Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-30 · Heft 31 (30.7.1867) · p. Seite 619

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 31 (30.7.1867)
Date
1867-07-30
Page
Seite 619 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226581-3226613--25193-3260684
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

619 Sie Möchten sich gerne rachen, weil sie das Verbannungsgesetz, das Europa nicht geduldet hatte, nicht haben durchbringen können. Es cirkuliren Petitionen, welche von der Kammer die Inkraftsetzung alter Gesetze, die den Juden feindlich und schon abgeschafft sind, verlangen: aber der intelligente Theil der Bevölkerung, die Bojaren mit einbegriffen, weigert sich, zu unterschreiben. Man muß eben hoffen, daß Herr Bratiano nicht ewig Minister bleiben wird, und daß, abgesehen vom direkten Schutze des französischen Consulats, auch der Kaiser von Oesterreich zu unseren Gunsten interveniren wird, wie er es wörtlich Herrn Neuschotz versprochen, als er in Pest unsere Deputation empfing. GalaH, 19. Juli. Wir hatten Unrecht zu glauben, daß der Corresp. der Arch. isra. die Zustände in Galatz zu schwarz ansehe. In Galatz sind einem nach Wien erstatteten Berichte des österreichischen Consuls Ritter v. Cremer zufolge gegen mehrere Juden Excesse vorgefallen, welche den Mittheilungen der Wiener Bläter zufolge zu einem entsetzlichen Zwischenfalle geführt haben. Es wurden zehn Israeliten wegen angeblicher Vagabonbage zur Deportation über die Landesgrenze verurtheilt und demgemäß über die Donau transportirt und an das türkische Ufer gesetzt. Die Türken brachten sie wieder an das rumänische Ufer zurück und dort wurde ihre Landung mit dem Bajonet verhindert. Die Türken, statt die Unglücklichen wieder mitzunehmen, setzten sie ans Ufer, von wo sie ins Wasser getrieben wurden; einer andern Version zufolge hätten die Türken die zehn Israeliten, als sie nicht ans Land gelassen wurden, einfach ins Wasser geworfen. Acht Personen wurden wieder gerettet, zwei ertranken. Die „Neue freie Presse" meldet : Anläßlich der neuerdings stattgefundcnen barbarischen Judenverfolgungen Seitens der rumänischen Behörden in Galatz hat die österreichische Regierung ihren dortigen Consul angewiesen, unverweilt Schritte zu thun, um die Bestrafung der Schuldigen herbeizuführen und eine Wiederholung der Excesse zu verhüten, mit dem Zufügen, daß die kaiserliche Regierung, auf das Höchste entrüstet über jene Vorkommnisse, denselben die ernsteste Aufmerksamkeit zuwende, ohne Rücksicht darauf, ob die von den Verfolgungen Betroffenen österreichische oder fremde Unterthanen seien. Italien. Bonn, 1l. Juli (Privatmitth.) Gern würden wir darauf verzichten, den Gang sorgfältig zu beobachten und zu verfolgen, welchen die römisch-katholische Hierarchie in der jüngsten Zeit und für die nächste Zukunft nimmt. So wenig wie es unsere Väter gethan, ebenso wenig mischen wir uns gern in die Angelegenheiten anderer Religionsgenossenschaften. Allein Grundsätze, welche die päpstlich-katholische Kirche unumwunden auch in der Jetztzeit bekannt, und wo es anging, factisch bethätigt hat, also auch Thatsachen, nöthigen uns, auch nach dieser.Seite aufmerksam Wacht zu halten, und im Voraus die Dinge nicht aus den Augen zu verlieren, welche früher oder später ihren Einfluß auch auf unsere Verhältnisse üben können. Der römische Correspondent der „Rat. Zeit." sagt über die gegenwärtigen Feste in Rom: „Das Centenarium ist in ihren Augen das Fest nicht sowohl der Verbrüderung, als der Einheit der Kirche überhaupt. Es hat diesen Sinn in der That; es ist das Einheitsfest der katholischen Hierarchie, welche in unserer Zeit, wo die Nationen sich in ihrer Einheit konzentriren und die Mächte nahe daran sind, einen gemeinschaftlichen Codex politischer Grundgesetze für Europa aufzustellen, aus demselben Bedürfniß sich um ihr dogmatisches Prinzip, das Papstthum, vereinigt, welches ohne Frage für infallibel wird erklärt werden. Diese solenne Darstellung der fest an einander geschlossenen römischen Hierachie kann Niemand überraschen; denn ihre Einheit konnte nicht bezweifelt werden. Auch wird kein besonnener Mensch die Macht unterschätzen, die ein systematisch fest gebundenes Priesterthum noch besitzt, welches von einem Mittelpunkt aus dirigirt, sich über die Welt verbreitet. Man mag sich außerdem leicht vorstellen, daß alle diese Tausende von Priestern von diesem gemeinsamen Feste einen um so glühenderen Eifer in ihre Diözesen hinübertragen, wo sie gleichsam einen neuen Bund von Peters-Rittern bilden werden. Es scheint demnach, daß die Kirche sich wieder konzentrirt, um den Kampf mit der Revolution zu bestehen, und die Vorgänge der Gegenwart dürften an die Zeit erinnern, wo der Jesuitenorden entstand, um die große Reformation zu bekämpfen. Dieser Kampf wird, so scheint es, hartnäckig, doch für die moderne Entwicklung der 31*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.