Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-06 · Heft 32 (6.8.1867) · p. Seite 632

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 32 (6.8.1867)
Date
1867-08-06
Page
Seite 632 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226581-3226614--25207-3260699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«32 ten den Fürsten, sich schon dieses Mannes zu entledigen. Herr Picot, ehemals Auditeur im französischen Staatsrath und Protsgs der bekannten Milchfchwester Napoleon's III. und Erzieherin der fürstlich Hohenzollern'schen Kinder, Madame Cornu, Secretär des Prinzen Carl, wußte durch diese und ähnliche Aufklärungen die Mitglieder der Alliance isra^lite der Art umzustimmen, daß Herr Crömieux, der zwei Tage vorher dem Fürsten einen sehr scharfen Brief geschrieben, sofort nach Bukarest telegraphirte, mit der Bitte, den letzten Theil seines heftigen Schreibens für null und nichtig anzusehen. Gleichzeitig ersuchte man Herrn Picot, der heute abreisen sollte, seine Rückkehr um 48 Stunden aufzuschieben, um durch ihn ein Collectivschreiben der Alliance an feinen Souverain gelangen zu lassen. Herr Crömieux aber wird in diesen Tagen einen Brief an die Journale richten, in welchem er durch detaillirte Mittheilungen beruhigend auf die Stimmung des Publikums einzuwirken suchen wird." Wir können selbstverständlich die Tragweite des in diesem Artikel ziemlich mysteriös Gesagten nicht beurtheilen, wollen auch das Verfahren Crömieux's nicht kritistren, wohl aber scheint uns der ganze Artikel aus einer Feder zu stießen, welche den Eindruck der barbarischen Vorgänge im Publikum abschwächen soll. Und doch haben wir abermals officielle Mittheilungen erhalten, welche die Angaben in der obigen Correspondenz der „Presie" vollständig bestätigen. Der Protest nämlich, welchen die sämmtlichen Consuln in Galacz an den dortigen Präfecten des Fürsten Carl richteten, lauteten: Galacz 15.Juli 1867. „Herr Präfect! Die Unterzeichneten Consuln haben soeben durch die öffentliche Stimme und durch genaue Ermittelungen die traurigen Vorgänge erfahren, welche gestern sich in dem Hafem von Galacz ereignet haben. Neun oder zehn Juden wurden letzten Sonnabend (13.) auf Befehl der Lokalbehörde aus dem Lande getrieben. Die Gensdarmen brachten sie in einem kleinen Fahrzeuge an's türkische Ufer. Unter diesen armen Leuten befand sich auch ein Greis, der so schwach war, daß zwei Soldaten ihn aufrichten mußten, um ihn in das Fahrzeug zu stoßen. Statt jedoch die Unglücklichen dem türkischen Wachtposten in Satoka zu übergeben, führten die mit der Ausführung der Befehle der Verwaltungsbehörde beauftragten Soldaten sie auf die Galacz gegenübergelegene unbewohnte und von Wasser überspülte Insel und warfen sie, wie sie es früher schon gethan hatten, in den Sumpf. Die türkischen Soldaten nahmen sie Sonnabend Abends auf und führten sie gestern (14.) nach Galae; zurück, wo sie dieselben der vor dem Hafen-Kapitaveck stationirten Wache übergeben wollten. Anstatt die von Ermattung ganz erschöpften Unglücklichen, die, wie man uns versichert, moldo - walachische Unterthanen sein sollen, aufzunehmen, trieben die Soldaten sie mit den Kolben- und Bajonnetstößen ins Wasser. Zwei Juden, der eine jener kranke Greis, der andere ein junger Mensch, suchten, durch die Bajonette bedroht, sich auf das türkische Fahrzeug zu flüchten; dies glückte ihnen aber nicht, und fortgerissen von der Strömung, ertranken sie. Von Seite der rumänischen Wache wurde nicht der geringste Versuch gemacht, um die zwei Leute zu retten, die vor ihren Augen erttanken, und zwar ganz nahe dem Ufer, während die türkische, von drei Zuaven geführte Barke, sich schleunigst entfernte. Ein Nachen des Dampfschiffes „Merkur" von der österreichischen Donau-Dampfschiffahrt- Gesellschaft ward aufs schnellste bemannt, kam aber doch zu spät, um sie zu retten. Die anderen Individuen wurden schließlich ausgenommen und in Arrest gebracht, nachdem man sie einige Zeit der brennenden Sonnenhitze ausgesetzt, im Waffer gelassen hatte. Wir wiffen nicht, ob sich unter diesen Israeliten ein fremder Unterthan befindet; aber in Anbetracht der notorischen Verfolgungen, deren Gegenstand die Israeliten in diesem Lande sind, halten wir es für strenge Pflicht, nachdrücklich im Namen der Regierungen, welche wir hier vertreten, gegen diesen Akt der Barbarei zu protestiren und die ganze Verantwortung dafür gegenüber der civilisirten Welt auf Sie, Herr Präfect, und die höhere Behörde zu wälzen." Genehmigen Sie u. s. w. Der „Wiener Abendpvst" geht aus Galacz, 16., ein Bericht zu, der sich im Wesentlichen der vorstehenden Darstellung anschließt; neu ist nur der Umstand, daß der österreichische Generalconsul Ritter von Kr einer, von dem Vorgefallenen unterrichtet, an den Hafen gekommen, sich an Bord des österreichischen Kriegsdawpfers „Taurus" begeben und den Kommandanten erster habe, unverzüglich zwei Bote zu bemannen, um die Unglücklichen an Bord des kaiserlichen Kriegsschiffes zn bringen. Aber wenige Minuten, bevor die zwei österreichischen Boote, deren jedes 8 bis 10 bewaffnete Matrosen trug, unter Führung eines Offiziers vor dem Hafenkapitanate ankamen, hatte man dort die Israeliten endlich ans Land steigen lassen und sie sogleich in das Gefängniß gebracht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.