Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1867)
- Date
- 1867-08-27
- Page
- Seite 700 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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700 zur Tagesordnung beschlossen würde; jedoch unter protokollarischer Anerkennung jener Motive, die den Antragsteller bewogen, seinen Antrag zurückzuziehen. Das mehrerwähnte officiöse „Magyar orszag“ bedauert, daß der Antrag zurückgezogen worden, indem die Aneignung desselben seitens der Repräsentanz keine Pression und kein Mißtrauen gegen Ministerium und Legislative bedeutet hätte, da diese ihren Standpunkt bereits dargelegt haben, vielmehr würde die Annahme jenes Antrages den aus der Culturnation in den magyarischen Stamm gepropften Mitgliedern der Stadtrepräsentanz (id est den deutschen Bürgern) Gelegenheit geboten haben, zu beweisen, daß sie an Duldung und Aufklärung nicht zurückstehen. — „Sagst du jemandem die Wahrheit, so schlägt er dir in's Gesicht." Die derbe Geißelung, welche das Eingangs erwähnte intolerante Verfahren der städtischen Schwurgerichts-Commission seitens des Ministeriums und der Presse erfuhr, konnte die Majorität der Repräsentanz nicht verschmerzen und beschloß diese Angelegenheit der Rechtssektion zur Begutachtung zu überweisen. lieber den Pester Besuch unseres in Paris lebenden berühmten Glaubensgenossen und Landsmannes Eduard Horn brachte dieses Blatt bereits eine Notiz. Zu Ehren Horn's fand ein Bankett der Journalisten statt. Das Hauptthema der Toaste bildete die Judenfrage. Ein Meinungsunterschied entstand dabei, nach dem Berichterstatter des „Pester Lloyd" nur dadurch, daß wenn jemand etwas recht Freisinniges zu sagen vermeint hatte, sich immer wieder ein anderer fand, der etwas noch bedeutend Freisinnigeres vorzubringen wußte, um seinerseits von einem dritten unbarmherzig überboten zu werden. Daß eine solche Kundgebung seitens der Vertreter der Presse von Bedeutung ist, liegt auf der Hand. Horn selbst sprach zweimal unter großem Beifall über den Beruf der Publicistik. — -Angeblich auf Anregung des Oberbürgermeisters SzentkirLlyi ist in Pest ein Gleichheitsvereiu (EgyenlosSgikör) im Entstehen begriffen, welcher, ähnlich dem in den Skizzen aus Holland (dir. 29 d. Bl.) erwähnten Verein „Felix libcriate,“ die'Brüderlichkeit unter allen ehrenwerthen Bürgern ohne Unterschied der Religion anstrebend, zugleich die regere Ventilirung der öffentlichen Angelegenheiten bezweckt. 200 Mitglieder haben sich bereits angemeldet. Der interimistische Ausschuß, in den, der Tendenz des Vereines gemäß, auch Israeliten gewählt sind, schritt bereits um die Concesstoü ein. — Ludasy (Gans), Eigenthümer und Redacteur der „Debatte" wurde in den ungarischen Adelstand erhoben. (Der klerikale „Pesii Hirnölv“ freut sich, daß Ludasy in den Schoß der christlichen Kirche sich begab. Diese Freude wurde aber durch das alsbald von competenter Seite geschehene Dementi wieder zu Wasser.) Ebenso wurde mittels k. Handschreiben unserem Glaubensgenossen Dr. Moskowitz sammt Nachkommen in Pest der ungar. Adel verliehen, u. z. für seine vieljährige eifrige und erfolgreiche ärztliche Thätigkeit.*) — Ju Maria-Theresiopel (Szabadka), der größten Stadt des Bäcser Comitates, wählte die Stadtrepräsentanz den dortigen Rabbiner Kuttna in die Section für Schulen und Bildungsanstalten, und in Komorn wurde unser Glaubensgenosse L. Weiß ebenfalls in die Stadtrepräsentanz gewählt. Unter den ungarischen Ausstellern zur Pariser Industrieausstellung erhielt auch eine große Anzahl Juden Auszeichnungen, u. z. für Porcellanfabrikate (bte weltberühmte Fabrik des M. von Fischer zu Herend), für Handwerkserzeugnisse (vorzüglich Posner und Feiwel in Pest), für Hanf, Tabak, Oel u. dgl. Zufolge des, dieser Tage im „Pester Journal" erschienenen Ausweises über die Zahl der im Verlaufe der vorjährigen Cholera zu Pest Verstorbenen befanden sich unter 1351 Opfern der Epidemie nur 93 Juden und in den Spitälern 615, darunter 17 Israeliten; demnach Christen (110,000) 1,04%, Israeliten (30,000) 0,33°/o. Der Grund dieses, für die Israeliten so günstigen Verhältnisses braucht wohl nicht erst angegeben zu werden. Der wackere Oberlehrer der Pester israel. Mädchenschule, Hr. H. Rosenberg, hat das für den 2. Theil seiner nngar.-deutschen Schuldeclamationen erhaltene Verlagshonorar von 100 fl. ö. W. dem ungar.-israel. Landeslehrervereine zugewendet. Hoffentlich werden viele unserer Reichen diesem edlen Beispiele eines Nichtreichen folgen, und es dem noch jungen Vereine durch Zuwendung größerer Beitrage und Spenden ermöglichen, seine segenverheißende Wirksamkeit auch hinsichtlich der Ertheilung pecuniärer Unterstützungen je eher beginnen zu können. Herr L. R. Landau in Pest hat jüngst- *) Der geistreiche Jtzig Spitzig Pr. Ägctt) macht dazu in dem magyar. Witzblatte „ßolcmd Miska“ folgende satyrische Glosse: „Diese Herren besitzen noch keine bürgerlichen Rechte und sind schon Edelleute."