Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-03 · Heft 36 (3.9.1867) · p. Seite 716

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 36 (3.9.1867)
Date
1867-09-03
Page
Seite 716 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226581-3226618--25295-3260791
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

716 Er führt unter anderm zwei Punkte an, welche wesentlich von der Erzählung abweichcn, die der österreichische Consul in Galacz aus dem allgemeinen Gerüchte geschöpft haben will: 1. Daß die fraglichen Vagabunden nicht in die Sümpfe einer unbewohnten Insel geworfen, sondern an einem von den Türken bewohnten Punkt ausgesetzt worden sind; 2. daß sie später von Seite der türkischen Grenzwachen und durchaus nicht von unseren in die Donau geworfen worden sind. Wie Sie dem beifolgenden Berichte entnehmen, u5ar das durch das türkische Fahrzeug nicht gleichzeitig, sondern in Zwischenräumen bewerkstelligt worden; was auch erklärt, wie die ersten Opfer sich zu retten vermochten, während die beiden letzten, in größerer Entfernung vom Ufer, dem Tode nicht entgingen. Was die Kolbenstöße und die Bajonnetstiche betrifft, welche diese' Unglücklichen angeblich von unseren Soldaten erhalten haben sollen, so genügt die Untersuchung der Leichen, die Unrichtigkeit dieser Angabe zu widerlegen. Betreffend die dem Präfecten von Galacz obliegende Verantwortlichkeit, beschränke ich mich auf die Bemerkung, daß dieser Beamte nur das von den Gerichten in Jassy gegen die Vagabunden erlassene Urtheil vollzogen hat, indem er sie an die Grenze eines Landes bringen ließ, woher sie angeblich stammten; er konnte allerdings das gegen sie geübte ebenso barbarische, als summarische Verfahren nicht voranssehen. Um mich kurz zu fassen, Herr Agent, geht aus dem Berichte einer Behörde, der wir Glauben schenken dürfen, hervor, daß der bedauernswcrthe Fall, welcher Ihre Reclamationen hervorrief, nicht unseren Untergeordneten zur Last gelegt werden könne. Sobald die Untersuchung, zu welcher man eben schreitet, beendet sein wird, werde ich mich beeilen, Ihnen das Resultat mitzutheilen. Ich kann indeß nicht umhin, Ihnen schließlich das peinliche Gefühl auszudrücken, welches ich mit meinen Collegen empfinde, so leicht unsere Behörden ohne vorhergegangene Anfrage auf Grund eines mehr oder weniger haltbaren Gerüchts einer mit Recht gerügten barbarischen Handlung geziehen zu sehen, welche Anderen beizumessen ist. Indem ich daher förmlich gegen die Anschuldigungen des österreichischen Consuls in Galacz protestire, hege ich die Hoffnung, daß Sie, sobald diese Anschuldigungen sich als ungegründet Herausstellen, wohl die gerechte Ehrenerklärung vermitteln werden', zu welcher jede Regierung berechtigt ist, wenn sie auf ein Straßen - gerücht hin ins Gerede gezogen wird. Genehmigen Sie u. s. w. Gez. Stephan Golesco." Die Verdrehung des wahren Sachverhaltes, die in diesem Dokumente enthalten ist, brauchen wir nicht weiter zu signalisiren. Nicht blos der österreichische Consul in Galacz, sondern die sämmtlichen Consuln aller Staaten haben in derselben Weise den Sachverhalt dargestellt, den jetzt Herr Golesco, gestützt auf die Berichte seiner eigenen Beamten, derer, welche den ganzen Vorgang bewirkt und geleitet haben, als irrig zu bezeichnen sucht. Da es sich übrigens, wie die Rumänen behaupten, um fremde Jsraelitenj also um Unterthanen anderer Staaten handelt, so hatten im buchstäblichen Sinne die Consuln das Recht, sich hineinzumischen. Da übrigens Herr Golesco seitdem seine Demission gegeben ist, das Document von keinem Belang mehr. Bukarest, 22. Aug. Nachdem das Amtsblatt über die seit fünf Tagen bestehende Ministerkrisis ein hartnäckiges Schweigen beobachtet, bringt es endlich heute die Nachricht, daß Herr Bratiano genöthigt sei, sich von seinem Posten zurückzuziehen und izwar aus — Gesundheitsrücksichten. Obgleich sich der „Monitorul" über die Krankheit des Herrn Bratiano nicht näher ausspricht, ist es doch eine stadtbekannte Sache, daß der Herr Minister sich bei der Judenverfolgung in der Moldau übernommen hat und seine Stellung durch die in Galacz ertränkten Juden unhaltbar wurde, nachdem der Kaiser Napoleon in einem eigenhändigen Schreiben an den Fürsten Carl die Demission Johann Bratiano's verlangt. — Am 22. Aug. ist Sir Moses Montefiore in Bukarest angekommen. Frankreich. Paris, 2l. August. Der hier ansässige russische Banquier Günzburg hat, wie der „Moniteur" heute meldet, zum Gedächtniß an die glückliche Lebensrettnug des Kaisers von Rußland am 6. Juni, 40,000 Fr. Kapital ausgesetzt zum Ankauf einer Zprocentigen französischen Staatsrente, mit welcher 4 Freistellen für Arbeitertöchter in der höheren Primärschule für junge Mädchen unterhalten werden sollen. Gleichzeitig hat Herr Günzburg den Armen von Paris 10,000 Fr. überwiesen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.