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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-27 · Heft 35 (27.8.1867) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 35 (27.8.1867)
Date
1867-08-27
Page
Seite 698 (sequence 6)
Language
German
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688 gegangen, haben Gottlob keine Fortsetzungen erfahren. Tie Energie der türkischen Polizei, welche an einem Tage 150 Arrestationen ausführte, das Dazwischentreten des Chacham-Baschi und des ökumenischen Patriarchen und endlich daß die Juden anfingen, sich zusammen zu thun, um den Angriffen des feigen griechischen Pöbels zu begegnen, der sich vorzugsweise auf jeden einzelnen jüdischen Händler, Lastträger u. s. w. stürzte, hat dem Gelüste zu unruhigen und gewaltthätigen Handlungen ein Ende gemacht. Die hauptsächliche Ursache dieser bedauernswerthen Conflicte war, wie Sie bereits wissen, die freudige Theiln ahme der hiesigen Israeliten an dem türkischen Siege über den kandiotischen Aufstand. Daß unsere Glaubensgenossen den Ausdruck dieser Freude nicht zurückhielten, erbittert die Griechen; weniger schon war das jüdische Blatt, das hier erscheint, daran schuld, denn das wird von Griechen nicht gelesen. Die Griechen haben den Juden ihren Haß zu oft und zu nachdrücklich bewiesen, als daß die letzteren nicht jeden Sieg der Griechen aufs Aenßcrste fürchten müßten, und daher von selbst im regsten Interesse für die Sache der türkischen Oberherrschaft aufgefordert wären. Der Masse läßt sich aber ein kluges Verhüllen ihrer Gefühle nicht zumuthen. Waren die Griechen hierüber erbittert, so ward ihnen eine durchaus nicht dazu angethane Veranlassung darin, daß ein Jude, um seinen Hühnerhos vor den Verwüstungen eines Marders zu schützen, eine Vogelscheuche aufgestellt hatte, die in einem alten Rocke bestand, welchen er auf einen Stock mit zwei Armen gezogen hatte. Die Griechen gaben dies für eine Verspottung des Kreuzes aus, während sie selbst niemals anstehn, ähnliche Vogelscheuchen aufzustellen. Der griechische Pöbel faßte dies schnell auf und ließ seiner Wuth freien Lauf. Einige hier erscheinende griechische Journale nährten den Grimm des Pöbels, indem sie jene Harm- und schuldlose Vogelscheuche wirklich als eine Verspottung des Kreuzes darstellten. Aus allem diesem geht hervor, daß es hier unter den Griechen Leute giebt, welche um jeden Preis Haß aussäen und Unruhen erregen wollen. Es soll überall im türkischen Reiche Erbitterung der Nationalitäten und Confessionen ausbrcchen, um das türkische Reich in Brand zu stecken und als völlig zerrüttet in den Augen Europas darzustellen. Das maßlose Unglück, welches sie hiermit über Millionen von Menschen ausgießen, erregt diesen Leuten keine Unruhe. Dazu sind sie freilich nicht gescheidt genug, einzusehen, daß sie zur Wiederherstellung einer griechischen Macht vielmehr dahin streben müßten, sich die Freundschaft der anderen Nationalitäten zu erwerben und die Ueberzeugung nicht aufkommen zu lassen, daß die griechische Herrschaft nichts Anderes als die blutigste Verfolgung und Unterdrückung aller anderen Nationalitäten bedeuten ivürde. Möge uns die Vorsehung hiervor beschützen! Correspondenz. Monatsberichte aus Angarn. I (Schluß.) Neu-Verbaß, Ende Juli 1867. Der allseitig kundgegebene Tadel veranlaßt „Naplö" zu einer zweiten Expectoration , worin dasselbe erklärt, unrichtig verstanden worden zu sein. (Leee!) „Wir schreiben," sagt es in dieser Erklärung, „der Emaneipation keine Bedingungen vor. Dessen werden wir Gott sei Dank nicht bedürfen, und unsere jüdischen Compatrioten werden in den Genuß aller bürgerlichen und politischen Rechte ebenso unbedingt gelang en, wie wer immer sonst... Unsere jüd. Compatrioten mögen was für eine Sprache immer sprechen, so wird es deßhalb doch Niemandem einfallen, ihnen die gebührenden Rechte zu versagen." Trotzdem wünscht „Naplö” eine präventive Maßregel, damit das durch die Juden repräsentirte Element nicht wieder den Boden zu der bereits entwurzelten, aber noch immer ihren Hoffnungen nicht ganz entsagt habenden „Germanifirungspolitik" lege. Also nicht die Deutschen, sondern die Juden in Ungarn reprasentiren das deutsche Element!! Den statist. Angaben des „Naplö,“ denen zufolge die Zahl der Juden in Pest seit ungefähr 30 Jahren von 10,000 auf 50,000 (!) und im ganzen Lande seit 1851 von 323,000 auf 413,000 sich vermehrte, stellt das officiöse „Magyar orszäg“ die großen Verdienste der ungar. Israeliten um Handel und Industrie im allgemeinen, sowie um die Hebung der Hauptstadt insbesondere entgegen. Zum Schlüsse seines zweiten Artikels bittet ,,Napl<5“ die wahren Freunde der Menschenrechte und somit der Emaneipation, eine Frage nicht mehr zu ventiliren, die

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