Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-20 · Heft 34 (20.8.1867) · p. Seite 670

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 34 (20.8.1867)
Date
1867-08-20
Page
Seite 670 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226581-3226616--25247-3260741
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

670 kommen Heeßen, die sich mit den von dem Blute ihrer Kinder befleckten Händen einführt? Wie soll jene Nation zur Verbrüderung und Gesittung gelangen, die über ungerechten Unterdrückungen und barbarischem Ostrazismen brütet? Die Freiheit ist ein alter Gast in Eurem Lande; sie wurde Euch von den unbesiegten Legionen unserer Väter zugetragen. Und diese Freiheit schlug so tiefe Wurzeln, daß sie weder die Horden der Barbaren, noch die langjährige Schmach der türkischen Knechtschaft nuszurotten vermochte. Euer Volk muß in seiner Fundamentalverfassung das mächtige Princip der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze ohne Unterschied des Cnltus feierlich anerkennen. Es soll der Vorläufer der Freiheit werde», nicht jener oligarchischen Freiheit, welche ein Mancipium Weniger ist, und diesen nur dazu dient, andere zu unterdrücken, sondern jener Freiheit, die, indem sie die Rechte aller sichert, ein Volk zur Familie macht, und weit davon ins Heiligthum des Glaubens frevelnd einzndringen, jede ehrliche Ueberzeugung achtet und dem freien Menschen freie Wahl läßt seinen Gott zu preisen. So mögt Ihr, theure Brüder, zu Euren Mitbürgern sprechen und es wird, wenn Eure Worte in ihren Herzen Echo finden, Euer Wort von Generationen gesegnet werden, und eine neue Gloriole durch Euch über unserm Institut erglänzen. Die zweite Stimme läßt sich aus Rußland vernehmen. Das in Paris und Brüssel erscheinende Journal ,,1’Eeho de la Presse russe“ enthält in seiner Nummer 63 (vom 8. August): „Lassen die Lorbeeren des Herrn Bratiano den Herrn Aksakow, den Chefredakteur der Moskva*), nicht schlafen? Finden die Heldenthaten der Fanatiker von Galacz, welche unglückliche Juden, deren einziges Verbrechen ihre Glaubenstreue ist, mit dem Bajonet in die Donau stürzen, in dem „heiligen Rußland" Bewunderer, und sucht der moskovitische Schriftsteller in Rußland ähnliche Scenen, hervorzurufen? Man wäre versucht, ihn deßhalb in Verdacht zu haben, wenn man seinen giftigen Ausfall gegen die Juden liest, welche *) Das Journal Moskva ist vielleicht das fanatischste russische Blatt, welches in seinen Auslassungen so extrem ist, daß es erst vor Kurzem der Strafe der Suspension guf einige Monate unterlegen hat. Redakt. d. A. Z. d. I. doch schon seit Jahrhunderten ihr Blut und Gut dem Dienste des allgemeinen Vaterlandes opfern. Die Thatsache ist folgende. In der kleinen Stadt Potchaiew in Volhynien bat eine Jüdin, die in einen orthodoxen (d. i. griechisch-katholischen) und von der Wahrheit der orthodoxen Kirche durchdrungenen Postillon verliebt war, um die Taufe. Der Priester verweigerte, Gott weiß weßhalb und ganz gesetzwidrig, den Akt zu vollziehen, wobei er als Borwand angab, daß die Katechumene vorher eine Autorisation der israelitischen Gemeinde, zu der sie gehörte, zeigen müsse. Es wurde kein Schritt gethan, um von dieser Gemeinde besagte Autorisation zu erhalten, die nun auch natürlich nicht abgeliefert wurde. Dieses so einfache Faktum, in dem die Juden nur zufällig Vorkommen, dient Herrn Aksakow zum Vorwand, seine Galle »auszuschütten. Die Juden sind nach ihm eine bevorzugte Kaste, welche ihre Vorrechte dazu mißbrauchen, die orthodoxe Bevölkerung zu unterdrücken. Es wäre Zeit, die orthodoxen Bewohner der südlichen und östlichen Provinzen, die unter dem israelitischen Joche gebeugt sind, zu emancipiren. Also es sind Juden, welche die orthodoxe Bevölkerung drücken, und ans den Juden muß man, sagt Herr Aksakow, den „abscheulichen und unmenschlichen Fanatismus ausrotten." Dje Moskva findet nach ihrer Weise einen logischen Zusammenhang in diesen Betrachtungen, die durchaus keinen haben, und beschuldigt die Juden für das zweifelhafte Betragen eines orthodoxen Priesters. Wir hoffen, daß sich das Publikum nicht verleiten und irre machen lassen wird durch eine Reihe von Phrasen, die ebenso , voll von Leidenschaft wie leer an Sinn sind. — Die Wiener Blätter bleiben dabei, was sie von Anfang an behaupteten, daß der Grund der Judenverfolgung ein ganz anderer gewesen, als die Regierung vorgäbe. Die Regierung hatte nämlich längst schon von den Umtrieben und Vorsätzen der Separatisten-Partei Wind bekommen, sie sah ganz deutlich voraus, wie es kommen werde, und um den Moldauern womöglich einen anderen Gegenstand für ihren Haß und Widerwillen gegen die Walachei und die Union mit derselben darzubieten, ersann sie die Verfolgungen der Juden. Dies sei ihr jedoch schlecht gelungen, und die Lage der Dinge sehr schlimm. Weitere Correspondenzen über die Judenverfolgung in den Donaufürstenthümern, die eben dem britischen Parlamente vorgelegt worden, bringen Mittheilungen über eine Unterredung, die der englische Consul

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.