Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1867)
- Date
- 1867-09-10
- Page
- Seite 736 (sequence 8)
- Language
- German
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turnt für 15 Chemiker eingerichtet, um pramsch die bei den Vorlesungen im Polytechnicum angehörten Borträge sowohl, als eigene Ideen zu verwerthen. Hiezu sind ihnen in diesem Stiftungshausc Apparate und chemische Materialien großentheils unentgeltlich geboren, Dinge, welche am Polytechnicum bekanntlich nur gegen jährliche Kosten von wenigstens 80 fl. und somit von unbemittelten Studenten nur sehr selten benutzt werden können. Es sorgt ferner diese Stiftung dafür, daß allen Studirenden des Polytechnicums ein großer Saal zur Verfügung stehe, wo Vorträge und Mittheilungen in wissenschaftlichen Fächern, überhaupt über die neuesten Erfindungen und Arbeiten insbesondere, von den Studirenden selbst, sowie von Fachmännern zwei- bis dreimal in der Woche abgehalten werden sollen. Um diese Stiftung auszuführen und für immer sicherzustellen, hat Herr Pollak im Ganzen einen Betrag von Einmalhunderttausend Gulden bestimmt. Karlöburg, (Siebenbürgen) im August. Bei Ernennung des bisherigen hiesigen Bischofs Ludwig Haynald zum Erzbischof hatte die hiesige israelitische Gemeinde eine Glückwunschadresse an den Kirchenfürsten gerichtet. Je seltner in unserer Zeit ein menschenfreundliches Benehmen eines katholischen Geistlichen gegen Juden zu registriren ist, um desto lieber geben wir hier das Antwortsschreiben des Erzbischofs. „Geehrte Israeliten-Gemeinde! Angenehm war mir der Empfang der herzlichen Zeilen, welche die geehrte Jsraeliten-Gemeinde aus Anlaß meiner Ernennung zum Erzbischof an mich richtete, und in welchen die angenehmen Tage, die ich in Siebenbürgen verlebt, und der Umstand erwähnt werden, daß ich Ihre Glaubensgenossen an den Wohlthaten der durch mich gegründeten Anstalten theilnehmen ließ. Indem ich das Karlsburger Spital auch für meine Mitmenschen anderer Confessionen eröffnete, strebte ich nur das zu erfüllen, was unsere katholische heilige Kirche durch das Gesetz der christlichen Liebe allen ihren Gläubigen, besonders aber den Bischöfen, ans Herz bindet. Und dafür, daß ich in meine weiblichen Erziehungs-Anstalten auch die Kinder der geehrten Jsraeliten-Gemeinde ausnahm, werde ich mich genug belohnt finden, wenn die darin lernenden Kinder die Früchte des Herz und Geist bildenden Unterrichts im Leben ausweisen, und mit der Anerkennung der im Jnsütut erhaltenen gMen Erziehung auch meirer gedenken werden. — Der ich übrigens für Ihre freundliche Begrüßung meinen aufrichtigen Dank aussprechend, mit ausgezeichneter Achtung bleibe Kalocsa, 1. August. Ludwig Haynald m. p." Przemyöl, 19. August. (Privatmitch.) Ein israel. 12 Jahre altes Mädchen verschwand vor einigen Tagen aus dem elterlichen Hause, und wurde den um ihr Kind trauernden Eltern zu ihrem größer« Leidwesen mitgetheilt, daß deren vermißtes Kind in den Katechumenen (dem Nonnenkloster zu Przemysl) sich befinde, und mit dem Gedanken sich herumtrage den Glauben ihrer Väter zu verlassen, um zur christlichen Kirche überzutreten. Die schmerzerfüllte Mutter eilte ins Kloster, in der Hoffnung, das dem Schoße orthodoxer Eltern entrissene Kind werde bei dem Anblicke der so tief beklommenen Mutter sogleich sich derselben in die Arme werfen, und nach Hanse eilen. Wie entsetzlich wurde aber die. arme Mutter enttäuscht! Das lieblose Kind kennt jene Mutter nicht mehr, es hat in der so kurzen Zeit nicht uur das religiöse Band zerrissen, sondern auch die natürliche kindliche Liebe ganz vergessen; es erkennt nunmehr die Kirche als seine Mutter und fertigte seine leibliche Mutter mit kurzen Worten ab. „Ich gehe nicht von dannen" war die Antwort auf so heiße vergossene Thränen. Die so schnell bewirkte Auflösung aller religiösen Bande, die so harte Entfremdung des leiblichen Kindes, und der doppelte Treubruch des Letzteren sprengten das zusammengeschnürte Herz der armen Mutter, und vor den Augen ihres unseligen Kindes, in den Mauern des Klosters, vor den Füßen der Priorin sank sie entseelt zu Boden und hauchte ihren Geist aus. — Aber selbst diese so tragische Scene, die Geistesverwirrung des inzwischen herbeigeeilten und von so harten Schicksalsschlägen getroffenen Vaters konnten weder das entmenschte Herz des treulosen Kindes, noch das der barmherzigen Schwestern erweichen. - Die so werthvolle Beute wird wohl nicht herausgegeben. — Die Rechtfertigung, daß die Kirchenvorsteher verpflichtet wären, diejenigen liebreich anfzunehmen, welche zur christlichen Kirche übertreten wollen, ist wohl bekannt. Es frägt sich aber, ob ein 12jähriges Kind einen selbstständigen Willen habe? ob insonders dieses unwissende