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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-30 · Heft 31 (30.7.1867) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 31 (30.7.1867)
Date
1867-07-30
Page
Seite 627 (sequence 19)
Language
German
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627 den ausgezeichneten Talenten desselben. Fischhof selbst fühlte zu sehr die Unzulänglichkeit seiner Kenntnisse im Administrativfache und besaß zu viel wahren Patriotismus, um in dieser schwierigen Lage an die Uebernahme irgend einer Staatsstelle zu denken. Das Centralcomitö war also wieder'bestätigt worden, und das Ministerium Pillersdorf hatte seine Entlassung eingereicht. Und doch fühlte jeder Patriot, daß dieses Ministerium das einzig mögliche in diesem Augenblicke war, da wenige Persönlichkeiten vorhanden waren, welche gleiche Popularität und gleiche staatsmännische Fähigkeiten besaßen. Fischhof stellte daher im Centralcomit6 den Antrag, daß dieses Comitö, um jeden Schein officieller Wirksamkeit zu vermeiden und die Regierung in ihrer freien Thätigkeit nicht zu beirren, sich in einen „Bürgerverein" umwandle. Doch hatten wenige der Comitsmitglieder gleiche Selbstverläugnung wie Fischhof, und aus der langwierigen Debatte über diesen Antrag ging nur eine Deputation mit einer Vertrauensadresse an das Ministerium hervor. Wenige Tage später nach der plötzlichen Flucht des Kaisers am 18. Mai, hatte das Comite Gelegenheit in Gemeinschaft mit der Nationalgarde und Legion für die Sicherheit der Stadt zu sorgen und das Ministerium in seiner bedrohten Stellung zu stützen. Fischhof und Goldmark hatten seit dem 15. Mai einen großen Theil ihrer Popularität bei den Studenten eingebüßt. Sie wurden als Reactionäre verschrieen und die infamsten Verdächtigungen gegen sie von radicaler Seite ausgestreut und durch die im Geheimen wirkende Reaction gern weiter verbreitet. Doch sahen sie es als ihre Pflicht an, bei der allgemeinen Erbitterung, welche plötzlich nach des Kaisers Abreise in der Bürgerschaft gegen die Studenten, als die Urheber des 15. Mai, herrschte, im Studentencomitä auf Schließung der Aula und Zurücktreten der Legion von jeder politischen Thätigkeit hinzuwirken. Nach vielen Kämpfen war es ihnen gelungen, am 25. Mai in der Abendsitzung des Studentencomites diese Beschlüsse durchzusetzen. Aber durch falsche Einflüsterungen zu einem tactlosen Schritte von Energie bewogen, verkündete plötzlich am 26. Mai früh das Ministerium durch eine officielle Kundmachung des niederösterreichischen Regierungspräsidenten Grafen Montecucoli die Auflösung der akademischen Legion und die Ablieferung ihrer Waffen. Wir werden die stürmt-, schen Ereignisse dieses Tages und ihre Folgen später ausführlich schildern. Am Abend desselben Tages sah sich dasselbe genöthigt, eine neue Behörde, ähnlich dem Centralcomit6 zu kreiren, nachdem es selbst die Bestrebungen der einsichtigeren und bestgesinnten Volksmänner mit einem Gewaltstreiche zu nichte gewacht hatte. In dem „Sicherheitsausschuß für Ruhe und Ordnung und zur Wahrung der Volksrechte" wurde Fischhof einstimmig zum Präsidenten gewählt. Er handhabte die schwierige und mühevolle Stelle mit einer Würde, Ruhe und Entschlossenheit, welche ihm die Achtung aller Bürger, selbst seiner politischen Gegner erwarb. Das Schicksal der Hauptstadt und mit ihr jenes des ganzen Reiches lag durch zwei volle Monate in seinen Händen. Mitten durch alle Stürme, von welchen die Regierung und die Sicherheit der Stadt bedroht war, wußte er, theils durch eine geschickte und kräftige Leitung der Ausschußgeschäfte, theils durch den überwiegenden Einfluß seiner eigenen Persönlichkeit, die überspannten Forderungen der Radicalen und der arbeitenden Klaffen im Zaume zu halten. Wer in jenen Tagen Gelegenheit hatte, den Präsidenten des Sicherheitsausschusses in den verschiedenen Verhälthältnissen zu beobachten, gegenüber einer stürmischen Versammlung, welche trotz ihrer politischen Unreife den ganzen Staat zu regieren dachte, in fortwährender Verhandlung mit einem Ministerium, dessen größte Stärke in dem steten Wechsel von Principien und Regierungsmaßregeln bestand; wer mit ansah, wie der Präsident des Sicherheilsausschusses heute eine Deputation von czechischen Studenten mit edler Würde zur Versöhnung und zum brüderlichen Anschlüsse an die Deutschen aufforderte, am nächsten Tage mit Kaltblütigkeit und Energie einen Arbeiterkrawall niederzuhalten wußte, an einem späteren Tage wieder die ganze Versammlung und die gedrängten Gallerien durch eine glänzende Rede zur Begeisterung für die italienische Armee und ihre Waffenthaten hinriß, — der mußte die seltenen Talente und den männlichen Charakter eines Mannes bewundern, den die Revolution plötzlich aus dem bescheidenen Dunkel seines bisherigen Lebens zum würdigsten Vertrauensmann seiner Mitbürger emporgehoben hatte. Mit einer wahrhaft klassischen Selbstverläugnung sagte einmal Fischhof in öffentlicher Sitzung zu einer Arbeiterdeputation, welche Erhöhung des Tagelohnes bei den öffentlichen Bauten forderte: „Seht mich an, Männer; auch ich bin Arbeiter, so gut wie Einer von Euch, ich bin Sekundärarzt im kaiserlich königlichen Krankenhause und habe oft Tag und Nacht am Krankenbette zu thun, und seitdem ich durch das Vertrauen meiner Mitbürger Vorsitzender dieser Versammlung bin, glaube ich, nicht weniger Mühe und Sorge für die öffentliche Ruhe, für Eure Bedürfnisse bewiesen zu haben, als bisher für leidende Menschen im Spitale. Ich habe täglich 40 Kr. C.-M. Gehalt, ich muß essen und trinken so gut wie Ihr, ich muß eine ordentliche Kleidung tragen, wenn ich Patienten empfange, ich brauche Bücher und Instrumente und doch komme ich mit diesem Geld aus und bin zufrieden. Solltet Ihr in Eurer Stellung nicht ebenso gut mit 25 Kr. täglich leben können? Oder könnt Ihr fordern, daß der Staat in seiner jetzigen Bedrängniß die anderen Bürger beraube, um die 40,000 Arbeiter, welche täglich auf Kosten dieser Gemeinde bei den Bauten beschäftigt sind und kaum die Hälfte ihrer Arbeit verdienen, in allen unbilligen Forderungen zufrieden zu stellen?" Rauschender Beifall und Zuruf begleitete diese einfachen Worte Fischhof's, und zu seiner Ehre sei es hier gesagt: der Präsident des Sicherheitsausschusfes, welcher oft nach Mitternacht, müde gehetzt von Debatten, Anfragen, De-

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