur statt, die in Preußen 1820 vor sich ging, nachdem durch das Edikt von 1812 viele jüdische Jünglinge zum Studium verleitet worden waren. Redakt. und dient zugleich auch selbstverständlich der crassesten griechisch-katholischen Orthodoxie. Sie wird von einem gewissen Herrn Iwan Aksakoff herausgegeben, der schon früher in dem von ihm redigirten Blatte „Den’“ (der Tag, der eigentlich Nacht heißen sollte) oft gegen unsre Glaubensgenossen austrat, und sogar — in einem panslavistischen Blatte! — den Talmud einer Kritik unterwarf. In diesem Blatte tauchte auch das Project auf, alle Juden Rußlands nach dem Caucasus oder nach Sibirien zu übersiedeln, und Herr Iwan Aksakoff wird sogar nicht Anstand nehmen solchen Scenen, wie sie unlängst in Galacz vorgefallen, im Falle sich in Rußland auch so Etwas darbietet, öffentlich sein Lob zu zollen. Ein gefühlvoller, großmüthiger Mann.*) Wenn Sie, geehrter Herr Redacteur, nichts dagegen haben, so wollen wir den oben erwähnten Artikel in der „Moskwa" in unsrem nächsten Briefe näher besprechen. A. l. Aus Kurland, im August. (Privatmitth.) Aus den leitenden Artikeln des verehrt. Herrn Redacteurs dieser Blätter haben die Leser den Herrn Pastor Müller aus Alt-Saucken >Kreis Friedrichsstäot in Kurland), Verfasser des Artikels: „Die Judenmission in Europa, ihre Thätigkeit und ihre Erfolge", kennen gelernt. Folgendes Geschichtchen mag als Illustration der Ideen jenes Herrn dienen. Levin Petschierstecher, ein zu Schaulen verzeichneter achtzehnjähriger junger Mann, wurde von einem Pastor Bursy beredet, sich taufen zu lassen. Er konnte jedoch sein Vorhaben nicht ausführen, weil die Inden der Nachbarstadt Szagarren es hintertrieben. Herr Bursh theilte den Hergang dem Herrn Pastor Müller mit. Inzwischen war der junge Pctschierstecher zu seinen Eltern gekommen, die als arme Handwerker in Riga wohnen. Am 23. v. M. kam nun ein gewisser Dauge dahin, um den Jungen im Aufträge des Herrn Müller abzuholen. Als die Eltern hörten, worum es sich handle, baten sie den Sohn flehentlich, sie nicht zu verlassen, so daß Herr Dauge unverrichteter Sache abziehen mußte. Dieser gab sich jedoch damit nicht zufrieden, sondern begab sich zum Priester Erasmus, dem er das Schreiben des Herrn Müller vorlegte und durch deffen Vermit- *) Einiges hierüber haben wirbereits in Nr. 34. mitgetheilt. " Redakt, 37* V I i