Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1867)
- Date
- 1867-08-13
- Page
- Seite 653 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ms rer abgebe für die nächsten und weiteren Wege des Lebens, welche die empfangenen Eindrücke immer wieder erneuere, die Lehren und Vorsätze befestige, Rath ertheile in allen Lagen des Lebens, Mahner, Warner, Wegweiser und Tröster in allen Verhältnissen? Fürwahr, mag der Boden des jugendlichen Geistes noch so gut bearbeitet, die religiös-sittliche Saat noch so gewissenhaft ausgestreut worden sein — sie bedarf noch fortwährend der Pflege, ja jetzt erst recht, wo des wirklichen Lebens Kämpfe, Unruhen, Zerstreuungen beginnen, die Leidenschaften erwachen und schnell ewporschießen. Daß auch in dieser und aller Folgezeit dem Sohne und der Tochter des Judenthums dieses nahe, dessen Lehren und Rathschläge, dessen Forderungen und Leistungen immer zur Hand seien — dies ist der Zweck und das Ziel obiger Schrift. In diesem Sinne hat der Berf. sie zu schreiben unternommen, und mit wahrer Liebe sie vollendet. Da .ihm die Jugend, an die er sich hier wendet, immer vor 'der Seele stand, vermochte er wohl jener trocknen und nüchternen Darstellung sich zu entschlagen, welche dem strengen Lehrbuch nicht fern gehalten werden kann, und allein den Verstand oder das belebende Wort des Lehrers beansprucht, während hier der ganze Geist, Verstand und Herz zu ergreifen, fortzureißen, zu erfüllen war. Die vorliegende Schrift steht ganz auf dem Boden des positiven Judenthums, wie es sich in der h. Schrift, in Lehre, Gesetz und Sitte, und in der Geschichte ergiebt. Hier, wo im Herzen der Jugend die heilige Flamme der Religion, der Tugend, des Rechtes, der Liebe, das heilige Feuer der Gottesfurcht und treuesten Pflichterfüllung zu zünden oder zu pflegen war, mußte Alles, was auf Spaltung und Parteiung hinwies, vermieden werden und glücklicher Weise war dies so leicht, wo man nur auf den Höhen der Religion und auf den Höhen des Lebens zu wandeln hatte. So würde es uns glücklich machen, wenn es uns gelungen wäre, den schönen Gedanken des Buches annähernd ausgeführt zu haben — halten uns aber darum berechtigt, jeden Amtsbruder und Lehrer anfzufordern, das Werk zu priifen, um es, falls es seine Billigung findet, zu empfehlen und innerhalb seines Kreises zu verbreiten, um des Segens willen, der damit verbunden sein könnte. Aus Süddeutschland, im Juni. Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert der hat keinen verlieren, und wer über gewisse Dinge nicht in Zorn geräth, der muß von einer vollständiger Taubennatur sein und keine Galle haben. Zu diesen Dingen wird man wohl mit Recht das gespreizte Auftreten der Hohlheit, das kühne Aburtheilen des Halbwissens und die maßlose Anmaßung der Mittelmäßigkeit zählen dürfen, welche in den literarischen Produkten der Neuorthodoxie so häufig zur Erscheinung kommen. Mochten jedoch die Herren Vertreter dieser Richtung sich vor ihren Spiegeln nach Belieben strecken und sich dabei einbilden, sie seien große Männer, so lange es sich um von ihnen in besondere Affektion genommene minutiöse Dinge handelte, konnte man sie immerhin gewähren lassen. Wenn sie sich aber erdreisten, die Hand nach dem Höchsten auszustrecken und auch dieses in den Bereich ihrer confusen Auffassung und wikrologischen Behandlung zu ziehen, und so das Edle gemein und das Erhabene lächerlich machen, dann wird es an der Zeit sein, ihnen mit der vollen Wucht der Entrüstung entgegen zu treten, die solches widrige und dünkelhafte Gebühren.hervorzurufen geeignet ist. In dem vorliegenden Falle findet der bekannte Ausspruch Rabas (Thanit 4n): nnTi pn*in an-nE rrb Nnm?3 «pn „wird ein Jünger der Gelehrten zornig, so ist (der Eifer um) das Gotteswort die Quelle seines Zornes," buchstäbliche Anwendung, denn es ist die neueste Behandlung des Gotteswortes in dem eben erschienen Werke: „Pentateuch übersetzt und erläutert von Samson Raphael Hirsch. Erster Theil: Die Genesis", welche jenes Gefühl der Entrüstung in uns erweckt hat, dem wir Ausdruck zu geben uns nicht enthalten können. Dem Altmeister der bezeichneten Richtung mögen wohl bei dieser Arbeit zwei Vorbilder vorgeschwebt haben rfara i-n-n bsiwi In Beziehung auf die hohe Werthschätzung der eigenen und die vornehme Mißachtung fremder Leistungen scheint ihm Ewald in Göttingen, und in Beziehung auf die souveräne Willkür bei philologischen Ableitungen und die Taschenspielergeschicklichkeit bei unlogischer Begriffsvermengung der ehemalige Chacham seiner Vaterstadt ivgl. dessen biblischen Orient) als Muster gedient zu haben. Das Buch selbst betreffend, zeigt die Uebersetz ung, obgleich nach Zunz's (Gottesdienst!. Vorträge S. 58) trefflicher Bememerkung der Buchstabe eine solche Gewalt hat, daß er der Willkür des Uebersetzers wenig Spielraum läßt, ein gewaltiges Haschen nach Originalität und Genialität. Es sei uns gestattet einige Stellen als Belege anzuführen.'