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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-13 · Heft 33 (13.8.1867) · p. Seite 651

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 33 (13.8.1867)
Date
1867-08-13
Page
Seite 651 (sequence 3)
Language
German
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651 Aber als Juden gehören wir sowohl vom religiösen Standpunkte als auch aus unserem allgemeinen Ver- HAtniß einem solchen Friedensbunde von selbst an. Vor mehr als drittehalb Jahrtausenden haben unsere Propheten den dereinstigen Weltfrieden aller Nationen geweissagt. Wir brauchen die zahlreichen Stellen nicht anzuführen, welche die Völker ihre Schwerter zu Winzermeffern, ihre Speere zu Sensen umschmieden und den Krieg nicht mehr erlernen lassen. Allerdings sehen auch sie ihn nicht als nahe bevorstehend an, sondern wisien sehr wohl, daß noch eine lange Zeit des Kampfes und der Zerrüttung, der Verwüstung und des Unterganges bevorstehe, ehe die Menschheit zu diesem großen Ziele gelangen werde. Drittehalb Jahrtausende sind seitdem vergangen, die Zeit ist noch nicht erfüllt, aber wir sind ihr näher gekommen. Aber auch als Juden in concreto muß uns der Weltfriede sehr am Herzen liegen; denn, wie es sich von selbst versteht, sind jetzt Juden in allen Heeren unter den Waffen und treten mit Hingebung und Patriotismus für die Sache ihres Vaterlandes ein. Wo jetzt ein Krieg herrscht, stehen auch Juden gegen Juden im blutigen Kampf und richten Geschoß und Schwert gegen einander. Mit solchen allgemeinen Ideen und Prinzipien verhält es sich aber so, das sie nicht durch einzelne Männer, durch Vereine und Gesellschaften zur Verwirklichung kommen können, daß aber diese Männer, Vereine und Gesellschaften zur Verbreitung und Befestigung solcher Ideen und Prinzipien nützlich, erforderlich, nothwendig sind. Denn es kommt darauf an, daß diese letzteren, um eine Geltung zu erhalten, im Bewußtsein der Menschen immer lebendiger, immer dringender werden. Der allgemeine Völkerfrieden kann nur aus zwei allgemeinen Motiven herauswachsen: aus der Solidarität der Interessen aller Völker und aus der steigenden geistigen und sittlichen Bildung der Nationen. Je mehr alle materiellen Interessen sämmtlicher Völker sich so unter einander schlingen, daß jede kriegerische Bewegung, ja, schon die Befürchtung einer solchen, allen Völkern, auch den entlegensten, unermeßlichen Schaden und Verlust an Besitz und Erwerb bringt, desto unumgänglicher wird ihnen der allgemeine Frieden werden, und sie werden den Krieg immmer mehr verabscheuen lernen, je mehr die alten Vorurtheile der einzelnen Nationen verschwinden, je aufgeklärter sie über wahre Ehre, wahren Bortheil und wahres Recht, und je weniger sie von wilden und wüsten Leidenschaften, gegenüber der Vernunft und dem j sRechtsbewußtsein, beherrscht werden. Dies sind nun Objekte der Entwickelung; sie können nicht durch Einzelne und Vereine allgemein herrschend werden, aber ihre Förderung, ihre Verallgemeinerung wird durch die Anstrengungen solcher, ja schon durch ihre Existenz ungemein vermehrt. Wir haben hierfür in Deutschland ein» thatsächlichen Erweis. Aus dem erwachten Einheitsgefühl entstand der deutsche Nationalverein. Seine spezielle Gestaltung war zum Theil verfehlt. Aber sein Bestand, seine Kundthuungen und Tendenz wirkten doch außerordentlich auf die Stärkung und Verbreitung des deutschen Nationaleinheitsdranges. Der Verein" zersplitterte vor den Ereignissen des vorigen Jahres, aber seine Wirkung lebt und ist nicht gering zu schätzen, wenn man jetzt auch darüber hinausgekommen. So liegt die Sache auch jetzt mit diesem Friedensbunde. Er entspringt aus einem allgemeinen Gefühle und Bedürfniß. In seiner speziellen Gestaltung mag von ihm der Einzelne sich angezogen oder abgestoßen fühlen; für das Allgemeine ist sein Bestand für jetzt von großer Wichtigkeit, und seine Entwickelung und Verbreitung sehr wünschenswerth. Die Verwirklichung der großen, prophetischen Ideen wird nicht von dieser Ligue abhängen; sie findet ihre Wege und bricht sich ihre Bahn durch die großen Fortschritte des Menschengeschlechtes, und hieraus werden sich auch die Mittel entfalten, durch welche sich ihr Sieg vorbereitet und herstellt. Aber wir dürfen in dieser Zuversicht auf das Allgeineine nicht die einzelnen Erscheinungen und Bestrebungen gering schätzen, die sich in der Zeit aufthun. In der Beurtheilung der obigen Kundgebungen haben wir freilich das Comitö der Friedens-Ligue und das Comitö des Friedenscongresses zu unterscheiden. Das erstere hält sich außerhalb der gegenwärtigen 'politischen Parteien; es betrachtet seihe Angelegenheit als ein großes, soziales Moment, das von der politischen Parteistellung unabhängig ist und weit über sie hinausragt. Die Unterschriften des Comitös für den Congreß zeigen aber hervorragende Namen der entschieden revolutionären, ja der sozialistischen Partei, und dies halten wir für das Interesse der Sache schädlich. Die Idee des Völkerfriedens kann dadurch leicht zu einem Eigenthum der revolutionären Partei gestempelt werden, und dadurch einen zeitlichen und Partei- Charakter erhalten, den sie in ihrem Wesen nicht hat, der ihrem Wesen geradezu widerspricht. Wir haben also hier eine religiöse Idee vor uns, die, aus dem Judenthume entsprungen, in der jüdischen 38*

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