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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-06 · Heft 32 (6.8.1867) · p. Seite 646

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 32 (6.8.1867)
Date
1867-08-06
Page
Seite 646 (sequence 18)
Language
German
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646 Ministerium DoMhof, welches einen großen Werth auf seine Acquisition zu legen schien, mit der Kraft seines Namens, seinen Fähigkeiten und Erfahrungen zu unterstützen. Den Verlust an Popularität ertrug er gern in dem Bestreben, der permanenten Revolution durch eine starke Regierung einen gesetzlichen Damm zu setzen. Die zweite Rücksicht, welche ihn zur Annahme der Ministerialrathsstelle bewog, lag darin, daß er als Jude durch den Eintritt in den Staatsdienst die Religionsfteiheit und das allgemeine Staatsbürgerrecht noch vor Feststellung der Verfassung zu einem fait accompli erheben wollte. Seinem Bureau wurden die Angelegenheiten, Leiche sich auf die Ruhe und Sicherheit der Hauptstadt bezogen, und dann die Leitung der Medicinalangelegenheiten angewiesen. Die Uebersicht, welche Fischhof als Vorsitzender des Sicherheitsausschusses in allen Bewegungen und Verwaltungsgegenständen der Hauptstadt gewonnen hatte, und seine ärztliche Praxis im allgemeinen Krankenhause befähigten ihn gleichmäßig zur gewiffenhaften Erfüllung seiner übernommenen Dienstpflichten. So theilte er jetzt seine Zeit und Mühe zwischen den Geschäften seines Bureaus und jenen im constitutionellen Reichstage. Als es am 23. August durch die Tactlosigkeit des Arbeitsministers Herrn v. Schwartzer zu einem blutigen Konflikte zwischen National- und Munizipalgarde und den Erdarbeitern im Prater gekommen war, begab sich Fischhof mit Lebensgefahr auf den Kampfplatz, suchte das Feuern einzustellen, verband die Verwundeten und schaffte dieselben sogleich in's Hospital. Im September machte er im Aufträge des Ministeriums eine Reise nach Galizien, um daselbst Vorkehrungen gegen die hereinbrechende Cholera zu treffen und die Sanitätsanstalten zu inspiciren. Von dieser Reise kehrte Fischhof erst am 5. October nach Wien zurück. Die Ereignisse des 6. October trafen ihn daher ganz unerwartet. Es ist bekannt, vaß er mit seinem eigenen Leibe den unglücklichen Kriegsminister Latour so lange gegen die andrängende Maffe gedeckt hatte, bis ihn endlich ein Säbelhieb und die Uebermacht der wüthenden Menge zum Weichen zwang. Baron Dobblhof hatte sich in die Wohnung Fischhof's und Goldmart's geflüchtet und verließ von dort aus in der Nacht des 6. October, verkleidet, die Stadt. Während fast alle Minister und höheren Staatsbeamten von Wien entfernt waren, verharrte Fischhof nebst Krauß auf seinem Posten und wirkte auch im Reichstagsausschuffe auf Versöhnung der Parteien und friedliche Ausgleichung hin. Nach der Erstürmung Wiens, der Verlegung des Reichstages nach Kremsier und dem Eintritt des Ministeriums Schwarzenberg-Stadion trat Fischhof mit seiner Partei in die Kremsier Versammlung ein. Da er sich aber nicht verpflichten konnte, mit einem Ministerium zu stimmen, welches, trotz seines liberalen Programms, doch gleich in seinem ersten Auftreten entschieden Reactionsgelüste zeigte, so reichte er seine Entlastung vom Staatsdienste ein. Ueberdies hatte sich unter seinen ehemaligen ärztlichen College» zugleich mit der Rückkehr deS Absolutismus in die Hauptstadt auch der Neid und die Verdächtigung gegen den Vorkämpfer vom i3. März erhoben. Fischhof war fest entschlossen, auch sein Mandat als Abgeordneter niederzulegen und sich wieder in's Privatleben zurückzuziehen. Aber er glaubte es sich und seiner Partei schuldig zu sein, gerade in jenen Tagen, wo die Mißtrauensvota gegen die Linke auf höher» Befehl angefertigt und die Drohungen gegen den Reichstag immer heftiger wurden, nicht von seinem Platze als Volksvertreter zu weichen, bis der Reichstag durch Waffengewalt am 6. März auseinander gejagt wurde. Das Gerücht, daß mehrere Abgeordnete verhaftet werden sollten, bezeichnete auch Fischhof als einen derselben. Seine Freunde baten ihn den ganzen Tag am 6. März vergebens, daß er Kremsier verlassen möge. Wenn ich flüchte, entgegnete er ruhig, so wird mich die öffentliche Meinung und das Volk verurtheilen, vor der Untersuchungscommission bin ich mir keiner Schuld bewußt. In der Nacht zwischen dem 6. und 7. März wurde er verhaftet und nach Wien gebracht, wo er in Kriminalhaft saß. Neun Monate (bis zum 4. December 1849, wurde er im Gefängniß unter der Anklage des Hochverraths gehalten. Von dieser Anklage ab i»8iamia losgesprochen, wurde er freigelassen, ohne in den Vollbesitz der bürgerlichen Ehre zurückzukehren. Seitdem widmete er sich seiner medicinischen Praxis. *) Die Geschichte der Bewegungen und Erschütterungen des Jahres 1848 in Oesterreich wird den Namen Fischhos bewahren: er ist von derselben unzertrennlich geworden. Ein besonderes Problem für den zukünftigen Geschichtsforscher wird es sein, die Gründe zu erkennen, aus welchen der rasche Verlauf dieser Revolutionen von 1848 mit ihrem schnellen und totalen Umschwung hervorgegangen, ohne daß es jedoch der Reaction gelang, sehr wesentliche Erfolge jener, wie sie jetzt erst recht zu Tage treten, beseitigen oder abschneiden zu können. Trotz dieser zeitlichen Kürze hatte die Revolution Raum, alle ihre natürlichen Phasen zu durchlaufen, und von einer Erhebung des Volkes im Namen der edelsten Principien bis zum radicalsien Extrem, bis zur Anarchie vorzuschreiten, und gerade hierdurch ihre Niederlage zu erfahren. So geschah es denn auch, daß Fischhof, einer der Helden der ersten *) Wir hatten die Freude bei unserem Aufenthalte zu Wien im Fahre 1853, Herrn Dr. Fischhof vorgestellt zu werden iwd wiederholt mit ihm zusammen zu sein. Was uns damals gen; besonders erfreute, war, daß, als vr. F. uns in einigen öffcnt lichen wissenschaftlichen Instituten umherführte, wir Gelegenheit hatten, die außerordentliche Achtung zu bemerken, welche vr.F. trotz der gewaltigen Reaction, die damals herrschte, überall nur besonders von allen Beamten bezeugt wurde. Es that uns dies in jener Zeit doppelt wohl, um des vr. F. willen, und weil es erwies, daß die Wiener Beamten durchaus nickt so servil sind, wie mau sie verschreit, um so mehr, da sie hierin von den Beamten in Norddeutschland und deren Benehmen gegen frühere Volksmänncr in damaliger Zeit vortheilhast abstachen. Dr, B. P.

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