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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-03 · Heft 36 (3.9.1867) · p. Seite 719

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 36 (3.9.1867)
Date
1867-09-03
Page
Seite 719 (sequence 11)
Language
German
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71S vcnjmitgticbcv tm Hotel Gutmann. Das Interesse für die Conferenz und die Lehrersache im Allgemeinen trat auch hier in gruppenweisen Diseufsionen einzelner Fragen lebhaft hervor. Bon einer kleineren Lehrerversammlung in Rheda waren s. Z. die Collegen Wolfsdorf aus Erwitte und Cramer aus Neuenkirchen zu der Notabelnversammlung in Eöln am 1. Novbr. deputirt worden. Die diesen Herren offerirte, von der Versammlung privatim aufgebrachte Entschädigung an Reisekosten wurde von ihnen zu Gunsten der Unterstützungscasse großmüthig abgelehnt. Die an demselben Tage in Harburg tagende Versammlung hannoverscher jüdischer Lehrer wurde von der Conferenz telegraphisch begrüßt. Der herzliche Gegengruß von Harburg konnte derselben nicht wehr bekannt gemacht werden, da derselbe irrthümlich statt nach Hamm an Blumenau in Bielefeld adressirt worden war. Nachmittags beschäftigte sich die Versammlung ferner noch mit der Neuwahl eines Theiles des Vorstandes. Nach dem Statut scheiden nach dreijähriger Amtsperiode 3 Mitglieder desselben durch das Loos aus. Das Loos entschied für das Ausscheiden von Blumenau (Bielefeld), Treu (Münster) und Goldstein (Grevenbroich), die aber fast einstimmig wiedergewählt wurden. Als Stellvertreter wurden gewählt: für Blumenau Rüben (Gütersloh), für Treu, Cramer (Neuenkirchen) und für Goldstein, Goldberg (Steele). Als zweiter Gegenstand war die Seminarfrage auf die Tagesordnung gesetzt. Diese wichtige Frage, die schon seit einem Jahre die jüdischen Kreise der Schwesterprcvinzen so lebhaft beschäftigt, konnte von der Lehrerconferenz füglich nicht übergangen werden. Müssen doch die Lehrer Rheinlands und Westfalens, die zum größten Theile aus der Anstalt zu Münster hervorgegangen sind, einen natürlichen Antheil an dem Schicksale derselben nehmen. Herr Rittergutsbesitzer Loeb von Caldenhoff, der Präses des Curatoriums der Anstalt,' war in der Conferenz erschienen und legte in einem längeren, interessanten, von der Versammlung mit der größten Aufmerksamkeit angehörten Vorträge die Entwickelung der Seminarangelegenheit bis zu ihrem heutigen Stadium dar. Die Versammlung konnte die in der Angelegenheit gethanen Schritte des Herrn Loeb, vorzüglich die zur Bildung eines Curatoriums, nur billigen. Nach den Mittheilungen des Herrn Loeb ist die Existenz des Seminars, wenn von den Gemeinden nicht mehr wie bisher zur Unterstützung desselben gethan wird, in Frage gestellt. Die Versammlung mußte dieses zu ihrem großen Bedauern constatiren und machte es jedem Teilnehmer an derselben zur heiligsten Pflicht, in seinem Kreise mit allen Kräften für die Anstalt zu wirken, nur die Gemeinden zu reichlichen Beiträgen zu vermögen. Nicht allein die Pflicht der Pietät, welche die Lehrer gegen ihre Bildungsanstalt hegen müssen, sondern auch die großen Verdienste, die die Anstalt um die intellectuelle und moralische Bildung der Glaubensgenossen beider Provinzen gehabt hat, wenn dies auch von gewisser Seite zu leugnen versucht wird, sollte Jeden veranlassen, sein eifrigstes Interesse der Anstalt zu weihen. Hoffen wir aber auch, daß, wenn die Existenz der Anstalt gesichert ist, dann auch eine Reorganisirung derselben eintritt, die wirklich den Namen einer solchen verdient, und die vorzüglich die inneren Verhältnisse derselben den Auforderungen der Gegenwart gemäß umändert. Den Vorwurf, der den Lehrern von gewisser Seite gemacht wurde, daß sie nicht genugsam für die Interessen der Anstalt eingetreten seien, mußte die Conferenz entschieden zurückweisen. Die Lehrer als solche sind von keiner Seite her zur Mitwirkung an dem Werke der Reorganisation eingeladen worden, ging doch die Einladung zu der bekannten Versammlung zu Cöln nur an die Gemeindevorstände. Wir sind aber dessen gewiß, daß, wo den Lehrern nur irgendwie Veranlassung gegeben war, sie aufs Thätigste für ihre Bildungsanstalt gewirkt haben. Dritter Gegenstand der Tagesordnung war die Besprechung des Referats des Herrn Oppenheim aus Marburg über das Thema: „der Lehrplan der jüdischen Schule." Der Referent hat eine Arbeit geliefert, die sich des Beifalls eines jeden Fachmanns gewiß erfreuen wird; sie zeugt sowohl von seiner reichen pädagogischen Erfahrung und scharfen Beobachtungsgabe, als auch von seiner tiefinnerlichen Religiösität. Wir erinnern uns nicht, je eine Arbeit gelesen zu haben, in der in so klarer Weise, wenn auch nicht in detaillirter Ausführung, so doch in allgemeinen Umrissen, das ganze innere Wesen, der ganze innere Bau der jüdischen Schule gezeichnet ist. Wir enthalten uns der Skizzirung ver Arbeit, da sie durch den israelitischen Lehrer zum Theil schon veröffentlicht und deshalb wohl schon allseitig bekannt ist, und bemerken nur noch, daß dieses Referat, von welchem wegen Zeitmangel nur der kleinste Theil zur Besprechung kommen konnte, von der Conferenz mit dem größten Beifalle ausgenommen wurde. Die Versammlung beschloß aber ans die Tagesordnung der nächsten 30*

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