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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-27 · Heft 35 (27.8.1867) · p. Seite 708

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 35 (27.8.1867)
Date
1867-08-27
Page
Seite 708 (sequence 16)
Language
German
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708 durch Dero gütige Zuschrift erfreut worden und nehme Ihren Antrag wegen künftiger Fortsetzung der Correspondenz mit Vergnügen an. Herr Mendel Kos mann hat mir den jüdischen Studenten Leon zusammt Dero Empfehlung zugeführt. Ich habe ihm sehr gern meine Collegien und andere Dienstleistungen zugestanden. Allein vor einigen Tagen ist er zu mir gekommen und hat sich ^erklärt, daß er sich der Gelegenheit, welche die jetzigen "polnischen Zufuhren geben, bedienen wolle, um eine kleine Reise zu den Seinigen zu thun, von der er um Ostern wieder einzutreffen gedenkt. Es scheint, daß er sich bei der hiesigen jüdischen Gemeinde durch einige Vernachlässigung in der Observanz ihrer gesetzmäßigen Gebräuche nicht gänzlich zu seinem Bortheile bewiesen habe, und da er ihrer nöthig hat, so werden Sie ihm deswegen künftig die gehörige Vorschrift geben, in Ansehung welcher ich ihm schon zum Voraus einige Erinnerung, die die Klugheit gebeut, habe merken lassen. Ich wünschte, daß ich meiner Seits etwas zu Ihrem Vergnügen ausrichten könnte und bin mit wahrer Hochachtung u. s. w. Ein anderer Brief, zwölf Jahre später geschrieben, vom IS. Juli 1778, lautet: Verehrungswürdiger Freund! Mit dem größten Vergnügen ergreife ich diese Gelegenheit, wenn es auch nur in der Absicht wäre, Ihnen meine Hochachtung und den herzlichen Wunsch zu bezeigen, daß Sie in dem Genüsse einer mit fröhlichem Herzen verbundenen Gesundheit eines Lebens genießen mögen, an dessen zurückgelegten Theil Sie mit Zufriedenheit sich zu erinnern so viel Ursache haben. Herr Joel, der in der Meinung, daß Sie mich mit einigem Zutrauen beehrten, verlangt, seinen Zutritt zu Ihnen mit meiner Empfehlung zu begleiten, ist Ihrer Gewogenheit und Vorsorge nicht unwürdig. Wenn er gleich nicht mit so vorzüglichem Talente als Herr Herz beglückt ist, so läßt sich doch sein gesunder Verstand, sein Fleiß, Ordnung des Lebens, vornähmlich die Gutartigkeit des Herzens erwarten, daß er in Kurzem als ein geschickter und geachteter Arzt auftreten werde. Ich weiß, daß diese Eigenschaften allein Sie, mein geehrtester Freund, schon hinreichend bewegen können, einige Bemühungen auf die Forthelfung eines hoffnungsvollen jungen Mannes zu verwenden. Mein Gesundheitszustand, den ich nur durch eine gewisse Gleichförmigkeit der Lebensart und der Gemüthsbeschäftigung erhalten kann, hat es mir unmöglich gemacht, der guten Meinung des verehrungswürdigen Ministers von mir «woran Sie, wie ich glaube, einen vorzüglichen Antheil haben) mich folgsam zu bezeigen und dadurch Gelegenheit zu bekommen, Ihnen und Herrn Herz Persönlich meine Ergebenheit zu beweisen, welches ich jetzt und künftig nur schriftlich thun kann als Meines hochschätzbaren Freundes ergebenster treuer Diener 9. Kant. Notiz. Einer unserer gesch. Corresp. schreibt an uns: „In dem dritten Bande Ihrer „Religionslehre," in dem Kapitel über Selbstmord sagen Sie «Seite 23): „In der hl. Schrift kommen nur zwei Beispiele von Selbstmord vor, der des Königs Schaul.. Das zweite Beispiel ist das Achithophels.. .." Warum nicht auch Simson, desien Noth gewiß auch nicht dringender war, als die Sauls? Ist seine Absicht, sich das Leben zu nehmen, nicht deutlich genug ausgesprochen in den Worten knnwbs D» ■'12E3 nun „Möge ich sterben mit den Pelischthim!" — Wir können dieser Ansicht nicht beipflichten. Das Motiv Simson's spricht er selbst «Richter 16, 28) sehr klar aus: Herr, Gott, gedenke doch meiner, und stärke mich doch nur dies Mal, o Gott! daß ich meine einzige Rache nehme, wegen meiner beiden Augen an den Pelischthim!" Er wollte sich also für seine hinterlistige Gefangennehmung, für seine Blendung und den empörenden Scherz, den sie mit ihm trieben, durch den Tod der zum Feste versammelten Philister rächen, obschon er wußte, daß ihn dabei voraussichtlich selbst der Tod treffen würde. Dies ist aber kein Selbstmord; sonst würde Jeder, der sich um eines anderen Zweckes willen einer sicheren Gefahr aussetzt, Jeder, z. B. der sich auf dem Schlachtfelde einer großen Gefahr aussetzt, um zu siegen oder zu sterben, wenn er unterliegt, ein Selbstmörder genannt werden. Selbstmörder ist nur der, welcher seinen eigenen Tod zum bestimmten Zweck hat. Verfolgt er einen anderen Zweck, den er aber nur mit seinem Tode erreichen kann, so kann man ihn des Selbstmordes nicht schuldig halten. Dies geht gerade aus der Vergleichung mit Saul recht deutlich hervor. Die Schlacht war verloren, die Philister kamen näher; Saul konnte mit dem Schwerte sich auf die Feinde stürzen und da sicher den Tod finden. Dann war er kein Selbstmörder. Oder er konnte fliehen, wenn es noch möglich war. Er aber stellte fein Schwert auf die Erde und stürzte sich hinein; somit war er Selbstmörder. Er war zu entschuldigen, und es war ein Akt der Verzweiflung, da Alles verloren war und er fürchten mußte, in die Hände des Feindes zu fallen, immer aber doch war es ein Selbstmord, während Simson siel, um seinen Feinden einen schweren Verlust beizubringen und so Rache zu üben. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.

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