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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-30 · Heft 31 (30.7.1867) · p. Seite 618

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 31 (30.7.1867)
Date
1867-07-30
Page
Seite 618 (sequence 10)
Language
German
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618 sehen. Lange vor seinem Erscheinen war das Schulgebäude von einer unzähligen Menschenmasse umringt, und in Gesellschaft seines Leibarztes, des Cultusministers, wie auch mehrerer anderer Notabilitäten, kam der Regent, welcher am Schulchore von dem Direktor Herrn Kahane sammt dem ganzen Lehrkörper mit einer moldauischen Ansprache empfangen wurde. Hier schallte seiner fürstlichen Hoheit ein donnerndes „Vivat" von den 358 Schülern entgegen, und die Klassen der Reihe nach besuchend, geruhte der Fürst in den unumwundensten wärmsten Ausdrücken dem Institute seinen Beifall zu spenden, welchen er noch bedeutend dadurch erhöhte, daß er auf den Umstand aufmerksam gemacht wurde, daß diese erstaunlich großen Fortschritte in etwas mehr als einem halben Jahre — seit dem die Schule ins Leben trat — erzielt wurden. Von hier begab sich seine Hoheit in die Direktionskanzlei, besah die Handschriften der Kinder, und geruhte — diese dem Herrn Cultusminister zeigend — sein Wohlgefallen auszudrücken. Endlich verabschiedete sich der Regent, und unter wiederholten Lobesäußerungen gab er dem Herrn Direktor die Versicherung das Institut bestens zu schützen. Werfen wir einen Blick aus die Verfolgungen und Schmähungen die uns hier täglich wiederfahren, besehen wir uns den nahen Schauplatz der letzten Judenhetze, und die fürstliche Erscheinung hat die Wirkung eines wahrhaften Trostes gehabt, der Hoffnung, daß der Fürst vor allem seine schützende Hand auch auf die jüdischen Schulen ausdchnt. Benedict Langbank. Galatz, 25. Juni. (Obgleich wir bereits in Nr. 29 Correspondenzen späteren Datums aus den Donausürstenthümern gegeben haben, welche die bessere Behandlung unserer Glaubensgenossen daselbst berichten, und deshalb die folgende Correspondenz der Ardi. isr. für etwas zu weitgehend erachten, glauben wir, dieselbe doch geben zu müssen, um für etwaige spätere Complicationen den Schlüssel bereit zu haben. Red. d. A. Z. d. I.) Wie wir es leider in unserem jüngsten Briefe vorhergesagt, wird die Lage von Tag zu Tag unerträglicher. Fürst Carl ist am 16. d. M. hier eingetrofsen, aber man gestattet keinem Juden eine Audienz bei ihm; dies hinge nur von dem Präfekten ab, denn in Bra'lla, wo der Präfekt kein Feind der Juden ist, hat dieser ihnen einen freien Zutritt 'bei dem.Fürsten gewährt. Er verweilt« auch dreiviertel Stunden im israelitischen Tempel, wo ihm zu Ehren ein TeDeum gesungen wurde. Er sprach sich über Alles,' was er sah, in wohlwollender Weise aus; aber sogar aus seinen Worten konnte man erkennen, welche Vorstellungen seine Umgebung ihm von den Israeliten beibringt; man schreibt ihm folgende Worte zu: „Die moldauischen Juden verdienen Verfolgung, denn sie schaden nicht allein dem Handel, sondern auch noch dem allgemeinen Gesundheitszustände." Man erneuert gegen sie Anklagen aus dem vorigen Jahrhundert; und wenn man auch gerade nicht mehr behauptet, daß sie die Brunnen vergiften, so beschuldigt man sie doch der Verbreitung der Cholera! Im Allgemeinen bewahrt die Masse des Volkes eine friedliche Haltung den Juden gegenüber, und auch fast alle Bojaren kann man darin miteinbegreifen. Die wirklichen Anstifter dieser Verfolungen sind nur geringzäh lig; aber sie geben sich alle Mühe, das ganze Volk aufzustacheln. Sie holen sich ihre Verstärkung aus einigen zurückgebliebenen Professoren,' Winkeladvokaten und kleinen Kaufleuten; in allen Städten bilden sie Comites, deren alleiniger Zweck ist, Verfolgungen gegen die Juden anzustiften und zu unterstützen. An der Spitze dieser Comitös steht Herr Bratiano, der die Präfektenstellen oder sonstige amtliche Posten nur Mitgliedern dieser Verfolgungs-Comitss verleiht; sie müssen sich Mühe geben, den Juden alle möglichen Schikanen zu bereiten, um ihnen das Leben sauer zu machen; die Folge davon ist, daß die Juden in der Moldau noch mehr zu leiden haben als in der Wallachei. Jeder Präfekt und Unterpräfekt hat das Recht die Juden im Namen gewisser Gesetze, die seit lange außer Kraft oder nie in Anwendung gekommen sind, zu mißhandeln. Es folgt hier ein solches: „Die Unterschriften der Juden werden vor Gericht nicht anerkannt; sie können demnach Häuser und Grundstücke weder kaufen noch verkaufen. Es ist ihnen nicht erlaubt, Handelsverbindungen mit Christen einzugehen, denn die Behörden würden solche Contrakte nicht legalisiren." Ja, man sagt sogar, daß die Comites Die Absicht haben, die ehemaligen Besitzer von den Häusern, die Juden von Christen gekauft haben, wieder in ihren früheren Besitz eintreten zu lassen. Man begreift, welche Verwirrungen eine solche Maßnahme hervorbringen würde!

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