Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1867)
- Date
- 1867-07-30
- Page
- Seite 617 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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617 mnn im Alter von 39 Jahren in seiner Vaterstadt Bukarest, wo er ununterbrochen seit dem Beginne seiner Laufbahn sein Streben nur dahin richtete, Pas Judenthum zu Ehren zn bringen. Dieser Grundsatz, den er zu verwirklichen bemüht war, charakterisirt diesen Mann mehr als meine schwache Feder vermag. Sein Heller Geist wurde nur von seinem warmen Herzen, seine Größe nur von seiner Bescheidenheit übertroffen! Alle Tugenden eines Menschenfreundes vereinigte er in sich; höflich und dienstfertig gegen Jedermann, seine Thüre jedem Rath- und Hilfesuchenden geöffnet. Welche Achtung er im Staate und in der Gemeinde genossen, mag daraus hervorgehen, daß er seit mehreren Jahren an der rumänischen Nationalbank in der Eigenschaft als Direktor stand und in der Religionsgemeinde mit der Präsesstelle betraut war. Und welch ein Herz, welch einen Schatz edler Gefühle er besaß, beweist sein Testament, welches er hinterlassen; dieses enthält nicht unbedeutende Legate zu Gunsten vieler Wohlthätigkeitsanstaüen ohne Unterschied der Religion; unter andern vermachte er der hiesigen jüd. Ceutralschule 2000 Dukaten, eine gleiche Summe dem prachtvollen, durch sein Hinzuthun erbauten, vor Jahresfrist zur traurigen Berühmtheit gewordenen Tempel, den er jedoch nur sehen und nicht betreten sollte, überdies allen in der Stadt,, unter welchen Namen immer bestehenden Vereinen je 1000 Piaster, hievon selbst die Nationalgarde niicht ausgeschlossen, hiemit die respectable Summe von 7000 #. Das Testament bestimmte den Leichnam des Verstorbenen nach Kronstadt in Siebenbürgen zu transportiren, um an der Seite seiner treuen, allgemein in hoher Achtung gestandenen Gefährtin beigesetzt zu werden, die alldort von der Cholera vor 9 Monaten weggerasft wurde, und deren Verlust den zartfühlenden Gatten untröstlich machte. Der Anblick des Leichenzuges, der sich am 4. d. M. von dem Hause des Verblichenen in Bewegung setzte, war ein ergreifender. Voran gingen die Mitglieder des von den hier domizilirtcn deutschen Juden ins Leben gerufenen „Krankenvercines," dann „Leichenbestattungsmitglieder," diesen folgte der Schützenverein, Nationalgarde rc. rc.; mit einem Worte ein unübersehbares Menschenmeer, deren Zahl auf 40,000 angenommen werden kann. Wie Balsam auf die Wunde wirkte wohlthuend die Anwesenheit aller Stände, Vereine, Minister rc. besonders die des Herrn Minister Bratiano, der trotz der Judenverfolgung, die derselbe erst vor nicht langer Zeit in Jassh in Scene setzte, in Gemeinschaft mit den übrigen Notablen, sein Beileid derart eclatant bewies, daß er persönlich das Geleite bis zum jüdischen Gottesacker gab; hier wurden mehrere Trauerreden in französischer Sprache von Hrn. Anton Lewi, in deutscher von Hrn. I. Deutsch und in rumänischer vom Herrn Landesadvokaten Gikuneski gehalten; sodann wurde der entseelte Körper einer Commission, bestehend aus je 2 Mitgliedern der verschiedenen Vereine, zur Weiterbeförderung übergeben. Zu bemerken ist, daß auch von Seiten der Rcgicrung eine Ehrenwache der Leiche beigegeben ward. Wie ich höre, soll die Gemeinde zu Plojes, wo der Zug passiren mußte, die Leiche als Zeichen wahrer Verehrung, mit brennenden Fackeln empfangen haben. Wemüthig rufen die Juden Rumäniens aus: nbi -Tins; unersetzlich der Verlust, unausfüllbar die Lücke! Nichts als der Auf- und Hinblick auf Gott und das Ergeben in feinen hohen Willen bleibt zum Tröste ob des Verlustes der Zierde der rumänischen Juden. Der Verewigte hinterläßt auch zwei liebenswürdige unmündige Mädchen im Alter von 8—10 Jahren, versorgt ist je eine mit 8—10,000 #; laut seines letzten Willens sollen dieselben der Obhut seiner Frau Schwester Mad. Sabathi anvertraut werden, um für deren Erziehung in Wien Sorge zu tragen. Schließlich verdient noch bei diesem Referate erwähnt zu werden, daß die Hrn. Dr. Popper, Weinberger und Freud, den Trauerzug arrangirt hatten. Damit die heilsame Saat, welche der Berklärer ausgestreut, Wurzel schlage, soll der Gedanke rege geworden sein, jene zur Schule bestimmten 2000 # durch milde Beiträge zu erhöhen, um so die Schule mehr auf der Höhe der Zeit zu erhalten. Das Andenken Jakob Löbls wird hier ein gesegnetes bleiben. Moritz Schwarz, Oberlehrer. Bottuschan, im Juli. lPrivatmitth.) Am 3. Juli war es, an welchem uns das Glück zu Theil wurde, unfern erlauchten Landesherrn Fürst Carl I. in den Räumen der vom wackern hiesigen Borstande — in welchem sich die Herren Mendel Wechsler, Leib Feuerbaum, Samuel Geldbeutel und H. Weisselberg besonders auszeichnen — erbauten, und vom verdienstvollen hebräischen Literaten Herrn Hillel Kahane gegründeten und geleiteten israelitischen Hauptschule zu 31