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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-13 · Heft 33 (13.8.1867) · p. Seite 668

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 33 (13.8.1867)
Date
1867-08-13
Page
Seite 668 (sequence 20)
Language
German
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668 Und „ALEXANDER BUBULARIUS DE MA CELLO QVIXIT ANNIS. XXX. ANIMA BONA OM NIORIÜM AM1CÜS DORMITIO TUA INTER DICAELI8." „Alexander, ein Fleischer aus den Schlachthäusern, welcher dreißig Jahre lebte. O gute Seele, Freund aller Menschen, mögest Du bei den Gerechten schläfert!" — S. 44. Und im folgenden, neben dem gegenwärtigen Gebete, ist auch noch eine Bitte an den Leser, auch für ihn zu beten: ENTHADE REIT AL IOOSES TO NEPION EDUN ET BEE PRO KOPIS 0 PATER KRIS PINA DE MET PROS EUCHOIO EN EIRENE TEN KUMESIN AUTOÜ „Hier liegt Joses, ein süßes Kind, zwei Jahre und acht Monate alt. Sein Vater war Procopius und seine Mutter Crespina. Bete für seinen Schlaf in Frieden!" Die Entdeckung dieser Formen auf jüdischen Grabschriften ist von den Polemikern mit keinem geringen Triumphe begrüßt worden als ein neuer Beweis des außer-evangelischen Ursprungs analoger Gebete für die Verstorbenen, welche in der modernen römischen Kirche in Gebrauch sind. Jedoch muß man auch erfahren, daß das Factum von dem Vorhandensein dieser Gebete auf den jüdischen Grabschriften den archäologischen Gelehrten schon lange wohl bekannt war. Bosio veröffentlicht in seiner '„Roma Subterranea“ einige Beispiele der Grabschriften jüdischer Katakomben, die von ihm entdeckt worden, in denen dasselbe vorkommt. Ja, so weit entfernt sind die römischen Archäologen davon, die Analogie zwischen einigen der Gebräuche und Formen ihrer Kirche mit denen des alten Juda's und selbst des Heidenthums zü verbergen, daß, kurz nach der Herausgabe von Conyers Middleton's berühmtem „Versuch über den heidnischen Ursprung der Riten- und Ceremonien der römischen Kirche", ein bedeutendes Werk in Rom, unter dem Schutze des Cardinalvicars, von dem berühmten Giovanni Marangoni veröffentlicht wurde, mit dem ausgesprochenen Zwecke, die Analogie zu beweisen, wobei er viel weitläufigere und seltsamere Details ausführte, als es der englische Pole- > miker gethan. Äa, es scheint aus der einzigen englischrömisch-katholischen Notiz der jüngsten Entdeckung, welche uns vor Augen kam, hervorzugehen, daß sie weit davon entfernt sind, dem Publikum diese Facta zu verbergen, sie im Gegentheil es als eine Bestätigung jenes Argumentes zu Gunsten ihrer Lehre ansehen, welches sie aus den Grabschriften der christlichen Katakomben herleiten. Anekdote. Äus dem vorjährigen Kriege. Aus dem südöstlichen Böhmen, der Gegend von Neuhaus, wird uns als heitere Reminiscenz an das vergangene Kriegsjahr folgendes Geschichtchen erzählt: „Ein preußischer Officier, der bei einem alten Bauer einquartiert war, forderte von diesem nicht blos das ihm zugewiesene Maß kalter und warmer Küche sammt den obligaten Zuthaten, sondern wünschte auch von seinem Kostgeber mit Cigarren versorgt zu werden. Im Dorfe selbst waren aber nur Exemplare jener Sorte zu haben, welche mehr geeignet ist, vom Rauchen zu entwöhnen, als dazu zu reizen; der preußische Lieutenant konnte selbstverständlich diesen auf der bescheidensten Stufe österreichischer Tabakfabrication stehenden Erzeugnissen keinen Geschmack abgewinnen; er fluchte, der Bauer entschuldigte sich und die Situation zwischen Wirth und Gast war schon auf das Höchste gespannt, als der Officier endlich ein Silberstück aus der Tasche zog und den Bauer aufforderte, nach Neuhaus zu gehen und bessere Cigarren von dort zu holen. Der Landmann, eine etwas schüchterne und zaghafte Natur, that wie ihm befohlen, lief nach Neuhaus und brachte dem feindlichen Officier drei Cigarren von der besten Qualität, die in Neuhaus aufzutreiben war. „Warum bringen Sie mir nur drei Stück?" fragte mürrisch der Officier.— „Ich habe für das Silberstück nicht mehr bekommen", erwiderte der Bauer. — „Sind sie jut?" lautete die weitere Frage des Officiers. Der Bauer, der diese Worte so auffaßte, als ob er gefragt würde: Sind Sie „Jud", gab wahrheitsgetreu eine verneinende Antwort. „Wie" — schrie der Officier — „nur drei Stück und auch nicht jut sein!? Das sollst Du büßen, dummer Bauer." Er erhob seine Rechte und erprobte in ungenirtester Weise ihre Kraft an den Wangen des Landmanns, dessen einziges Verbrechen darin bestand, mit dem Berliner Jargon nicht vertraut zu sein. — Der Officier steckte nach dieser That die Cigarren, der Bauer die Ohrfeigen ein. Um seine Nachbarn aber vor ähnlichen Liebesbezeigungen zu schützen, lief der geschlagene Bauer zu seinen Verwandten und Bekannten, und ertheilte ihnen den freundschaftlichen Rath, sie möchten, wenn sie mit den feindlichen Officieren auf gutem Fuße leben wollten, nur immer behaupten: sie wären Juden. Die Bauern, die nach keiner religiösen Märtyrerkrone geizten, befolgten den Rath, und so war das ganze Dorf mit einem Male von lauter Juden bewohnt. Verlag von Baumgartner s Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze. 1

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