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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-06 · Heft 32 (6.8.1867) · p. Seite 636

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 32 (6.8.1867)
Date
1867-08-06
Page
Seite 636 (sequence 8)
Language
German
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glauben gänzlich zu vertilgen. Lonoda "ist. von seiner' Poesie dermaßen erfüllt, daß es beinahe 'aussieht, als ob er über derselben sogar den Gegenstand seiWr Liebe vergäße. Der arglistige Ariom, den Dichterfortwährend umschleichend, benutzt gierig diesen S ch ein» um daraus bei Johanna für sich Vortheil zu erzielen. — Will ihm dies; aber auch geradezu nicht gelingen, so bringt er es mit der Kunst seiner Jntrigue doch wenigstens so weit, die Jungfrau argwöhnisch zu machen und in ihr den festen Glauben an Lonoda's reine Liebe nicht wenig zu erschüttern. Ja, der ränkevolle Ariom genießt, Dank seiner schlangenglatten Zunge, die boshafte Freude, die tiefgekränkte Johanna jammern zu hören, daß Lvnoda seinen Ruhm höher als sie, sein Talent höher als die Gottheit selber stelle. — Und als sie dann sogar diesen bitter» Vorwurf ihrem Geliebten ins Gesicht schleudert, ist dieser so gereizt und erbittert, daß er den verzweifelten Schritt thut, sein Buch namenlos auf den „Altar Jehova's" zu legen, d. h. das feierliche Gelübde auszusprechen, sich niemals als den Verfasser seines Werkes zu nennen, vielmehr das Geheimuiß seiner Autorschaft streng in seinem Herzen zu verwahren und es dereinst mit sich begraben zu lassen. — Lvnoda war hierbeinicht unbelauscht geblieben. Der schleichende Ariom hatte Alles gesehen, Alles gehört. Es versteht sich von selbst, daß der Boshafte beschließt, was ihm von Lvnoda offenbart worden, zur rechten Zeit für seine Pläne zu nützen. Inzwischen findet das Buch „Hiob" große Verbreitung, erregt aber durch seinen Inhalt den Unwillen der Juden in so hohem Grade, daß sie Tod und Verderben schwören Demjenigen, der sich unterfangen, Solches niederzuschreiben. Wenn man ihn nur ausfindig inachte, man wollte ihn auf der Stelle steinigen und sein Haus den Flammen übergeben. — Lonoda's Leben ist arg gefährdet. Es hängt an der Zunge Ariom's. Wenn dieser ein Wort spräche, es wäre um Jenen für immer geschehen. — Ariom geht zu Lvnoda und fordert ihn auf, zu seinen Gunsten dem Besitz Jvhanna's zu entsagen, sonst würde er ihn, als den Autor des verhaßten Buches, dem racheschnaubenden Volke verrathen. Lvnoda hört's und — widersteht. Er will lieber sein Leben als seine Liebe opfern. — Plötzlich hat aber die Sache eine andere Wendung bekommen. Die Existenz des neuen Buches war zur Kenntniß des Königs Salomo gelangt. Er hatte das Werk einer genauen Prüfung unterworfen, und dessen Inhalt als höchst werthvoll, als ganz vortrefflich befunden. Eben so günstig wird der „Hiob" von den Priestern beurtheilt. Diese''wollen gern wissen, wem die herrliche Dichtung ihre Entstehung verdanke, und bestimmen den König, eine hohe Belohnung auszusetzen für Denjenigen, von welchem das Buch verfaßt worden. — Kaum aber ist dies bekannt gemacht, so eilt Ariom zu den Stufen des Thrones, giebt sich selber für den Autor des „Hiob" aus, verzichtet auf den festgesetzten Dichter-Preis und wünscht, sein Verdienst nur damit belohnt zu sehen, daß ihm Seitens des Königs die Johanna zugesprochen werde. — Es geschieht. — Lvnoda ist außer sich. Was hilft's ihm, daß er protestirt? was hilft's ihm, daß er Ariom der Lüge und des Betrugs zeiht? Er soll den Beweis liefern für seine Aussagen, und da ist es sein „Gelübde," welches ihm den Mund schließt und ihn zwingt, mit Schande zurückzuweichen. — Von Ariom als Verleumder angeklagt, soll er nun noch obendrein die für einen Solchen festgesetzte Strafe büßen. — Was Johanna hierbei leidet, kann man sich denken. Die Arme ist in Angst und Verzweiflung. Nicht allein, daß sie zurückschaudert vor dem Gedanken, des verhaßten Ariom Weib zu werden, fühlt sie sich noch entsetzlich gefoltert von der Vorstellung, ihren Geliebten 'öffentlich bestraft werden zu sehen., Weinenden Blicks fleht sie diesen an, durch „Lüftung des Schleiers von seinem Geheimnisse" sie und sich selber zu retten. Elisabeth vereinigt ihre Thränen und Bitten mit denen ihrer unglücklichen Tochter. Doch vergebens. Lonoda's Zunge bleibt stumm. Das „Gelübde", das ihr einst euströmte, hält sie jetzt in Banden. — Johanna giebt indessen ihre Hoffnung noch nicht aus. Sie überschüttet Lvnoda mit Vorwürfen wegen seiner eisernen Verschlossenheit; sie stellt ihm vor, wie sie an ihm irre werden, wie sie an seiner Liebe und Treue verzweifeln müßte, wenn er in seinem Schweigen hartnäckig verharren und nicht durch Brechen desselben sie aus der entsetzlichen Lage, in der sie sich befände, schnell befreien wollte. — Umsonst. Der Mund Lonoda's bleibt geschlossen. — Da versucht's die Jungfrau wiederum mit Bitten. Auf den Knieen vor ihrem Bräutigam, beschwört sie diesen bei seiner und ihrer Liebe, bei seinen und ihren Eltern, bei seinem und ihrem Leben — kurz, bei Allein, was ihm theuer und heilig, daß er doch nicht länger schweigen, sondern endlich, durch Aufdecken der Wahrheit, das große Wort der Befreiung, — der Erlösung für Beide — sprechen möchte.

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