Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1867)
- Date
- 1867-08-27
- Page
- Seite 697 (sequence 5)
- Language
- German
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697 Katholiken, Protestanten und wie sie alle heißen mögen, haben zu viel darunter gelitten, als daß sie sich endlich noch länger der Erkenntniß verschließen könnten, daß auch in religiösen Dingen die Solidarität eine allgemeine ist, und daß jedes Vorrecht einer Kirche vor den anderen auch eine Unfreiheit in der eigenen bedeutet.) Donaufürstenthürner. Bukarest, 12. Aug. Wiener Blätter schreiben:- Die Judenverfolgungen in Rumänien geben den europäischen Cabinetten noch immerfort zu schaffen. Die österreichische Regierung hat, wie wir vernehmen, gleich der englischen ihren Vertretern einen eingehenden Bericht abgefordert und sie deßhalb beauftragt, an Ort und Stelle die eingehendsten Erhebungen zu pflegen und die Wahrnehmungen einerseits der mittelbar betheiligten türkischen Behörden vorzulegen, andererseits aber bei dem Fürsten Carl und seinem Ministerium energische Schritte zu thun, um die Wiederkehr solcher Vorkommnisse zu verhindern. (Was durch Wort und Schrift gethan werden kann, ist geschehn. Möge die Wiederholung der vorgekommenen Greuel niemals wieder eintreten! Die Stimme Europas hat laut genug ihr Urtheil über die gegenwärtige rumänische Regierung ausgesprochen. Wir fürchten nur das Eine, daß zwar die Verfolgungen im Großen aufhören, aber im Einzelnen und an Einzelnen desto mehr Frevel geschehen werden!) Jassy, 12. Aug. Der „Presse" schreibt man von hier: Ein Vorfall, der sich gestern hier zugetragen, verrieth die Ungeduld russischer Agenten, im Trüben fischen zu können. Ein jüdischer Schlossergeselle war nach dem Genüsse eines in der Schänke eines Christen genossenen Glases Branntwein todt zusammengestürzt, und man glaubte manchen Anzeichen nach wahrnehmen zu dürfen, daß hier das Verbrechen einer Vergiftung vorliege. Viele Juden versammelten sich in der betreffenden Straße, die Polizei und der Procuror wurden verständigt, und Letzterer ordnete die Versiegelung der Flasche, aus der man dem Schlössergesellen eingeschänkt, und die Transportirung des Todteit behufs der Autopsie in das israelitische Spital an. Kaum war jedoch der Wagen, auf dem der Leichnam lag, bis in die Nähe des russischen Consulats gelangt, als eine beträchtliche Anzahl Christen sich dem Zuge in den Weg warf und unter Lärmen und Schreien die Ueberführung des Leichnams in ein christliches Spital verlangten. Die ebenso zahlreich anwesenden Juden, von diesem Ansinnen stutzig gemacht, verlangten die strikte Ausführung des staatsanwaltlichen Befehls, und bald wurde man handgemein. Wie durch einen Zauber sah man aus dem Hofe des russischen Consulats-Gebäudes eine Unzahl von Stöcken und Stangen herausgelangen, und es erschollen die im russischen Accente gerufenen Worte: „Nieder mit den Juden, haut sie alle zusammen!" Es regnete auf die Juden Hiebe und Verwundungen, und der in zwei Straßen angesammelte Haufen der Kämpfenden drohte die Schlägerei in der ganzen Stadt zu verbreiten. Glücklicherweise erschien noch im rechten Momente zahlreiche Polizeimannschaft und derExceß wurde beigelegt. Nur fand man es für nöthig, aus dem Haufen der Excedirenden zehn Juden herauszugreifen und ins Criminal-Gefängniß zu sperren, und das Eigenthümlichste der Sache ist, daß selbst zahlreiche Christen schriftlich erhärten, daß nicht einer der Eingesperrten sich am Kampfe betheiligt, daß vielmehr Christen es waren, die denselben provocirt hatten. Der hiesige Polizeipräfect wollte sich eben wieder vor dem Minister Bratiano auszeichnen und — Ju den mußten abermals den Sündenbock abgeben. Doch den russischen Agenten ward diesmal noch die Suppe zu Wasser. Die an dem Todten vorgenommene Autopsie ergab angeblich Entzündung der Lunge und des Hirns. Die Eingeweide wurden zur chemischen Analyse an den Medicinalrath nach Bukarest eingesendet. Bukarest, 14. August. Fürst Carl hat das gesammte Ministerium entlassen. So haben sich die beiden Herren Bratiano durch ihre Brutalität gegen die Juden den eigenen Sturz bereitet. Türkei. Constantinvpel, 8. August. (Privatmitth.) Die tumultuarischen Auftritte zwischen Griechen und Juden, welche jüngst in einigen Stadtvierteln vor sich 35