Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1867)
- Date
- 1867-08-27
- Page
- Seite 699 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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m mehr weder vorwärts noch rückwärts gebracht werden kann; denn die Emaneipation wird so wie so nächstens geschehen. . . . Das viele Schreiben steigert nur die Bitterkeit auf beiden Seiten, folglich — hätte „Naplö“ schweigen sollen. — „Hon,“ das Organ der Linken, bittet unsere Glaubensgenossen, Niemand Andern für diese Taktlosigkeit des „Napl6“ verantwortlich zu machen; nicht einmal jene Partei, deren schlecht redigirtes lOrgan das „Naplö" ist. „Wahrlich," fährt „Hon" fort, „als wir die Motive des „Naplö“ für die Verbindung der Judenfrage mit dem Jncolatsgesetz lasen, wußten wir nicht, worüber wir mehr staunen sollten, über die Insolenz oder die national-ökonomische Ignoranz, welche nicht fähig ist, die Wichtigkeit der israel. Handels- und industriellen Klasse zu schätzen, oder über die Einfalt, die solche Dinge zu sagen wagt in einem Athem mit der Versicherung, die Emaneipation zu wollen." In einem weiteren Artikel weist „Hon“ auf die Grundlosigkeit der von den Gegnern der Emancipation verbreiteten irrigen Ansicht hin, daß das ungarische Volk im Ganzen gegen die Emaneipation sei, und es daher zu befürchten stehe, das die Votirung derselben Judencravalle zur Folge haben könnte. Ohne dies zu befürchten, hält „Hon“ es doch nicht für unnütz, die Nation rücksichtlich der Wahrung ihrer Ehre in dieser Beziehung zu apostrophiren und zugleich das Ministerium aufzufordern, solchen Gelüsten energisch zu begegnen, damit die ungarische Nation nicht, wie die rumänische und moldauische in neuester Zeit aus ähnlicher Veranlassung, der Verachtung der civilisirten Welt anheimfalle. — Als Curiosum sei 'der paradoxe Vorschlag des slavischen Blattes „Krajan“ bezüglich der Judenfrage erwähnt. Der Reichstag möge die Emaneipation nur im Principe aussprechen; in den wirklichen Besitz der politischen Rechte sollen jedoch nur diejenigen gelangen, die das Publikum dessen für' würdig halten wird. Das letztere solle in ven einzelnen Wahlbezirken über die politische und und sittliche Qualification der Israeliten abstimmen. (0 sancta siinplicilas!) Wie würde es wohl dem staatsklugen (II) und rechtssinnigen (U) Antragsteller Zusagen, wenn man sein amendirtes System auf die Slaven Ungarns anwenden wollte? Das „Pester Journal" brachte die Mittheilung, daß die Pester Commune in die Commission zur Berathung über die Vergrößerung der Honved- (Landesvertheidiger von 1848—49) Stiftung durch Privatwohlthätigkeit auch 20 angesehene Israeliten lud. Diese dankten höflichst, erschienen jedoch nicht, ließen aber die Erklärung abgeben, sich an den Beiträgen um so lieber betheiligen zu wollen, als dies heilige Pflicht der Dankbarkeit gegen jene sei, die mit ihrem Herzblute gekämpft für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. — In einem Schreiben vom 8. l. M. forderte S zen tkirülyi, Oberbürgermeister von Pest, den Vorstand der dortigen israel. Gemeinde auf Grund eines Beschlusses der städtischen Generalversammlung auf, zur Mitwirkung an den Berathungen der Commissionen für Waisen- Steuer- und Militärangelegenheiten drei Mitglieder des Vorstandes zu designiren. — In der Sitzung der Pester Stadtrepräsentanz vom 24. d. M. wurde ein Antrag des Advokaten und Repräsentanten Johann Szabö verlesen, welcher in ausführlicher Weise, einerseits die schwere Versündigung, die das Land bisher gegen die Juden begangen, andrerseitsdie großen Verdienste und schätzenswerthen Eigenschaften der Israeliten hervorhob, und an die Repräsentanten- Versammlug die Aufforderung richtete, beschlußweise auszusprechen, daß die Vertretung der Hauptstadt den Zeitpunkt für die volle Gleichberechtigung der israel. Landessöhne als angekommen betrachte und daher wünsche, die Legislative möge die Gleichberechtigung je eher aussprechen und inartikuliren. Die Verlesung dieses Antrages wurde mehrmals durch Lärm, zweifelsohne von spießbürgerlicher Seite, unterterbrochen, so daß der Vorsitzende sich genöthigt sah, den Ordnungsruf ergehen zu lassen, Nach Beendigung der Verlesung seines Antrages zog Johann Szabö denselben vorläufig zurück, dies mit dem Vertrauen auf die demnächst mit Recht und Sicherheit zu erwartende Lösung dieser wichtigen Frage durch die Legislative, sowie mit der ihm gegenüber geäußerten Scheu vieler Mitrepräsentanten gegen die Ausübung einer Pression auf den Reichstag motivirend. Kaum hatte aber Szabö seinen Antrag zurückgezogen, als Uranz Pulßky, Landtagsdeputirter, 1848 — 49 Gesandter der ungar. Regierung in London, bis vor kurzem Emigrant, erklärte, daß er, gestützt auf die Geschäftsordnung, jenen Antrag zu dem seinigen mache, was eine heftige Debatte hervorrief, bis endlich auf Antrag des Vertreters Simon Flor ent ~ der die rechtssinnige Bermerkung machte, daß die Zeit zur Proklamirung der Gleichberechtigung schon längst da war, aber seiner Ansicht nach auf den Reichstag keine Pression ausgeübt zu werden brauche — der Uebergang 35*