Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1867)
- Date
- 1867-08-20
- Page
- Seite 680 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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680 Presse auf das Schneidendste kund, ja das in die Intentionen der Regierung eingeweihte „Magyar orszäg“ ertheilte der Commission die schärfste Rüge, in Folge dessen dieselbe die reklamirenden Israeliten nachträglich in die Liste eintrug und auch unter die 72 Schwurgerichtsmitglieder 4 Israeliten (Dr. Ignaz Hirschler — berühmter Augenarzt, und auch als früherer Präses der Pester isr. Gemeinde rühmlich bekannt — Dr. jur. Leopold Popper, Kaufmann August Kern und Gutsbesitzer Wilhelm Gyömröi) aufnahm. Deffenungeachtet erschien am 13. ein Ministerialerlaß an den Oberbürgermeister Szentkirälyi mit der Weisung, die genannte Commission möge sich binnen 24 Stunden über ihr exclusives Verfahren gegen die Äsraeliten rechtfertigen. Diese entschuldigte sich mit der politischen Ausnahmsstellung der Israeliten. Da erschien am 18. ein zweiter Erlaß des Justizministers Horväth, welcher unter anderen darlegte, daß schon der 15. Gesetzart. von '1846 das Recht der Israeliten, als Richter zu fungiren, feststellte, und verordnet zugleich auf Grundlage eines Ministerrathes, zur Ergänzung der Listen eine Conscription der die Schwurgerichts-Qualisication besitzenden israel. Einwohner vorzunehmen. Das erwähnte intolerante Verfahren hatten auch bereits die Städte Debrecin, Eperies und Tirnau befolgt, und müssen es natürlich nun ebenfalls wieder gut machen; es erging auch bereits an sie die ministerielle Admonition. Hiezu bemerkt der „Wanderer":' „Wohl ein anwiderndes Schauspiel, wie der Liberalismus erst „von oben herab" den freien Bürgern eingetrichtert werden muß." — Die folgenden Worte Dr. Mühlfeld's im Wiener Reichsrathe: „Wir werden wahrhaftig nicht ein Gesetz schaffen, das den Israeliten die Religionsfreiheit mittelst eines Colonisationsgefetzes zu geben versucht, um etwa zugleich zu bewirken, daß die der jüdischen Religion Angehörigen sich hüten, in dem Lande sich anzusiedeln; wir werden nicht ein Gesetz sckaffen, — und das war selbst nicht der Fall, als wir Geschworne hatten — welches von dem Amte eines Geschwornen die Israeliten ferne halten wird, wie am heutigen Tage die Listen der Geschwornen in Ungarn es zeigen" —diese Worte des Wiener Central!sten, dessen Principien die magyarische Preffe stets jedweden Liberalismus absprach, um zugleich die hohe Frerfinnigkeit des Magyarenthumtz zu glorificjren — diese Worte platzten wie eine Bombe inmitten der hierzulande in der Judenfrage an den Tag gelegten Engherzigkeit, und thaten nach „oben" wie nach „unten" ihre Wirkung. Drei Tage nach jener Rede Mühlfeld's erschien der erwähnte Erlaß des Justizministers und wieder einige Tage später der 2. Justizministerialerlaß, welcher auf die Gemüther der Israeliten beruhigend wirkte. Aber auch nach „unten", sagten wir, verfehlte die Rede Mühlfeld's nicht ihre Wirkung. „?e8ti Naplö“, Organ der ministeriell gesinnten Landtagsmajvrität konnte die Schmach nicht verwinden, welche Mühlfeld der ungarischen Nation vor ganz Europa anheftete und — brach sein bisheriges beharrliches Schweigen in der Judenfrage, aber in einer Weise, welche ihm den Spott und Hohn der gesummten liberalen Presie, ja sogar ein Desaveu seitens des vom Ministerium inspirirten „Magyor orszäg“ zuzog, und zugleich Veranlaffung gab, daß die Haltlosigkeit der eventuellen Verbindung der Gleichberechtigungsfrage mit dem Jncolatsgesetze von der liberalen Publicistik nun einmüthig remonstrirt wurde, so daß nunmehr anzunehmen ist, der Reichstag werde bei seinem Wiederzusammentritte sich an dem Wiener Reichsrath ein Beispiel nehmen und die Gleichberechtigung ebenfalls ohne Verbindung mit heterogenen Angelegenheiten votiren; besonders da nun, nachdem der Reichsrath die Gleichberechtigung aussprach, die Behauptung derer, welche eine massenhafte Einwanderung jüdischer Proletarier befürchteten, gar keinen Anhaltspunkt mehr hat. Der kurze Sinn der langen Antwort des ,,Napl6“ auf die Rede Mühlfeld's läßt sich in folgendes Resum«- zusammenfasien: „Auch der Wiener Reichsrath würde nur mittels eines Jncolatsgesetzes emancipiren, wenn Cisleithanien nicht ausschließlich l!) aus deutschen Elementen bestünde, sondern 406 Tausend Juden dorr wohnen würden, die nur das ungarische Element verträten, und außerdem zu erwarten wäre, daß nach bedingungsloser Emancipation noch Tausende kämen (horribile dictu!) den Stamm zu vermehren, und sodann etwa eine Nation in der Nation bilden wollten." (Als ob ein Bolksstamm von 4 oder 50 V Tausend Seelen einer Bevölkerung von 15—16 Millionen Seelen etwas Ungebührliches abzutrotzen vermöchte!!) „Die Juden magyarisiren sich zwar", raisonnirt „Naplö“ weiter, „aber sie bleiben im Grunde doch Deutsche und könnten zur Förderung der Germanifirung in Ungarn beitragen." (Enthält mW aber die Gleichberechtigung den Deutschen in Ungarn vor, weil sie sich nicht ma-