Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1867)
- Date
- 1867-08-27
- Page
- Seite 693 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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693 Schrift der Messias als ein Opfer bezeichnet, das für die Sünden Israels, also behufs seiner Versöhnung leiden muß. Wenn Professor Lotze Hellenenthum und Jsraelitenthum so scharf und richtig ausemanderzuhalten verstand, warum nicht auch JsraeliLenthum und Christenthum? Vom Judenthume in speziellerem Sinne handelt er gar nicht. Literarischer Wochenbericht. l Schluß.) 3) -12-r rriü?: Ueber die Hagada - Hermeneutik des R. Jose Hagelidi, von I. Reifmann. — Schon R. Simson aus Chinon hat es erkannt und ausgesprochen, daß einige dieser 32 Regeln (Midoihj durchaus nichts mit der agadischen Hermeneutik gemein haben, sondern Elemente für die biblische Exegese seien. Reifmann geht noch weiter und behauptet, daß alle 32 Midoth Elemente für die biblische Exegese seien, gegen welche Annahme aber drei Hindernisse erst zu überwinden waren: 1) Die Ueberjchrift, welche lautet: durch 3 2 Midoth wird die Agada erklärt, die aber R. einfach durch eine Emendation beseitigt und statt Agada, Thora liest, eine Leseart, die in der That schon Raschi zu i M. 2, 8, Juchasin, Duran und Rabei hatten. 2) Die Namen der Miv. selbst, und 3) die angeführten Beispiele, welche zum Theil agadischer, ja selbst auch halachischer Natur sind. Schon Katzenellenbogen in der vortrefflichen Schrift Nethiboth Olam*i hat kritisch bewiesen, daß diese Beispiele nicht von R. Jose selbst angeführt *) Diese in zweiter Auflage in Wilna gedruckte Schrift enthält auch sehr viele werthvolle Erklärungen von Straschin und anderen Gelehrten, welche, wie mehrere Notizen im Hamagid darthun, schon genügend ausgebeutet wurden. So ist auch eine Notiz von S. Bachrach in Jeschurun 4 S. 19 dieser Schrift S. 184 ententnommen. Es ist sehr zu bedauern, daß die werthvollen, gediegenen Werke der wilnaer Schule so selten zu uns gelangen, während den dortigen Gelehrten doch alle diesseitigen Schriften bekannt und bei all ihrer Strenggläubigkeit die Arbeiten deutscher Kritiker nicht verpönt sind. Ihr geistiger Horizont ist nicht so beschränkt und ihr religiöser Sinn nicht so durch Fanatismus getrübt, daß sie die Unsitte begehen, unsere besten Denker mit einem epiiheton ornans zu schmücken, wie die deutsche Orthodoxie oder orthodox Scheinende, womit sie sich den Ruf eines Zadiks erkaufen wollen. sein konnten, sondern nur spätere Zusätze seien, weil viele der angeführten in den Midraschin und im Talmud spätern Talmudisten in dm Mund gelegt werden, was R. mit der größten Genauigkeit weiter belegt; außerdem stehen die Beispiele mit der Regel nicht in kennbarer logischer Connexiou. Beide Verfasser schließen daher mit. Recht, daß R. Jose nur die Midoth allein gelehrt oder niedergeschrieben habe, die Beispiele aber später hinzugekommen feien, gerade so wie dies nach der Ermittelung von Grätz bei Meg. Taanith der Fall war. R. hat aber dennoch in obiger Schrift die Beispiele, so wie sie bisher bestanden, belassen, sie, so weit es ging, zu erklären gesucht, dagegen aber eine Fülle von anderen Beispielen beigebracht, die durch diese Midoth unserem Verständniß näher gebracht werden. Reifmann, ein kühner Kritiker wie er ist, ging weiter, er stellte die 32 Midoth in ihrer Ursprünglichkeit wieder her, beseitigte alle solche Beispiele, die nicht der reinen biblischen Exegese angehörten und ersetzte sie durch andere. Beibehalten werden nur theilweise die Beispiele zu 9, die Ellipse (vrgl. Rikma e. 25); zu 11, getrennte aber zusammengehörige Sätze; zu 13, Spezialisirung eines voransgegangenen allgemeinen Satzes; zu 14, Beziehungen vom Höhern zum Niedern; zu 18, die Generalisirung spezieller ^Namen und Ausdrücke; zu 22, 23, die Herübernahme eines Zeitworts, einer Präposition rc. auf den nachfolgenden Satz und umgekehrt, was die Grammatiker -snin ->m' -17181 rc^y nennen; zu 24, wenn neben dem Allgemeinen noch ein Spezielles genannt wird, so zeigt dies auf eine Besonderheit; zu 26, das Gleichniß; zu 31, das Vorgesetzte, welches uachzusetzen sei, die Parenthese. Die hier angeführten Beispiele hat unter mehreren anderen Gannach (Rikmah S. 2l4). R., der zu allen diesen Midoth die treffendsten Beispiele beifügt, hat hier auch als Beispiel das poetische Dankgebet Jonas angeführt, dessen richtige Stelle nach V. 11 sei. Diese Ansicht findet sich schon in Sforno, und der nüchterne Jbn Esra hat sie sonderbarer Weise zurückgewiesen. Mit Unrecht zieht R. hier als Beispiel auch die Trausposition, die Buchstabenversetzung hinzu, was zu den Worten der Regel -mi8?3 gar nicht paßt; auch Gannach hat für die Trauspositionen eine besondere Rubrik fe. 32). Den anderen Midoth hat R. eine ganz andere Bedeutung gegeben, was ihm bis auf zwei, gut gelungen ist. Die! 0. Mida -nrin ist in der That nach den gegebenen Beispielen nicht verständlich; R. giebt ihr die Bedeutung: tendenziöse Abänderungen, wie die bekannten Eikune So-