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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-10 · Heft 37 (10.9.1867) · p. Seite 737

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 37 (10.9.1867)
Date
1867-09-10
Page
Seite 737 (sequence 9)
Language
German
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737 jeder Erziehung bare Mädchen zwischen Religion und Religion zu unterscheiden verstehe? ob die Proselytenmacher« in dieser Weise nicht mit dem Geiste des Evangeliums im Widerspruch stehe? Allerdings 'wird das Christenthum durch diesen Uebertritt nicht viel gewinnen, ebensowenig als das Judenthum daran verliert; welche Verwirrung, welches Unglück aber hat diese Bekehrungssucht der armen Familie zugefügt! Die Intervention der k. k. Behörde bei einem ähnlichen Falle im vorigen Jahre hat nichts gefruchtet. Warum? weil das allmächtige Concordat der Staatsregierung die Hände gebunden hat, um ungestört den häuslichen Frieden nach Belieben zerstören, die Familien- und socialen Bande lockern, und die menschlichen Rechte mit Füßen treten zu können. Wird dieser kirchliche Belagerungszustand noch lange dauern? Schweiz. Aus dem Aargau, den 24. August. (Privatmitth.i Die Unterhandlungen, welche zwischen Holland und der Schweiz über den Abschluß eines Handelsvertrages seit einiger Zeit wiederum geführt worden sind und von denen es noch jüngst hieß, sie seien so gut als beendet, sind von der holländischen Regierung auch dieses Mal wieder abgebrochen worden. Es ist das eine nicht bedeutungslose Thatsache, denn der Abbruch erfolgte jetzt' wie vor Jahren hauptsächlich deßhalb, weil Holland mit den von den Kantonen ertheilten Zusicherungen betr. der freien Niederlassung und Ausübung des Cultus der Israeliten in der Schweiz nicht ganz zufriedengestellt ist. Der „8iöcle" widmete diesem Abbruch einen großen Artikel, die schweizerischen Blätter halten es für gut, ganz davon zu schweigen; was könnten sie zur Entschuldigung auch Vorbringen? Genf, 25. August. (Privatmitth.) Ein provisorisches Comits versendet soeben ein Programm für den am 9. September zu Genf stattfindenden Friedenscongreß. Dieses Programm stellt drei Fragen als Gegenstand der Discussion für den Congreß auf. Man vermag aus demselben nur die großen Hindernisse zu erkennen, welche der allgemeine und dauernde Frieden zu überwinden haben wird, sowie daß die praktischen Mittel, um recht bald zu diesem Ziele zu gelangen, eben unbekannt sind, und vom Congresse schwerlich W funden werden. Zwar deuten diese Fragen darauf hin, daß deren Urheber die demokratische Revolution als das Mittel zu diesem Frieden ansehen, und hiermit bekunden sie, daß sie noch immer in Phrasen und Phantastereien befangen sind. Denn diese demokratische Revolution wäre ja erst recht der allgemeine Krieg und würde die Vermehrung der Militärmacht erst recht Hervorrufen. Nach unserer Meinung giebt es nur zwei Mittel zu dem noch so fernen Ziele des allgemeinen Friedens, nämlich die immerwachsende Solidarität der Interessen der Völker und die Verbreitung der religiösen, sittlichen, intellektuellen und politischen Bildung in den Volksmassen. Umsturz und Bürgerkrieg führen von dem Wege zum allgemeinen Frieden nur ab. Vergleicht man die Hindernisse des letzteren in alter und neuer Zeit, so ersieht man, daß dieselben heute noch um nichts geringer sind, als im Alterthume, nur daß jene beiden einzigen Mittel, die wir eben bezeichnet, bedeutend gewonnen haben, und nur hierdurch die Hoffnung auf die dereinstige Realisirung des allgemeinen dauernden Friedens gehoben ist. Verfassungsveränderungen allein machen gar nichts aus. Als die demokratische Verfassung in Athen und Rom zur Geltung gekommen war, wurde der Krieg erst recht geführt und nahm besonders von Rom aus die ungeheuersten Dimensionen an. Italien. Rom» im August. Die Cholera wüthet stark im Ghetto. Der Papst hat 2000 Frs. für die armen Kranken dem Oberrabbi übersandt. (Hätte er lieber, wie ganz Europa es gethan, das Ghetto beseitigt!) Rußland. Petersburg, 20. Aug. (Petersburger Briefe I.) Nachdem sich eine Zeitlang die Stimmung in Rußland zu Gunsten unsrer bis dahin noch hier sehr unterdrückten Glaubensgenossen aufrecht hielt, ist jetzt wieder eineReaction in dieser Hinsicht eingetreten, deren Ursache, für uns wenigstens, sehr dunkel ist. Sollte es das erwachte Pseudonationalgefühl, jbesser Nationalfanatismus sein, dem wir dieselbe zu verdanken haben? Genug die Reac- 37

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