Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1867)
- Date
- 1867-07-30
- Page
- Seite 616 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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616 2. Derjenige Theil der jetzigen Dienstlisten, welcher für die ersten zwei Quartale gilt, wird gutgcheißen; hingegen wird für die Quartale vom 1. Jänner 1868 ab auf Grund der im Sinne des Punkt 1 ergänzten Lusammenschreibung eine neue Dienstliste angefertigt werden. Ich fordere den Herrn Bürgermeister auf, je früher die nöthigen Verfügungen zur Vollziehung dieses meines Erlasses zu treffen, die ergänzte Zusammenschreibung und die Dienstlisten für das dritte und die folgenden Quartale jedenfalls noch vor Ablauf des Jahres dem Präsidenten der Pester königlichen Tafel zu übermachen, mich aber davon in Kenntniß zu setzen." Leipnik, 26. Juni. Von hier schreibt der „Mähr. Corr": „Daß die Plätze in den israel. Synagogen einzelnen Parteien gehören, ist bekannt, und so geschah es, daß die hiesige Frau Fanni Eisler als Gläubigerin auf drei solcher Sitze 200 fl. in Ung.-Brod intabulirt hatte. Die genannte Frau heirathete den hiesigen Gemeinde-Arzt Herrn Ignaz Winter und mußte dortorts, weil sie auf gütlichem Wege zu dem früher gekündigten Capitale per 200 fl. nicht gelangen konnte, die executive Feilbietung erwirken. Doch. siehe , der christliche Bauer Hrubrosch, aus dem eine Stunde weit von Ung.-Brod gelegenen Dorfe Drslowitz, stellte sich am Tage der Licitation unter den Kauflustigen ein und hat auch wirklich die genannten, aus einem für Frauen und zwei für Herren bestehenden Synagogensitze für ungefähr 100 fl. erstanden. Um jedoch von seinem neuen Besitzthume die Früchte zu genießen, besucht Hrubrosch mit seiner aus Weib und Kind bestehenden Familie öfter die jüdischen Andachtsübungen und war auch am verflossenen Schebuotfeste (Pfingstfeste) daselbst anwesend." Bekanntlich sehen es auch die liberalsten Christen mit scheelen Blicken an, wenn sich ein Christ für Jüdisch-Religiöses zu interessiren scheint. Das citirte Blatt fügt daher ironisch hinzu: Wir gratuliren daher der dortigen Jsraeliten-Gemeinde zu ihren freundlichen Gästen, da sich doch gerechtest erwarten läßt, daß sich dieselben an der Cultussteuer zur Erhaltung der Synagoge, eines Predigers und Cantors rc. betheiligen werden. Aus Galizien, 4. Juli. Der Stadt Pilzno in Galizien gebührt, wie man uns mittheilt, das allerdings sehr zweifelhafte Verdienst, die konfessionelle Besteuerung der Juden unter dem Patronate des Sistirungs- Ministeriums neuerdings ins Leben gerufen zu haben, indem der Magistrat der gedachten Stadtgemeinde auf Grund eines nie in Wirksamkeit getretenen, längst antiquirten Hofkanzlei-Decrets vom 9. Mai 1831 den dortigen ffraelitischen Gewerbsleuten eine nicht unbeträchtliche Steuer auferlegte, die jeder derselben „als Jude" zu entrichten habe. Das Bezirksamt und die Statthalterei machten zwar diese Verfügungen, die mit den späteren Gesetzen über die Freizügigkeit der Israeliten wie mit dem Gewerbegesetze in crassem Widerspruche stehen, rückgängig; allein die feudalen Gelüste der Pilznoer Bürgerschaft fanden bei dem Grafen Richard Belcredi ein bereitwilliges Entgegenkommen, und mit Ministerial-Erlaß vom 17. October 1865, Z. 16317, wurde die weitere Einhebung der Judensteuer angeordnet. In Folge dessen schritt der löbliche Magistrat zur zwangsweisen Eintreibung dieser Auflagen, und erst über wiederholte Vorstellung der mit dem gänzlichen Ruine bedrohten Judenschaft ließ der gewesene Staatsminister sich herbei, in seiner gewohnten Weise die Execution zu „sistiren" und von den unteren Behörden einen neuerlichen Bericht über diese Angelegenheit abzuverlangcn. Dieser Bericht ist in den letzten Tagen dem Ministerium vorgelegt worden, und so dürfte denn demnächst diese „Frage," die wie ein Stück Mittelalter in unsere Zeit hineinragt, zur endlichen Entscheidung gelangen. In welchem Geiste dieselbe ausfallen wird, kann wohl keinen Augenblick zweifelhaft sein, da jetzt am Ruder des Staates Männer sitzen, die hoffentlich über ihre Aufgabe und die Rechte des Volkes anderen Anschauungen huldigen, als der ehemalige Staatsminister Graf Richard Belcredi. Donaufürstenthümer. Nekrolog. Bukarest, 5. Juli. Jakob Löbl, die Zierde der rumänischen Juden, der seltene jüdische Philanthrop, ist nicht mehr. Dieser Mann, gleich groß durch seinen edlen Character, wie durch seine unvergänglichen Verdienste, die er sich um die Gemeinde sowohl als um den Staat erworben, verschied am 3. d. M, wnn i«n