Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1867)
- Date
- 1867-08-27
- Page
- Seite 691 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226581-3226617--25269-3260764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
rr. mimten hon zi- -eligion Dinge, Zähren, alation nur ehrung Wissen- Sünde höchste ahrheit immer >etrach- 'schung enüber stseins, l Bolen mit ealität ilemain der jebräii ausreligi- Ein- >er sie Die :n des g aus jener l nicht , daß , daß beim n Gero elruneb- ■x viel n als Rede iou. 691 den Ausgangspunkt der religiösen Vorstellung bildeten, sind in ihr die treibende Kraft der Entwickelung geworden. Mit welchem Scharfsinn mögen die Aegypter, wenn dem ebenbürtigen Scharfsinn moderner Ausleger ihrer Weisheit zu trauen ist, die Reihenfolge der kosmischen Potenzen bestimmt haben, aus denen die Weltordnung hervorging! Für religiöses Leben hat Dies alles ungefähr gleichen Werth mit den Lehren, welche unsere Geologie ungleich besser begründet über die Schichtenfolge der Erdrinde ausstellt. Die mosaischen Schöpfungsberichte, die nur ein sonderbares Mißverständniß für Naturgeschichte auszubeuten suchen kann, glänzen durch die Verachtung, die sie dieser kosmologischen Speculation beweisen. Keine Erscheinung machen sie zur Entwickelungsgrundlage der anderen; mit der höchsten Einförmigkeit wiederholen sie von jedem Geschöpf, daß Gott es gemacht habe, und selbst in der Reihenfolge dieser Schöpferthaten sind sie kaum nothdürftig auf eine Ordnung bedacht, die der Abhängigkeit entspricht, in welcher einzelne Theile der Wirklichkeit zu andern stehn. Genug, daß Alles von Gott geschaffen ist und daß Alles gut war, so wie er es schuf; genug, daß der Mensch als der Erwählte dieser Schöpfung, sie selbst als der Garten begriffen ist, in dem er nach Gottes Vorbild zu leben bestimmt war*). Za höheren Ehren kam die Natur auch später nicht; dem einen lebendigen Gott gegenüber hatte keine ihrer Erscheinungen einen anderen Sinn, als den, Zeichen seiner Güte und Allmacht oder seines Zornes zu sein, und als solche wußte sie die Poesie in den ergreifendsten Ausdrücken zu schildern; nie vertiefte sich dagegen die Phantasie anders als in flüchtigen Bildern in den Versuch, Gottes Wesen, als wäre ihm diese Ausge- *) Wir freuen uns, in dieser Auseinandersetzung im Allgemeinen eine so richtige Auffassung zu finden. Im Einzelnen geht sie wieder zu weit. Wie wir in unserem Bibelwerke gezeigt, will die Schöpfungsgeschichte, bevor sie zu den einzelnen Reihen der Erdgeschöpfe kömmt, die allgemeinen Bedingungen aufstellen, unter welchen das Dasein specieller Wesen nur möglich ist; also zuerst das Licht, dann der Raum, dann die Form, bewirkt durch die Trennung des Festen und Flüssigen, hierauf die Ordnung im Kreisläufe, gebunden an die leuchteuden Weltkörper. Von hier aus baut die Schöpfungsgeschichte die Wesenreihen der Erdschöpsung bis zum Menschen auf. Der Ausdruck in der Schöpfungsgeschichte ist allerdings sehr einfach, aber gerade in dieser Einfachheit wahrhaft groß und erhaben, wie es alte (z. B. Longin) und neuere Aesthetiker von Fach anerkannt haben. Die Redaktion. staltung nothwendig oder könnte ihm genügen, in der Ordnung der Natur symbolisirt zu sehen. Aber dieser Gott, der in der Natur selbst keine ernsten Zwecke verfolgte, sondern mit ihr nur in großartigem Spiel schaltete,*) hatte mit der Menschenwelt seine Absichten; indem der kosmographische Gesichtskreis der Hebräer sich fast idyllisch verengte und alle Aussicht auf die Natur im Großen gleichgiltig aufgab, hob sich das gelobte Land zur Heiligkeit eines besondern Wirkungkreises der Allmacht und wurde zum Schauplatz einer Geschichte göttlich-menschlicher Wechselwirkung. Mit jener Abwendung der Aufmerksamkeit von der eigenen Gliederung der Natur war die Gefahr vermieden, welche die kosmologisch begründeten Religionen verlockt hatte; die Gefahr, zunächst die'natürlichen Uebel, dann das sittlich Böse als nothwendige Bestandtheile der' Weltordnung und als metaphysische Consequenzen des Wesens Gottes zu fassen. Dem hebräischen Glauben war Gott nur das Gute, und weder in ihm, noch in der Schöpfung, wie sie aus seiner Hand kam, war ein Keim des Uebels; die menschliche Freiheit hatte, eben frei und durch kein metaphysisches Schicksal genöthigt, die Sünde in die Welt gebracht und als ihre Strafe den Tod und die Uebel des Lebens. Dies nun entstandene Reich des Bösen war kein denknothwendiger Bestandtheil der Welt; es hätte auch nicht sein können, und es sollte nicht sein; das Gebot, heilig zu sein, wie Gott heilig ist, galt dem Menschen, und galt ihm als ein erfüllbares in der Furcht des göttlichen Gesetzes**). *) Auch hier geht Prof. Lotze über das richtige Maß hinaus. Daß in der h. Schrift Gott in ver Natur selbst keinen Zweck gehabt, sondern mit ihr nur im großartigen Spiele schaltete, ist unwahr. Von einem „Spiel" ist niemals die Rede, sondern daß Gott die Erscheinungen in der Natur auch zu ethischen Zwecken verwandte, gewissermaßen mit dem subjektiven Zweck des natürlichen Daseins auch objektive sittliche Zwecke verband, und dies ist eigentlich eine Anschauung, die, wenn sie auch dem modernen Naturforscher nicht zusagt, doch mit dem wahren Gottesbegriff sich identisizirt. In der Einheit des göttlichen Zweckes kann eine Trennung des Natürlichen und Ethischen nicht zugelassen werden. Daß die Skribenten auch den Selbstzweck jedes Wesens für sich anerkannten, zeigen Kap. 38 und 39 des Buches Hiob, zeigt ganz populär der 194. Psalm. Wie Gott gleich gütig gegen alle Wesen sei, rühmen viele Psalmstellen. Redakt. **) Diese Auffassung ist sehr richtig und von entschiedener Bedeutung. Wie wir in unserem Bibelwerke 35*