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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-03 · Heft 36 (3.9.1867) · p. Seite 715

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 36 (3.9.1867)
Date
1867-09-03
Page
Seite 715 (sequence 7)
Language
German
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715 Wien, 11. August. Wenn in einer Correspondenz von hier in Nr. 33. gesagt ist, daß in Oesterreich vorzugsweise nur in der Residenz eine allgemeine Stimmung zu Gunsten der Gewissensfreiheit obwalte, so hat sich dies in diesen Tagen nach seiner positiven Seite hin bewährt. Der Unparteilichkeit wegen theilen wir das Factum mit den Worten der „St. Z." mit: „Die Klerikalen setzen alle Hebel in Bewegung, um in Wien eine Adresse an den Reichsrath zu Stande zu bringen, in welcher gesagt wird, daß cs nur eine kleine Partei sei, die aus Feindseligkeit gegen die Kirche und aus Gleichgiltigkeit für die Religion die Regierung dränge, den mit dem apostolischen Stuhle eingegangenen Vertrag zu brechen. In der inneren Stadt hat diese Adresse trotz aller Pressionen bis jetzt nur vierzig Unterschriften erhalten. Noch schlimmer wird das Ergebniß in den Vorstädten sein." Lemberg, 8. August. Unsere Regierung fängt bereits seit einiger Zeit an, sich mit der Revision und Verbesserung der jüdischen Schulen, in denen der Unterricht noch sehr im Argen liegt, eingehend zu beschäftigen. Diese Maßregeln stoßen jedoch auf einen heftigen Widerstand Seitens' der orthodoxen Juden, die allen neuen Einrichtungen, mögen sie auch noch so vortheilhaft sein, sehr abhold sind. In diesen Kreisen hat das Ministerialreskript, wonach der Unterricht und Bortrag des Talmud nur an solchen Privatschuschen zulässig ist, an denen die Lehrer einen vollständigen pädagogischen Cursus durchgemacht, die Schüler wenigstens 12 Jahre alt sind und bereits den Unterricht bei einer Volksschule absolvirt haben, nicht geringen Unwillen Hertorgerufen. Voraussichtlich wird jedoch dieser Widerstand die Behörden nicht abhalten, in der Ersetzung der rein auf Verstandesbildung berechneten Talmudschulbildung durch eine zweckmäßige, den jetzigen Ansprüchen des Lebens entsprechende Schulbildung energisch vorzugehen. In dem Städchen Zloczow hielt der jüdische Geistliche Löwenstein aus unserer Stadt einen Trauergottesdienst für den Kaiser Maximilian ab. Unter Anderem sprach er über das gegenseitige Verhältniß der Polen und Juden, gedachte ihrer beiderseitigen nationalen Größe und ihres späteren Falles. Die ersteren ermahnte er zur Einigkeit, den letzteren legte er es warm ans Herz, auf dem Wege des Fortschrittes zn bleiben' und mit kindlicher Liebe das Land zu umfassen, in dem ihre Vorfahren ein so gastliches Asyl gefunden. Donaufürstenth ü nt e r. Bukarest, 15. August. Wir haben in diesen Blättern alle Dokumente, welche den Fall zu Galacz betreffen, gesammelt. Deßhalb darf auch das folgende Dokument, so einseitig es ist, nicht fehlen. Die Antwortsnote, welche der Minister des Aeußern am 30. v. M. an den österreichischen General- Consul in Betreff der Judenverfolgung gerichtet hat, lautet: „Ich habe die Ehre Ihnen den Empfang Ihrer Note vom 20. d., sowie des beigeschlossenen Protestes in Betreff der Vorfälle, deren Opfer einige Israeliten in Galacz geworden sind, zu bestätigen. Indem ich Sie, Herr Agent, erinnere, daß die Regierung Sr. Hoheit, unangenehm von den bedauernswerthen Vorfällen berührt, sich beeilt hat Ihnen, mittelst ihres Rundschreibens vom 16. Juli, die Ergebnisse der Untersuchung mitzutheilen, welche dieselbe veranlaßt hatten, kann ich nicht umhin, Ihnen zu bemerken, daß der österreichische Consul in Galacz in seiner Eigenschaft als bloßer Handelsagent nicht befugt war, anläßlich der Vorfälle, welche in das Ressort unserer Gerichte gehören, zu interveniren. Ich erachte mich daher für berechtigt, Herr Agent, mein Bedauern auszusprechen, daß es Ihnen, statt an mich eine Note über eine Handlung zu richten, deren Gesetzmäßigkeit in Frage gestellt worden ist, nicht angemessener erschien, sich zuvor an die Regierung Sr. Hoheit um Auskunft zu wenden, welche sie stets zu ertheilen bereit gewesen wäre. Jedenfalls beeile ich mich, Ihnen, Herr Agent, während wir nähere Mittheilungen über die an Ort und Stelle eingeleitete Untersuchung erwarten, den hier beigeschlossenen Bericht der Galaczer Commission zu übermitteln; Sie werden aus demselben die Ueberzeugung erlangen, daß er sich sehr von dem Ihnen zugekommenen Berichte unterscheidet. Ich freue mich, beifügen zu können, daß die Ergebnisse der von uns zuerst eingeleiteten provisorischen Untersuchung bisher ganz mit dem Inhalte dieses Gerichtes übereinstimmen.

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