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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-20 · Heft 34 (20.8.1867) · p. Seite 675

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 34 (20.8.1867)
Date
1867-08-20
Page
Seite 675 (sequence 7)
Language
German
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675 bens" freundlich empfand und wirksam durchdrang. Und wie sollte dies nicht vorausgesetzt werden müssen, wo das Hirten- und ländliche Leben die Hauptrolle spielten. Nur daß die höheren Ziele dieses Volkes Schriftwerke nur dann zuließen, wenn sie in irgend einer Weise diese Ziele berührten, wie bei Ruth die Abstammung David's. Ein anderes glänzendes Beispiel giebtchas Hohe Lied, wo die Detailzeichnung ins Breite genug geht und sich mit schimmernden Farben bekleidet. Aber auch hier tritt der höhere Zweck ausgesprochen hervor, nämlich in der Verherrlichung der wahren Liebe und ehelichen Treue (8, 6. 7.). Literarischer Wochenbericht. Frankfurt am Main, 8. August. <Literaturbericht von K.) Daß der Werth eines Schriftwerks just nicht immer von seinem Umfange abhängt, ist eine anerkannte Wahrheit. Ja, wenn Einem eine Hanä voll Waizenkörner geboten werden, sollte es nicht willkommner sein, als wenn wir sie erst aus einem großen Haufen Spreu heraussuchen müssen? Darum gestatte ich mir heute über eine Anzahl jüngst erschienener in hebräischer Sprache verfaßter Brochüren zu berichten, was um so mehr am Platze sein möchte, als solche kleine Schriften so leicht übersehen und vergessen werden. I) Jcruschalajim Habnuja, von Abraham Krvchmal, Erklärungen über verschiedene schwierige Stellen im Talmud Jeruschalmi. Der Verf. legt hier Zeugniß ab, daß er den kritischen Geist seines Vaters geerbt und auch in der talmudischen Literatur wohl bewandert ist. In der Einleitung bespricht er das halachische Studium in den babylonischen und jerusalemitanischen Schulen und beweist, daß R. Jochanan nicht der Abfasser des T. I. sei, ein Jrrthum, der daraus entstanden, weil die oft abweichende Leseart der Mischna im jerusal. Talmud nach der Version von R. Jochanan angenommen worden sei, wozu der Verf. die zutreffendsten Belege giebt. — Von seinen Erklärungen des Textes wollen wir nur einige hervorheben. Es heißt in Rosch H. l, 3 tns -nyb« S'n in viv'witr „der Weltlauf ist, daß ein menschlicher König die Wähl hat, ob er seine eigenen Gesetze befolgen wolle oder nicht, anders bei dem göttlichen König." Die bis jetzt noch nicht erklärten hebr. Worte-Hält der Verf. für Pro Basileus nomos agriphos d. h. das Gesetz ist nicht für den König geschrieben. In Beza l, 7 wird gesagt: R. Elieser und R. Mathna vw'pvixb swvb rft was der Commentar übersetzt „sie erlaubten einen Mann Namens Peta am Sabbat zu Ursicinus zu tragen!" Der Verf. fügt nun nach den Parallelstellen in Scheb. 3. Sanh. 3, 5 das Wort hinzu und der richtige Sinn ist nun: „sie erlaubten am Sabbat für Ursicinus (den Feldherrn von Gallus) Brod zu backen." Sanh. 3, 5 erklärt er das Wort 1ÜSN71 mit dem römischen sul> hasia. Seiner Erklärung zu erwi'uy „bleibe bei deinem Thema" fibid. 2, 6) werden schwerlich die Philologen zustimmen, obgleich der Zusammenhang nach seiner Vorstellung dafür spricht. Da uns der Raum in diesem Blatte nicht verstattet, einige seiner halachischen Erklärungen hervorzuheben, so machen wir nur auf S. 43 aufmerksam, wo der Verf. aus mehreren Zitaten bei richtiger Erklärung beweist, daß Schofer und Lulab nur für den Tempeldienst mosaisch geboten seien, was auch die wirkliche, aber natürlich geheim gehaltene Ursache sei, daß nur für Mila allein die Sabbatgesetze übertreten werden dürfen. — Wir wollen noch die kleine Notiz vom Verf. beifügen, daß Meg. 4, 1 die Quelle sei, aus der die Angabe Maimons entlehnt ist, daß die Kajüten in den Schiffen keine Mesusakapseln haben muffen. 2) Sclmlchan Aruch. L. Modena Rabb. in Venedig hat auf das Verlangen vieler Christen, welche die jüdischen Sicken und Gebräuche aus reiner, und nicht aus der getrübten Quelle judenseindlicher Schriften kennen ■ lernen wollten, in ital. Sprache ein Schriftchen über die jüdischen Riten verfaßt. Einen besonderen wissenschaftlichen Werth hat dieses Schriftchen eigentlich nicht; wir erfahren aber daraus, daß schon im 17. Jahrhundert in Italien das Verbot, christlichen oder von Christen nur berührten Wein zu trinken, allgemein nicht mehr beobachtet wurde; daß man Fleisch und Fische zusammen verspeiste, daß es zuweilen vorkam, daß einer eine zweite Frau heirathete ohne sich von der ersten scheiden zu lassen, wenn sie unfruchtbar ist, daß jeder obligatorische Festtag schon am Vorabend beginnt, wie am Versöhnungstag und am 9. Ab; daß man den lächerlichen Gebrauch der Capparoth im Orient und Italien, weil er heidnisch sei, abgeschafft habe. Nicht erwähnt werden: Tekufah, Taschlich und Col-Nidre. Salomon Robin hat dieses immerhin interessante Schriftchen aus dem Italienischen ins Hebräische übersetzt. Modena hat eine zweite Ausgabe veranstaltet,, die 1638 in Venedig ge-

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