Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1867)
- Date
- 1867-08-13
- Page
- Seite 667 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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667 den christlichen Katakomben gleicht; sie besteht aus langen Straßen oder Gallerten, die in Sandstein ausgehauen sind, mit den Gräbern in ihren senkrechten Wänden. Anstatt der christlichen Symbole des Kreuzes oder des Monogramms, des Ankers, des Fisches, oder des Schiffes, zeigen die jüdischen Gräber den siebenarmigen Leuchter, die Gesetzeslade, oder andere jüdische Embleme; aber fast in jeder anderen Hinsicht würde es schwierig sein, die Friedhöfe der beiden Racen zu unterscheiden. Der Vergleichnngspunkt, mit welchem wir uns jetzt beschäftigen wollen, ist der Charakter der Grabinschriften, welche jede der beiden Gemeinden anwandten. Vozi den Namen, welche in den Inschriften Vorkommen, sind nur sieben hebräisch; zwölf sind griechisch und vierundzwanzig lateinisch, und doch ist die vorwiegende Sprache der Grabschristen die griechische. Da ist keine einzige in hebräischer Sprache *), und nur zwölf sind lateinisch. Es ergiebt sich klar aus vielen Umständen, daß, was auch von den° römischen Juden als einer Körperschaft gesagt werden mag, die Juden, welche diese Katakombe erbauten, eher aus der Zerstreuung als aus dem eigentlichen Juda stammen. Einige dieser Inschriften bestätigen dies auch vollkommen. Zum Beispiel: MANNACIVS SORORI CRYSIDI DULCISSIME PROSELYTI „Mannacius seiner theuersten Schwester Crysis, einer Proselytin." (Nuovc Epigrafi, p. 15). So ist auch die Sprache und die Construction der Grabschristen ganz dieselbe wie die der christlichen Grabschriften in Rom. Wir finden in ihnen dasselbe Durcheinander von Griechisch und Latein in einer Grabschrift; dieselbe eigenthümliche Orthographie in beiden Sprachen; denselben Gebrauch griechischer Flexionen bei lateinischen Worten; dieselben Sprachfehler in der Wortfügung und im Satzbau; dasselbe Schreiben der lateinischen Worte mit griechischen Buchstaben u. s. w. Einige dieser charakteristischen Eigenthümlichkeiten finden sich in folgender Grabschrift sehr sonderbar vereinigt: BENE ROSA ANRON XVII EKONMARI TOUS MESIS XV.**) Die mittlere Linie ist von dem Symbol des siebenarmigen Leuchters eingenommen, und die Grabschrift muß *) In einigen ist das Wort Vlbw „Friede" mit hebräischen Buchstaben geschrieben: und in einem ist das hebräische w gebraucht in einem latinisirten hebräischen Namen, aus Mangel eines römischen Buchstaben, der den hebräischen Buchstaben W ausdrückt. **> Diese Grabschriften sind, zur Erleichterung des Lesers, von dem Griechischen in lateinische Buchstaben überschrieben worden. folgendermaßen gelesen werden: — Beneros anron XVII, ekon maritous mesis XV. „Denervsa, siebzehn Jahre alt, hatte einen Gatten (war verheiratet) fünfzehn Monate." Es ist nicht nöthig die Fehler in diesen wenigen Worten noch hervorzuheben, die ihren Gipfel in folgenden Worten finden: anron für annorum, wobei die Einführung lateinischer Worte in einen griechischen Satz mit der seltsamen Anomalie, das lateinische Wort mit einer griechischen Flexion zu versehen, bemerkt werden kann. Die selsam abweichende Form ekon (für eiche) kann nur für einen Schnitzer des Verfassers der Grabschrift angesehen werden; und maritous, das nur das in griechischen Buchstaben wiedergegebene „maritus" ist, ist ganz klar der Schnitzer eines Ausländers für den Accusativ ,,maritum". Noch viel wichtiger ist die Vergleichung zwischen. den Gefühlen und Lehrsätzen dieser jüdischen Grabschristen mit denen christlicher Katakomben. Und da ist es zunächst sehr überraschend zu finden, daß , während mehrere Symbole, die auf den Gräbern aufgefunden sind, ganz klar jüdische sind, doch auch wieder andere da sind, welche bis dahin allgemein für fast ganz bestimmt christliche Symbole gehalten wurden. Der Palmenzweig, der schon' lange als das christliche Symbol des Märtyrerthmns gehalten wurde, ist ein Lieblingsemblem auf dem jüdischen Friedhofe. Ein zangenförmiges Instrument, welches viele Archäologen für einen der Torturhaken hielten, die bei der grausamen Verfolgung der glaubenstreuen Märtyrer angewandt wurden — und das, wenn es alleinsteht, dies auch wahrscheinlich bedeutet — wird hier sehr häufig auf jüdischen Gräbern gefunden, freilich nicht alleinstehend, wie bei den christlichen, sondern in Verbindung mit dem Leuchter und der Lampe und dem Oelkrug, und soll da wahrscheinlich die Zangen der Scheeren darstellen, mit welchen die Lampe. geputzt wurde. Noch mehr zu verwundern ist das Factum , welches diese Inschriften enthüllen, daß jene wohlbekannten Gebete für „die Ruhe" oder „das Leben" des Tobten, welche römisch-katholische Polemiker als Beweis für den frühen christlichen Gebrauch von Gebeten für den Tobten anführen, ganz ebenso häufig auf christlichen wie auf jüdischen Grabschriften Vorkommen; ja, daß, wenn man die Inschriften in Herrn de Rossi's großer christliche» Sammlung, soweit sie bis jetzt reicht, mit P. Garrucci's rein jüdischer Sammlung vergleicht, verhältnißmäßig in letzterer Sammlung viel mehr solche Gebete gefunden werden als in der christlichen. Dieses Factum ist so neu, daß wir einige wenige der charakteristischsten Beispiele anführcn wollen. Sie kommen sowohl in lateinischen wie in griechischen Grabschriften vor. Zum Beispiel: „MARCIA BONA IUDEA. DORMI(TIO) TUA I(N) BONIS.“ Marcia eine gute Jüdin. Schlafe unter den Guten!" — S. 34.