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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-13 · Heft 33 (13.8.1867) · p. Seite 656

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 33 (13.8.1867)
Date
1867-08-13
Page
Seite 656 (sequence 8)
Language
German
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daß die große Mehrheit der Menschen immer geneigt ist an eine völlige Umkehr von Personen zu glauben, dann aber auch wieder in das vollste Mißtrauen umschlägt, wenn sie, unerwartet fürste, darauf stößt, daß Niemand den alten Adam auszieht und daß kluges Rachgeben gemäß der Umstände der Zeit kein Aufgeben der eigentlichen Grundsätze sei. Aber auch der Reichstag legte den Mühlfeld'schen Antrag zu den Schatten der Commissionsbcrathungen. Freilich waren nur Wenige, wie Prof. Jäger und P. Greuter herzhaft und entschieden genug, sich dagegen auszusprechen. Allein schon die Abstimmung erwies, daß die Wahrheit nur eine geringe, die Minderheit eine sehr starke sei. Die wirkliche Majorität aber that sich auf dem Umwege kund, wie die Sache behandelt werden solle. Anstatt frisch auf den Antrag Mühlfeld's einzugehen, schlug Dr, Herbst eine Dreitheilung vor, welche den Gegenstand in Eherecht, Schulwesen und confessionelle Gleichstellung trennte. Dadurch wurde sofort die Frage so enorm ausgedehnt, daß an ihre Erledigung gar nicht zu denken. Nun hatte man wieder Gelegenheit Subkommissionen zu wählen, die wiederum einzelne Mitglieder zur Ausarbeitung von Gesetzentwürfen über die einzelnen Materien ernannten, und — nun , es tritt eine Vertagung des Reichstages ein und so weiter. Diese kurze Schilderung wird genügen, um den Stand der Angelegenheit zu charakterisiren. Allerdings zeichnet sich hierbei auch die Gesinnung und der Bildungsstand der österreichischen Völker ab. Eine wahrhafte Neigung für die Gewissensfreiheit und die Gleichberechtigung besteht lediglich in der Residenz und bei den höher Gebildeten einiger deutschen Kronländer; denn bekanntlich Throl und Stcyermark sind keine Freunde derselben; die Czechen stehen mit den Ultramontanen im Bunde, und die Polen ihnen nicht fern. Man spricht jetzt hier davon, daß die Ungarn eine Demonstration gegen das Conkordat Vorhaben, um den deutschen Liberalen darin zu Hülfe zu kommen, denn sie selbst haben es niemals anerkannt. Auffällig kann es sein, daß der Mühlfeld'sche Antrag keine Bewegung unter denen, welche zunächst davon berührt werden, bei den Juden und Protestanten hervorgerufen hat, so daß wir uns nur einer einzigen Petition zu Gunsten jenes und zwar aus einem evangelischen Kreise erinnern. Sonst blieb Alles still und todt. Man könnte daraus zwei Folgerungen schließen, entweder auf die Apathie der Betreffenden, oder auf die allgemeine Verbreitung der Ansicht, daß die Dinge doch nicht anders würden. Nehmen Sie beide Motive als richtig an; denn die letztere Ansicht kann doch nur dann zur völligen Unthätigkeit bringen, wenn zugleich jene Apathie, jener Mangel an Streben und Thatkraft vorhanden ist. Sonst müßte man sich sagen, daß in der Angelegenheit der Gleichberechtigung, der augenblicklich geringe Erfolg Nichts bedeutet, ^eib-er dennoch zukünftige größere vorbereitet, daß, wenid ein Antrag wie der Mühlfeld'sche eine allgemeine laute Unterstützung aus allen Theilen des Reiches empfängt, er zwar augenblicklich dennoch fallen kann, nur aber, um morgen wieder zu erstehen. Hätten die Juden und die Evangelischen durch Petitionen sofort ihre Stimmen erhoben, so würde wenigstens das Abgeordnetenhaus gezwungen gewesen sein, entschieden in der Sache vorzugehen. Es giebt immer eine Menge Abgeordnete, die, um sich ihre Wiederwahl zu sichern, sehr wohl auf die Stimme eines großen Theils ihrer Wähler hören und sich danach richten. In der That können z. B. die preußischen Juden einen großen Theil ihres Sieges sich und ihrer Thatkraft zuschreiben, und dies gereicht ihnen um so mehr zum Lobe, als sie einen verhältnißmäßig viel kleineren Bruchtheil der Staatsangehörigen ausmachen als wir in Oesterreich. Doch ist es bei den hierländischen Juden nicht blos Apathie, sondern auch — die Furcht. Man will nicht hervortreten, aus Besorgniß, es könnte dadurch noch schlimmer werden. Wenigstens hier in Wien scheuen die Tonangeber unter den Juden Nichts mehr, als sich in der Oeffentlichkeit als Juden zu geriren, ein jüdisches Interesse auftreten und sich bemerklich machen zu lassen. „Der jüdische Separatismus" ist ihnen ein Schreckwort. Diese Furcht mag unter einem absoluten Regiment am Platze sein, wo es auf die wechselnde Stimmung oben ankommt, um vorwärts oder rückwärts geworfen zu werden. Wo aber Absolutismus und Liberalismns im Kampfe liegen, da ist diese Furcht so gut wie Feigheit, und wo der letztere schließlich doch bereits gesiegt hat, ist diese Furcht lächerlich. Die Gleichberechügung ist ein Prinzip, und kein blos jüdisches Interesse. Wenn wir für dasselbe kämpfen, so kann man uns noch keiner eigennützigen Absicht zeihen: es geschieht im Dienste der Menschheit, und es gehört mit zur Mission der Juden, daß sie, an denen am meisten gegen die Glaubensfreiheit gesündigt worden, auch zu den entschiedenen Verfechtern der

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