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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-20 · Heft 34 (20.8.1867) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 34 (20.8.1867)
Date
1867-08-20
Page
Seite 672 (sequence 4)
Language
German
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672 legen von der Justiz und den Finanzen, lag doch darin gleichzeitig der Lohn für ihre gegen die Juden in Gang gesetzten Agitationen, wenn sie durch Beseitigung aller Concurrenz die Staatsgüter zu Spottpreisen pachten, und sich derart auf Kosten des Staates in kurzer Zeit bereichern konnten. Die Agitationen gegen die Juden begannen deßhalb von Neuem, Volksversammlungen wurden wieder veranlaßt, Beschlüsse gegen das Circular des Finanzministers gefaßt, und offene wie geheime Drohungen gegen die Juden, wenn dieselben sich an den Licitationen betheiligen sollten, überall verbreitet. Der General-Präfect, von dem gewiß mit Unrecht behauptet wird, daß auch er die günstige Gelegenheit nicht habe vorübergehen lassen wollen, ohne ein fettes Geschäftchen zu machen, telegraphirte an die Regierung nach Bukarest, daß er für die Ruhe der Stadt nicht einstehe, sofern man auf der Berechtigung der Juden zu Güterpachtungen bestehen sollte. Mittlerweile war der erste Licitations-Tag herangerückt und gleichzeitig mit den andern Concurrenten fanden sich auch mehrere Israeliten ein; aber ohne daß sie sich's versahen, wurden sie von einer Rotte Gesindels aus dem Saale heraus und die Stiege hinunter getragen. Die Verdrängten reclamirten, die Concurrenzscheuen demonstrirten und der Präfekt telegraphirte abermals nach Bukarest. Die Regierung nun, von dem Toben dieser Clique in dem separationslustigen Jassy erschreckt, erwiederte: „Man möge nach dem Willen des „Volkes" handeln." Im Haudumwenden waren sämmtliche Staatsgüter in der Moldau licitando verpachtet, die erzielten Preise der Regierung telegraphisch berichtet und, in Erwartung der von derselben herabzulangenden Bestätigung dieser Abschlüsse, rieben sich die Sieger froh die Hände. Aber, welche Enttäuschung mußten dieselben erfahren, als gestern plötzlich die Antwort eintraf, daß die Regierung diese Abschlüsse, als dem Staatsschätze nachtheilig, nicht bestätigen könne und die gänzliche Sistirung aller Verpachtungen bis auf Weiteres anordne. Nun ging das Toben von Neuem los, und in einer soeben wieder abgehaltenen Versammlung der enttäuschten Pachtersteher, durchgehends ergebene Diener Bratiano's und folglich auch der Regierung, faßten dieselben den niedergelegten Beschluß, daß die Regierung sich bezüglich der in der Moldau gelegenen Güter nicht einzumengen und auch keine Bestätigung oder Nichtbestätigung zu erlassen habe, daß ferner die Pachtersteher jeden gegen ihre Abschlüsse gerichteten Beschluß als null und nichtig ansehen. Dieser Protest wurde der Regierung mitgetheilt und erwartet man jetzt deren Antwort. — Aus allem Diesem geht hervor, daß es auf die persönlichen Gesinnungen und Verheißungen des Fürsten Carl gar nicht mehr ankomme, da die Minister, die Ober- und Unterbeamten sich nach ihren persönlichen Interessen und Meinungen richten. Verwendungen bei den: Fürsten werden daher ebensowenig ausrichten wie die Proteste der europäischen Regierungen, so lange diese keinen faktischen Nachdruck erhalten. Es ist daher erklärlich, daß die rumänischen Israeliten, wie mehrere Correspondenzen es darthun, sich keinen wirklichen Erfolg von der Reise des edlen Sir Moses Montefiore versprechen, so wenig, wie seine früheren Reisen nach Petersburg und Rom unter Kaiser Nikolaus und Papst Pius IX. haben konnten, so lange ein entschiedenes System entgegenstehl. Analelrten. 4. Loße über den Character der hebräischen Sprache und Literatur. Bei der Betrachtung über die ältesten Völker des Morgenlandes, für welche „das Schöne vorzugsweise im Großen lag," spricht sich Lotze*) über hebräische Literatur und Sprache folgendermaßen aus. „Nur das hebräische Volk hat uns redende Denkmäler seiner alten Gemüthswelt hinterlassen. Eine reiche Literatur muß außer den Schriften bestanden haben, welche jetzt das alte Testament vereinigt; nach den Hindeutungen, die dieses selbst enthält, mag sie jedoch wesentlich gleichartig dem gewesen sein, was wir noch besitzen. Wir wissen nichts davon, daß Neigung zu wissenschaftlicher Untersuchung dem Volke eigen gewesen sei; auch ist die Sprache weder für diesen Zweck, noch zum Werkzeuge eines vielseitigen, allerhand Gesichtspunkte zur Geltung bringenden Verkehrs ausgebildet. Nicht als könnte in der ursprünglichen Anlage einer Sprache, in den Grundzügen ihres Baues ein unübersteigliches Hinderniß liegen, welches von der Entwickelung irgend einer Seite des geistigen Lebens ausschlösse; sondern der Zu- *) Siehe Mikrokosmus. Ideen zur Naturgeschichte und Geschichte der Menschheit (Leipzig 1864) Bd. UI S. 286.

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