Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1867)
- Date
- 1867-08-13
- Page
- Seite 658 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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65$ sicher dünken, entstehen. Es würde dadurch nicht blos von den gegenüberstehenden Extremen, sondern von allen Anhängern der gegenwärtigen gesetzlichen Ordnung und freisinniger Grundsätze ein Kampf heraufbeschworen, dessen Spitze sich gegen diejenigen richten würde, welche ihn heraufbeschwören. Ist ein solcher Kampf entbrannt, so weiß man nicht, wo er sein Ende finden werde, und schon wiederholt hat es sich in der Geschichte ereignet', daß Diejenigen, welche Fesseln anlegen wollten, in Fesseln geschlagen worden sind. Selbst darin täuscht man sich nicht selten, daß man einer Wahrheit sicher zu sein glaubt, wo sich nach kurzer Zeit eine mächtige Opposition aufthut. Spricht man doch selbst über Pläne des Jesuitenordens, welche bei dieser jüngsten Zusammenkunft so vieler katholischen Geistlichen in Rom gescheitert sind, da namentlich die niedere Geistlichkeit das Eingehen auf ein gewisses Gelübde verweigerte. Vom Po, 7. Juli. (Privatmitth.) Daß meine Auslassungen, wie Sie meinen, von einer gewissen auf unangenehmen Thatsachen beruhenden Erregung geflossen sein mögen, und daß folglich die Lage nicht so verzweifelt sei, wie ich sie angebe, ist leider nur ein frommer Wunsch. Ganz andere bedauernswürdige Thatsachen, als welche Sie meinen, haben mich überzeugt, daß man den Untergang der Religion beabsichtigt. Ich werde sie Ihnen später mittheilen; unterdessen genügen die weiteren Vorgänge in der Sache des Collegio rabbinico nazionale italiano zu meiner Rechtfertigung. Wer hätte je geglaubt, daß die Gemeinden, die sich bei dem letzten Congreß repräsentiren ließen, die Beschlüsse desselben nicht genehmigen würden? Und doch zieht sich eine Gemeinde nach der anderen von dem Verbände zurück und verleugnen ihre Abgeordneten. Livorno, Ancona, Ferrara, Sinigaglia, mit einer Bevölkerung von zusammen 8400 Seelen haben den Reigen eröffnet. Asti, eine reiche Gemeinde von 450 Seelen, hatte schon im Voraus erklärt, daß sie die Spesen des Verbandes nicht mitmachen wollte, wenn ihrem Vorschlag, die Einberufung einer reformatorischen Rabbinerversammlung betreffend, nicht Folge geleistet worden wäre, und dieser übereilte Vorschlag, den der Congreß leichtsinnig, fast ohne Erörterung angenommen hatte, wurde von den Gemeinden verworfen. Und wie hoch belaufen sich diese Spesen? Auf jährliche 11.500 Lire (3000 Thlr. Pr. Ct. ungefähr), nämlich 9000 für die Rabbinerschule, 1006 für die Herausgabe nützlicher Bücher (eine sehr unverständig verwaltete Angelegenheit), und 1500 (früher 2000), welche zu Verfügung der vollziehenden Commission gestellt worden. Rovigo und Verona (1800 Seelen) suchen Borwände, um zur Erhaltung der Rabbinerschule nicht weiter steuern zu müssen. Die Gemeinde von Padua ist die Einzige, die sich in dieser und in allen das Judenthum berührenden Angelegenheiten stets musterhaft und freigebig benahm; sie war zu jedem Opfer bereit, um die Rabbinerschule nicht nur zu erhalten, sondern auch zu erweitern; da aber bei der künftigen Bertheilung der Kosten ihr Antheil, weil sie nur 800 Seelen zählt, sich vermindern wird, so hat sie jüngst weitere 500 Lire freiwillig zu Gunsten der Rabbinerschule votirt, mit welchen die Büchersammlung erweitert, und die beste Abhandlung eines Zöglings belohnt werden wird. Herr Professor Lolli, von welchem ich in meiner Correspondenz vom 5. Januar l. I. in dieser Zeitung Erwähnung that, gab vor wenigen Tagen in Padua das erste Heft eines italienisch verfaßten Wörterbuches der hebr. - rabbinischen Sprache, auch vieleWörter des späteren Hebräisch en enthaltend, heraus. Die Theilnahme des Publicums wird ihn zur Fortsetzung dieses wichtigen, großen Fleiß und gesunde Kritik bezeugenden Werkes ermuthigen. Es ist eine erfreuliche Erscheinung auf unserem dunkeln Horizont, wo die jüdische Wissenschaft zu selten schimmert. Böm Po, 1. Aug. (Privatmitth.) Die Sache des Collegium rabbinieum verwirrt sich mehr und mehr. Da die ital. Gemeinden theils dem Verbände nicht beitreten wollen, theils ihren Beitritt noch nicht gemeldet haben, und indeß das Schuljahr zu Ende geht, vereinigten sich vorige Woche die Abgeordneten der lomb.-venet. Gemeinden in Padua, um sich über ein Provisorium zu verständigen; sie mußten sich aber auf October vertagen, weil die Gem. an Verona künftighin nur die Hälfte ihres früheren Beitrags zahlen will. Sie hat auch gegen die künftige Bertheilung der Kosten nach der Bevölkerung Protest eingelegt, weil sie darin nur zu verlieren hat. Sie sehen, die Fortdauer des Collegium rabbinieum hängt an einem Faden.