Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1867)
- Date
- 1867-09-03
- Page
- Seite 711 (sequence 3)
- Language
- German
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m men finde, daß es daher wichtig ist, wenn größere oder J i kleinere Bezirke Bevollmächtigte senden, wenn viele Rabbii ner, Prediger, Lehrer von anerkannten Wissen und Streben | sich einstelleu. Es kann sein, daß mit der Zeit aus der 1 Synode sich eine gewiffe organische Zusammensetzung I aus Abgeordneten entwickele, aber von vornherein darf ' hieran nicht gedacht werden, damit die Synode eine freie, I keine gebundene und beschränkte sei. Als Ort dieser 1 ersten Synode kann allerdings Paris sich vorzugsweise! empfehlen. Hier freilich muß die erste Bedingung sein, i daß die Synode in keinem, auch nicht dem entferntesten ' Zusammenhänge mit dem französischen Gouvernement 1 stehe, in keiner Weise von ihm beeinflußt werde; denn i damit hätte sie von vornherein ihre freie Bewegung i und Selbständigkeit eingebüßt, und bei dem großen po- ] lirischen Mißtrauen, welches die Völker der civilisirten Welt noch auseinander hält, würde es den Juden mehrerer Staaten dann unmöglich sein, sich an der Synode zu betheiligen. Dies vorausgesetzt, empfiehlt sich Paris aus mehrfachen Gründen; die hauptsächlichsten sind: Es haben dort in der letzten Zeit viele internationale Versammlungen stattgefunden; es finden sich dort genügende Räumlichkeiken und Mittel; ans England, Holland, Belgien, Italien, Nordamerika entschließen sich viel leichter viele Männer nach Paris als etwa nach Deutschland zu gehen; endlich, und das ist von nicht geringer Bedeutung, hat sich in Frankreich unter unseren Glaubensgenossen die religiöse Parteistellnng noch nicht so scharf ausgebildet wie in Deutschland, und es würde daher ein Aufruf von dort nicht von vornherein eine Parteifärbung annehmen. Aeußere Schwierigkeiten liegen noch in der Verschiedenheit der Sprachen und in den Reisekosten. Wir haben zur Ueberwindung dieser Hindernisse mehrfache Gedanken, die wir im Verlaufe der Angelegenheit aussprechen werden. Das Nächste, was zu thun wäre, würde sein, daß sich in Paris ein desfallsiges Comitö bilde. Was die äußere Angelegenheit beträfe, würde dies aus dort wohnenden Männern genügen. Um die Verwirklichung zn befördern, und um den inneren Gang der Angelegenheit zu besprechen, müßte es sich aber durch Männer aus den verschiedenen bedeutendsten Ländern augmentiren. Dies ist cs, was wir über diese hochwichtige Angelegenheit vorläufig zu sagen hätten. Wir werden darauf wiederholt zurückkommen müssen. Wir werden gern anderweitige Stimmen darüber vernehmen. Wir stehen hier vor einem großartigen Unternehmen, vor einem Plane, dessen Ausführung die segensreichsten Wirkungen für das Judenthum haben kann, für dessen Realisirnng wir daher unfern Söhnen und Enkeln verantwortlich sind. Selbst von seinem Mißlingen könnten wir einen wirklichen Schaden nicht voraus sehen. Der Endzweck, die Bethätigung der Lebenskraft, der Zusammengehörigkeit, und der Einheit auf dem religiösen Boden, trotz alles Anseinandergehens der Individuen in den Einzelheiten, die Bethätigung des Strebens nach einer höheren Einheit ist von unberechenbarer Wichtigkeit. Mögen daher die Herzen unserer Glaubensgenossen sich diesem Gedanken znwenden, mag er von ihnen mit Geist und Herz aufgefaßt werden; niag er vor Allem von jeder Engherzigkeit der Parteigelüste, von jeder Kleinlichkeit zersetzender und müßiger Kritik fern bleiben: Das Große muß groß aufgefaßt werden! Literarischer Wochenbericht. Berlin, im August. (Musik.) Von Emil Breslau r erschien im Verlag von Heinrich Weiß eine geistliche Arie („Der Du hörst das Rufen der Elenden") für Bariton oder Alt. Das Werk wird von der Kritik sehr günstig beurtheilt. Unter andern sagt die Musikzeitung „Echo" in Nr. 12 über dasselbe: „Ein Werk voll tiefer Empfindung, das ebenso ein poetisches Gemüth, wie ein namhaftes musikalisches Talent verräth. Ist einerseits die Wahrheit des Ausdrucks in der Wiedergabe jener Worte des demüthig Flehenden: „Der Du hörst das Rufen der Elenden, gerechter heiliger Gott, o straf mich nicht in Deinem Zorn" u. s. w., besonders zu rühmen, so muß andrerseits das melodische Gewand, in welchem die Worte trotz der Wahrung ihrer Erhabenheit dennoch einfach edel und dem Zuhörer leicht faßlich vorgeführt werden, als glücklich getroffen bezeich - net werden. Die Orchesterbegleitung, die neben der Pianoforte-Bcgleitung für größere Mittel der Ausführung geboten wird, erhöht wesentlich deri dramatischen Schwung, welchen die Arie vom Anfang bis zu Ende besitzt." Dr. I. A. In den Musik-Ausführungen des Berliner Tonkünstlervereins gelangte diese Arie bereits zwei Mal zur Aufführung. Von denselben Componisten wurde in den Sinfonie-Soiröcn der berühmten Liebig'schen Capelle 36*