Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1867)
- Date
- 1867-09-03
- Page
- Seite 717 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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717 Correfpondenz. Hovestadt, im Juli 1867. Bericht üver die Conferen? der israelitischen Lehrer Rheinlands und Westfalens Hamm am 12. und 13. Juni. „Ich fordere Euch," ruft Diesterweg in seinem pädagogischen Jahrbuche für 1861 den Lehrern zu, „zu einer Art von Thätigkeit, zu der Selbsthülfe, die in Eure Hand gegeben ist, auf. Ein einzelner Mensch kann das Böse vollbringen, das Gute aber ist das Product des Zusammenwirkens Vieler! Laßt Euch durch die falsche Meinung Vieler, die Wahrheit werde sich von selbst Bahn machen, nicht einschläfern!" Wer sollte diese Worte des Mannes mit dem warmen Lehrerherzen, des Vorkämpfers für die Interessen des Lehrerstandes auf allen Gebieten, mehr beherzigen, als der israelitische Lehrerstand? Äst er doch ein Stand, besten Stellung in jeder Beziehung eine so prekäre ist, so lange der Staat ihm eine sichere Stellung noch nicht gewährleistet hat, wie die keines zweiten; sind doch die Eonseguenzen, die aus dieser Stellung folgern, so bittere, daß es den Lehrern zur heiligsten Pflicht gemacht ist, selbst einzutreten für ihre Sache; den großen, sittlichen Gedanken der Selbsthülfe, der ein Hauptfactor unseren neueren Zeitbewegung ist, auch in ihren Verhältniffen zur Geltung zu bringen; durch festes Aneinanderschließen, durch vereinte Kraft den ganzen Stand, und dadurch jedes einzelne Glied desselben, zu heben. Mit Genugthuuug und Freude dürfen wir sagen, daß die Mehrzahl der israelitischen Lehrer Deutschlands die Rvthwendigkeit dieser Selbsthülfe erkannt hat, und im eifrigen Streben zur Hebung des Lehrerstandes in allen seinen Verhältnissen begriffen ist. Zeugniß sind die Lehrervereine, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands sich zu diesem Zwecke gebildet haben, und die, wenn sie sich auch nicht thatsächlich vereinigt haben, in geistiger Gemeinschaft mit einander nach einem und demselben schonen Ziele hinstreben! Die israelitischen Lehrer Rheinlands und Westfalens, die sich wohl zuerst unter den Lehrern Deutscklands zur gemeinschaftlichen Vertretung ihrer Jnteresien vereinigt haben, hielten am 12. und 13. Juni d. Ä. im Nöte! de PEurope zu Hamm ihre alljährliche Conferenz, j mit der zugleich die Generalversammlung ihres „Unterstützungsvereins" verbunden ist, ab. Die vorigjährige Conferenz war wegen der mißlichen politischen Verhält nisse ausgefallen. Die diesjährige Conferenz war von 43 Lehrern besucht, meistens aus Westfalen; die Rheinprovinz hatte wie immer nur ein geringes Contingent gestellt. Der Vorsitzende, Blmnenau eröffnete die Verhandlungen mit einem kurzen Gebete, worauf geschäftliche Mittheilungen folgten. Zum größten Leidwesen der Versammlung war Herr ür. Philippson aus Bonn verhindert, derselben beizuwohnen. Auch von verschiedenen Lehrern waren Entschuldigungsschreiben eingelaufen, die zum Theil von der Versammlung als genügend begründet, zum Theil aber als unbegründet angesehen wurden. Der Vorsitzende Blumenau sprach nachträglich seine» College« den Dank aus, daß sie in ihn so ehrender Weise seines im vorigen Jahre gefeierten Jubiläums gedacht hatten. Wir verfehlen nicht an dieser Stelle auf die großen Verdienste, die sich Blumenau um die Sache der rheinisch-westfälischen Lehrer erworben hat, und die es seinen Collegen zur Pflicht machte, seinen Ehrentag nicht schweigend zu übergehen, hinzuweisen. Herr Blumenau ist seit Jahren schon Vorsitzender der Lehrerconferenzen und des Vorstandes des Uuterstützungsvereins und fast allein in seinen Händen ruht die ganze Leitung derselben. Wer da weiß, welche Anstrengungen und Mühen die Leitung der Unterstützungscasse verursacht und mit welcher Aufopferung und welchem Erfolge Blumenau sich derselben unterzieht; der wird gewiß mit unserer oben ausgesprochenen Aeußerung übereinstimmen. Der erste Gegenstand der Tagesordnung war der Bericht des Vorstandes der Unterstützungscasse über den Stand derselben. Aus demselben geht hervor, daß daß die Anzahl der Mitglieder derselben 45 ist. Während der Conserenztage traten aber noch mehre hinzu, so daß sich jetzt die Mitgliederzahl wohl auf 50 belaufen wird. Aus dem Berichte des Rendanten der Unterstützungscasse, Herrn Rittergutsbesitzer Löb, heben wir folgende Zahlen hervor: Vom 29. October 1862 bis zum heutigen Tage beträgt die Gesammteinnahme: 1. an Pflichtbeiträgen und Eintrittsgeldern der Mitglieder . 904 Thlr. 25 Sgr. 2. an Geschenken von Gemeinden und Privaten .... 1169 - 5 - 3. an Zinsen.218 - — - Summa 2292 Thlr. — Sgr. 30