Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1867)
- Date
- 1867-08-06
- Page
- Seite 633 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sollte auch dies keine Wirkung haben, so höre ich, daß die österreichische Regierung entschlossen ist, zu Gunsten der verfolgten Israeliten zu interveniren, gleichviel, ob dieselben österreichische Unterthanen sind oder nicht. Es ergiebt sich aus allem diesen hinlänglich, daß die unseligen Thatsachen feststehen, daß das Blut der Gemordeten und die Martern der Gequälten „zum Himmel schreien," und daß, wenn nicht die reellste Garantie gegen die Wiederholung solcher Schandthaten gegeben wird, alle Proteste und diplomatischen Interventionen, alle Briefe und Schreiben gar nichts bedeuten und werthlos sind, ja im Grunde noch mehr schaden, weil sie die theilnehmende Welt immer wieder in ruhiges Zusehen und Zuwarten versenken! Aus Bukarest, 22. Juli, wird telegraphirt: Heute ist die im vorigen Jahre durch den Pöbel demolirte und Dank der Subvention des Fürsten Carl seitdem wieder restaurirte israelitische Synagoge feierlich wieder eingeweiht worden. Der Fürst und das diplomatische Corps wohnten der Festlichkeit bei. Echt asiatisch — auf der einen Seite mit Gepränge eine ostensible Anerkennung, auf der andern Seite zu gleicher Zeit blutige Verfolgung! AnaleKtm. 3. Das Alter der Veda s. Bekanntlich ist es eine noch nicht gelöste Streitfrage, welches Alter man der Sanskrit-Literatur zuschreiben müsse, indem die Gelehrten diese bald in ein hohes fabelhaftes Alter, bald wieder in eine sehr junge Zeit versetzen. Der für die Wissenschaft der Sprache überaus verdiente Prof. Max Müller glaubt nun in seinen Vorlesungen folgenden Beweis aus der heiligen Schrift führen zu können.*) *) Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache, 2. Aust. Bd. I. 5. Vorlesung S. 172. (Leipzig 1886). „Man hat mich häufig gefragt: Wie kannst Du aber beweisen, daß die Sanskrit-Literatur wirklich so uralt ist, wie man diese voraussetzt? Wie kannst Du irgend welche indische Daten vor der Zeit der Eroberungszüge Alexanders feststellen? Wie kann man sich auf Sanskrit-Manuskripte so unbedingt verlassen, die ja unächt, verfälscht und untergeschoben sein können? Es ist freilich leichter solche Fragen zu stellen, als sie zu beantworten, wenigstens sie kurz und allgemein verständlich zu beantworten; vielleicht dürfte aber doch^die folgende Beweisführung zu einer theilweisen Beantwortung gute Dienste leisten und zeigen, daß das Sanskrit wenigstens einige Jahrhunderte vor Salomo in Indien als Sprache lebte. In den Vedahymnen, d. h. in den ältesten literarischen Erzeugnissen im Sanskrit, ist der geographische Gesichtskeis größtentheils auf den Nordwcsten Indiens beschränkt. Nur an sehr wenigen Stellen kommen Anspielungen auf das Meer und die Meeresküste vor, während die alten Sänger mit Schneegebirgen und den Strömen des Pendschab, so wie mit den Thalgegenden des oberen Ganges wohl betraut sind. Es waltet in der That kein Zweifel ob, daß das Volk, welches Sanskrit sprach, vorn Norden her nach Indien einwanderte und allmälig seine Herrschaft nach Süden und Osten ausdehnte. Nun kann aber bewiesen werden, daß zur Zeit Salomo's Sanskrit nach Süden zu wenigstens bis zu der Mündung des Indus hin, gesprochen wurde. Bekannt ist die Flotte von Tarsis (griech. Tartessos), welche Salomo auf dem Meere hatte, und die zugleich mit den Schiffen Hirams alle drei Jahr einmal kam und Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen brachte. „Und Salomo machte auch Schiffe zu Ezron Geber, am Ufer des Schilftneeres, und Hiram sandte seine Knechte im Schiff. .. und kamen gen Ophir und holten daselbst Gold," oder wie es anderswo heißt, „sie brachten aus Ophir sehr viel rothes Sandelholz und Edelgesteine." Ueber die Lage dieses Ophir ist gar viel geschrieben worden, aber es dürfte wohl kaum zu bezweifeln sein, daß es Indien war. Die Namen für Affen, Pfauen, Elfenbein und Almugim oder Sandelholz sind Fremdwörter im Hebräischen, wie etwa Gutta-Percha oder Tabak im Deutschen. Wenn wir nun zu wissen wünschen, von welchem Theile der Welt das Wort Gutta-Percha zuerst bei uns eingeführt worden ist, so können wir wohl sicher schließen, das es aus dem Lande kam, wo seine Wortformen wirklich zur gesprochenen Sprache gehörten. Wenn wir daher eine Sprache finden können,