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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-30 · Heft 31 (30.7.1867) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 31 (30.7.1867)
Date
1867-07-30
Page
Seite 620 (sequence 12)
Language
German
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Civilisation ungefährlich sein, denn diese geht in einem gesetzmäßigen Strome unaufhaltsam fort." Es ist erfreulich, daß endlich einmal auch die norddeutsche liberale Presse dahin gelangt, die Kraft der katholischen Hierarchie, wie sie diese auch in unserer Zeit noch besitzt, und wie sie gegenwärtig unaufhörlich und nicht ohne mancherlei Erfolg strebt, sie zu stärken und zu erweitern, nicht zu unterschätzen. Wer in andern Ländern, z. B. im westlichen Deutschland eine Zeitlang lebt, lernt dies, anfänglich zu seiner lieber - raschung, würdigen. Im Allgemeinen dürfen wir nicht vergessen, daß die katholische Hierarchie sich grundsätzlich gegen Gewissens- und Glaubensfreiheit erklärt, und die bürgerliche Gleichstellung als einen ketzerischen Jrrthum gebrandmarkt hat. Anderentheils wirkt sie nach allen Seiten hin auf confessionelle Spaltung in allen gesellschaftlichen Beziehungen hin. Sie sucht nicht allein das katholische Volk überall zur Ausschließung Andersgläubiger zu bewegen, sondern sie schafft da, wo die Bevölkerung gemischt ist, ausschließlich katholische Gesellschaften und Vereine selbst zu geselligen und anderen Zwecken; wir erinnern z. B. an die katholischen Gesellenvereine. Es versteht sich, daß wir als Juden überall, wo es wirklich religiöse Zwecke gälte, gegen Vereine und separate Anstalten am wenigsten einzuwenden hätten. Aber eben wo es über alle religiösen Zwecke hinausgeht und in die verschiedensten Schichten und Stände auf ganz materiellem Boden eingreift und trennende Schranken innerhalb des Volkes und des Staates wieder aufrichten will: da beginnt die Gefahr für Alle, und besonders für uns. Endlich dürfen wir nicht vergessen, wie in Gegenden und Zeitmomenten, wo das Gesetz weniger Kraft besitzt, fanatische Priester gar zu oft das Schicksal unserer Glaubensgenossen in Händen haben und gefährden. — Nur noch Eins müssen wir hervorheben. Die Hierarchie und ihre Anhänger sprechen beständig — auch nach der obigen Correspondenz — von dem Kampfe gegen die Revolution. Sie suchen damit ihre retrograden Bestrebungen zu rechtfertigen und schwache Köpfe zu blenden. Es beruht dennoch nur auf Begriffsverwirrung. Grundsätze, auf welchen die ganze moderne Gesellschaft beruht, nach welchen sie ihre meisten Einrichtungen getroffen und ihre meisten Gesetze erlassen hat, können wahrlich nicht als „Revolution" bezeichnet werden. Umgekehrt, wer sie für jetzt und für die Zukunft wieder beseitigen will, wer gegen sie, nicht blos | mit dem Worte, sondern auch durch Handlungen ankämpft, wer sie verurtheilt und verdammt, der ist revolutionär. Revolutionen sind nicht die Urheber solcher Grundsätze und auch nicht die unmittelbaren Folgen, sie kommen da, wo man mit Gewalt ihre allmälige Entwickelung, ihren Eintritt in die Wirklichkeit verhindern und unterdrücken will. Dieser Gewalt tritt dann die Revolution als Gewalt gegenüber. Wir sprechen hier von europäischen Revolutionen, in welchen es sich um Grundsätze, nicht wie bei den asiatischen, südamerikanischen u. dgl., um Personen handelt. Deshalb sind auch solche Grundsätze lange Zeit, bevor eine Revolution eintritt, schon verbreitet, vorbereitet und zum Theil verwirklicht, und werden in Ländern, wo ein gesundes Staats- und Volksleben herrscht, auf dem friedlichsten Wege und ohne alle revolutionären Bewegungen zur Geltung gebracht. Fürwahr, Männer, welche im Dienste der Glaubensfreiheit, im Dienste des monarchischen Constitutionalismus u. s. w. stehen und kämpfen, können wahrlich nicht Diener der Revolution genannt werden, während alle diejenigen, welche diese Ecksteine der gegenwärtigen Gesellschaft beseitigen wollen, nichts Anderes, als durch und durch Revolutionäre sind. Großbritannien. London, 19. Juli. (Jew. Chr.) Sir Moses Montefiore will den 30. oder 31. dieses eine Reise nach Rumänien unternehmen. Der Board of Deputies hat eine Adresse an den Sultan votirt und wurde dieselbe dem Beherrscher der Muselmänner letzten Montag durch eine Deputation überreicht, an deren Spitze sich Sir Moses befand. Ein Gleiches geschah mit einer Adresse an den Vieekönig von Egypten. Anzeigen. Die Stelle eines geprüften Elementarlehrers, Vorbeters und Schächters in hiesiger Gemeinde ist bald zu besetzen. Qualisicirte Bewerber wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Atteste bei unserem Vorsitzenden Herrn Gastwirth Frankel melden. Reisekosten werden nicht erstattet. Fester Gehalt 300 Thlr. und gegen 100 Thlr. Nebeneivkünfte. Landsberg Ober-Schlesien. Der Vorstand hiesiger Synagogen-Gemeinde.

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