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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-27 · Heft 35 (27.8.1867) · p. Seite 692

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 35 (27.8.1867)
Date
1867-08-27
Page
Seite 692 (sequence 4)
Language
German
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692 Die Zweifel, zu denen die Betrachtung dieser höchsten Dinge das menschliche Gemüch immer wieder zurückführen wird, waren durch diesen Glauben nicht theoretisch gelöst; aber dem Leben gab ihre Zurückdrängung die erste vollständig religiöse Grundlage. Die sittlichen Verpflichtungen, deren Bewußtsein überall die socialen Wechselwirkungen aus dem Gewissen entwickeln, erscheinen hier zusammengefaßt als ein Wille Gottes, den nicht der Einzelne allein durch innere Gesinnung und äußere Werke, sondern den zugleich die Gesammtheit in theokratisch geordnetem Gemeindeleben zu erfüllen und zu verherrlichen hat;* *) die Geschichte des Volks ist der Verlauf einer beständigen Wechselwirkung mit dem Gotte der Gerechtigkeit, der an die Heiligung seines Willens Verheißungen der Gnade geknüpft hat und die Verstocktheit gegen ihn züchtigt. zeigen, wird das Böse nicht als etwas Objektives, sondern nur als ein Verhältniß des Menschen zu sich selbst oder als ein subjektives Empfinden der Dinge außer ihm betrachtet. Dieselbe That kann unter Umständen gut oder böse sein, dieselbe Naturerscheinung dem Einen angenehm, dem Anderen unangenehm, ja demselben Menschen zu verschiedener Zeit bald angenehm, bald unangenehm, bald nützlich, bald schädlich sein. Darum wird auch der Mensch ohne Sünde geboren, die Sünde ist ein Werk des Menschen selbst. Hiermit stimmen die echt schriftgemäßen Lehren des Judenthums von der göttlichen Vorsehung, welche Alles für. den Menschen zum Besten lenkt, und von der Sühnung der Sünde durch aufrichtige Besserung überein. Nedakt. *) Hier geht freilich unser Verf. über eines der wichtigsten Probleme, welches der Mosaismus gelöst, allzuschnell hinweg, und zwar, weil er sich für dieses große Moment vorn christlichen Standpunkte nicht freimachen konnte. Wir meinen nämlich den integrirenden Theil des Mosaismus, den wir als das politisch-sociale Moment bezeichnen können und den Lotze mit den zweideutigen Worten „theokratisch geordneter Staat" abfertigt. Vielmehr sind es die großen politisch-sozialen Prinzipien, welche als religiös-sittliche Consequenzen aus dem Gottesbegrifs und der Lehre vom Menschen gezogen werden, der Prinzipien der persönlichen Freiheit, der Gleichberechtigung und der Besitzvertheilung bei der Heiligkeit des persönlichen Eigenthums im Staate, so daß die Gesammtheit ebenso religiös sittlich wie das Individuum sein müsse. Die israelitische Religion bleibt nicht bei dem Individuum stehen und überläßt die Gesammtheit sich selbst, sondern das Individuum ist ihr bei aller Selbständigkeit seines Daseins doch wieder ein Glied des Ganzen, und das Ganze darf nicht anders geartet sein wie der Theil. Redakt. Weder die äußern Schicksale der Nationen brachten die Erfüllung des Verheißenen, noch fand das Volk in seinem Gewissen ein Zeugniß der eignen Gerechtigkeit; das Ende des Kampfes, den das Streben der Selbstrechtfertigung gegen Gott führte, lag in der Zukunft und erschien als eine irdische Herrlichkeit des ganzen Geschlechts, das als solches, mit unklaren Hoffnungen auf eine ewige Bedeutung des einzelnen Geistes, das Reich Gottes auf Erden zu bilden sich berufen fühlte. Als die Verwirklichung dieser Weissagungen erschien sich selbst das Christenthum, von den Juden mißkannt; in der Person Christi war in vertiefter Bedeutung vereinigt, was vom Messias gehofft worden war: die abschließende Prophetie der endgiltigen Offenbarung, das Hohepriester^ liche Mittleramt der Versöhnung durch das Opfer, welches der Mittler selbst ist, die königliche Gewalt des Herrn über die Gemeinde aller Zeiten." — Wir haben diese ganze Stelle citirt, um daran zu zeigen, daß die Anerkenntniß der israelitischen Religion selbst den Hellenom anengegenüber sich Bahn bricht — aber mix mühsam, wie schon die Anmerkungen erweisen, die wir hinzugefügt. Noch mehr erhärtet dies der Schluß, in welchem der Verf. auf eine längst veraltete Weise das Judenthum in das Christenthum münden läßt. Indem nemlich Prof. Lotze das Christenthum seinen Dogmen nach zwar nicht buchstäblich ausfaßt, doch symbolisch und allegorisch festhält, soll das Judenthum dieselben Ingredienzen schon gehabt haben. Aber es ist Alles unrich tig. Die Geschichte Israels hat nur den einen Gedanken : die Erkenntniß des einzig-einigen Gottes, mit deren Consequenzen in der Uebung des Rechts und der Liebe Seitens des Einzelnen und der Herrschaft des Rechts und des Friedens in der Gesammtheit des Menschengeschlechts zu tragen und zu erhalten, bis die Menschheit in ihrer Entwickelung dazu reif geworden. Dies ist ihm die Verheißung und die Erfüllung; dies das Gedächtnis seiner Erzväter, seine Prophetie und seine Messiasidee. Von einer „Versöhnung durch ein Opfer, welches der Mittler selbst ist," von einem „Hohenpriesterlichen Mittleramt", wobei der Hohepriester selbst das Opfer, von einer „abschließenden Prophetie" weiß das Judenthum Nickts: alles dies sind Begriffe, Allegorien und Symbole, welche der späteren christlichen Dogmatik angehören. Der Messias ist nach der h. Schrift kein Prophet, sondern die Verwirklichung, wenn man will, der Verwirklicher des Rechtes, der Liebe und des allgemeinen Friedens in der Menschheit. Nirgends ist in der h.

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