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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-10 · Heft 37 (10.9.1867) · p. Seite 738

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 37 (10.9.1867)
Date
1867-09-10
Page
Seite 738 (sequence 10)
Language
German
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738 Hon ist ein Factum. Wie wohl wir auch an die lange Dauer derselben nicht glauben wollen, und überhaupt in Rußland alles schnell vergänglich ist, so ist sie im Augenblicke doch sehr gefährlich und kann sehr traurige Folgen, besonders hinsichtlich der setzt zur Emanzipationsstufe gelangten studierten jüdischen Jugend, nach sich ziehen. Letzteres nämlich wollen wir auch in unsrem heutigen Briefe besprechen. Nachdem im November 1861 die, Ihnen gewiß bekannten Privilegien denjenigen unsrer Glaubensgenossen geschenkt wurden, welche die Universitätsgrade Candidat, Magister, Doctor, erreicht, oder erreichen werden , haben sich eine beträchtliche Anzahl jüdischer junger Leute (besonders aus den Rabbinerschulen zu Wilna und Zitomir) dem Universitätsstudium besonders der Jurisprudenz gewidmet, und binnen der letzten drei Jahre eine ansehnliche Zahl derselben die obengenannten Grade erreicht. Viele von ihnen sind auch schon in Staatsdiensten angestellt worden. Es war also zu hoffen, daß mit dem Laufe der Zeit die Stellung der jüdischen Jugend in Rußland sich immer bessern werde, und daß denselben nicht mehr alle Wege zur Entwickelung abgeschnitten sein werden, wie es leider noch der Fall war. Es war zu hoffen, daß die schon Angestellten, die sich fast alle durch ihren Eifer im Dienste, Redlichkeit und Fähigkett ausgezeichnet haben, höhere Stufen erreichen, und die neuerdings ihre Studien beendigt, ohne Schwierigkeit angestellt würden. Es wäre auch wahrscheinlich so der Fall gewesen, wenn nicht die jüngsten Veränderungen im Ministerium der klerikalen Partei die Oberhand gegeben hätten. Das jetzige Ministerium der Volksaufklärung läßt die jüdische Jugend nicht zu Lehrstühlen auf Universitäten zu, wiewohl einige jüdische jüngere Leute von der Regierung selbst nach dem Auslande zu diesem Zwecke gesandt wurden, sich dort zu vervollkommnen und dann Professorstellen an den Universitäten einzunehmen. Wiewohl es bei uns sehr an tüchtigen Leuten Noth thut, und auf manchen Universitäten manche Branche gar nicht vertreten ist, so existirt doch ein geheim-öffentliches, oder öffentlich-geheimes Circular, das anbestehlt, die Juden nicht zu Professorstellen zuzulassen. Und wenn sich solche Bewerber einfinden, so sagt man ihnen ganz offen, daß man ihnen gern die geforderten Plätze einräumen will, wenn sie nur der kleinen Bedingung sich unterwerfen, und — die griechisch-katholische Confessio» annehmen wollen. Wie wir hören ist leider schon so ein Fall in Charkow vorgekommeit, wo ein gewisser Herr W., um die Idee des Rechtes und der Gerechtigkeit lehren zu können, öffentlich den Glauben seiner Väter abgeschworen hat, denn ein für allemal sei bemerk: Wem die Alternattve gestellt ist, entweder du läßt dich taufen, oder du entsagst der Carriere, und er wählt das Erstere, hat aber bis auf diesen Zeitpunkt damit gewartet, der geht nicht aus Ueberzeugung über, sondern sein Uebertritt ist eine Unwahrheit, ist eine Lüge. Aber nicht nur die Lehrstühle an den Universitäten will man hier den Juden nicht gestatten, man fängt an auch die Kanzleistühle chnen zu versagen. Die schon Angestellten läßt man nicht avanciren. Die unlängst vor sich gegangene Veränderung im Justizministerium ist, wie die schon früher vorgegangene Veränderung im Ministerium der Volksaufllärung, zum Nachtheil ausgefallen. Wäre Herr Samiatin (früherer Justizministerauf seinem Posten geblieben, so wäre jetzt vielen jüdischen jungen Leuten der Kampf mit ihrem Gewissen erspart, in welchem manche doch unterliegen werden. Man sagt den sich um Anstellung bewerbenden oder zur Avancirung vorgestellten jüdischen jungen Leuten ganz offen, daß sie die besten Plätze einnehmen können, wenn sie nur die griechischkatholische Religion als die ihrige anerkennen wollen. Im entgegengesetzten Falle werden sie gar nicht zugelassen. Man legt also auf die Motive solcher That gar kein Gewicht, nur das äußerliche Bekenntniß wird verlangt, wie groß auch die Einbuße an sittlichem Werth dabei ist. Wer aber verbürgt, daß der, der sich nicht scheut vor aller Welt Augen einen solchen Abfall von seinem Glauben und zugleich auch von seiner Nation zu begehen, auch nicht im Geheimen auf seinem Posten Lug und Trug treiben wird? Zu dem Grafen Murawieff kam ein gewisser B., ein getaufter Jude, der sich mtt Missionssachen unter seinen früheren Glaubensgenossen abgiebt, mit einem Projekte, alle Juden Rußlands binnen kurzer Frist der griechisch-katholischen Religion zuzuführen. Er war mtt seinem Projecte schon früher in den Synoden herum gereist, auch bei verschiedenen Metropoliten, Niemand konnte ihn ordentlich verstehen. Man schickte ihn nun zum Grafen Murawieff, der damals als Generalgouverneur in Wilna fungirte. Nachdem derselbe den Herrn B. «in paar Stunden angehört, schickte er ihn mtt den Morsen fortj, daß solche Projette Rußland nur Unheil

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