Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1867)
- Date
- 1867-07-30
- Page
- Seite 611 (sequence 3)
- Language
- German
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611 unterstützen, sah, sagte er lachend: „Sehet, dazu dient mir das große Sanhedrin."*) 2. Mose's Prophetie und Himmelfahrt. Nach dem Beispiele der Griechen haben unter den Juden, welche griechisch schrieben, nicht wenige pseudonyme Schriften verfaßt, indem sie die Maske eines älteren Namens oder des Alterthums überhaupt Vornahmen. Wir errinern z. B. an die sibyllinischen Orakel, von denen einige Theile unzweifelhaft aus einer streng jüdischen Feder herrühren. Wir dürfen diese Manier nicht von unserem gegenwärtigen Standpunkte etwa als beabsichtigte Fälschung — obgleich diese wohl auch vorkam — beurtheilen. Es war Lheils eine Unsitte, die sich damals eingebürgert hatte, theils sollte dadurch ein bequemer Weg genommen werden, um religiöse Lehren aus eine eindringliche Weise zu verbreiten, theils ging es auch aus der Sucht nach Originalität hervor, nachdem der gesummten alten Welt der originelle Geist verloren gegangen. Vor Kurzem entdeckte Ceriani in der ambrvsianischen Bibliothek zu Mailand, welche unter der österreichischen Herrschaft von den Jesuiten unzugänglich gehalten wurde, ein Manuseript, aus welchem ein Fragment eines in früheren Jahrhunderten wohlbekannten Buches herzustellen war. Das Buch führte den Titel: Mosis prophetia et assumtio, und zwar eine lateinische Uebersetzung des in griechischer Sprache verfaßten Originals. Das Fragment ist soeben im Urtext mit Uebersetzung und Commentar von Prof. Dr. Gustav Volkmar, Leipzig, Fues, 1867, herausgegeben, und wir brauchen eben nur den Namen dessen zu nennen, welchem diese Schrift untergeschoben ist, um das Interesse dafür zu erwecken. Nach den gründlichsten Untersuchungen des Herausgebers ist der Verfasser ein Jude gewesen, und zwar aus der Zeit der Akiba-Verfolgung nach dem Falle Bar-Kochba's 137 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung. Den ersten Theil des Werkes nahm „die Weissagung Mose's" ein, ungefähr ein Drittel des Ganzen, und *) Herr Guizot irrt sich hier darin, daß das Sanhedrin um dieselbe Zeit berufen sein soll. Am 17. März 1808 wurde nur das Reglement veröffentlicht, welches die Beschlüsse des Sanhedrin vom 10. December 1806 verwirklichen sollte. Uebrigens haben die polnischen Juden schwerlich den Franzosen wegen dieses Dekrets Dienste geleistet, sondern um der Befreiung von dem außerordentlichen Drucke willen, dem sie unterlagen. dies ist es eben, was jetzt wieder an's Licht gebracht worden. Moses setzt vor seinem Tode Josua zu seinem Nachfolger ein, und richtet nun an diesen eine Weissagung, welche nach Art Daniels, also in apokalyptischer Weise, bis zu dem Martyrium Akiba's und seine Jünger geht. Das erste Capitel ist die weitläufige Überschrift; wir stellen zur Charakterisirung das zweite Capitel und den Anfang des dritten her, bis wo die Apokalypse beginnt. „Denn der Herr der Welt hat die Welt geschaffen seines Volkes wegen, und nicht hob er den Anfang der Schöpfung an, (als dazu, daß) er vom Anfänge' der Welt (sich) offenbar mache, (und) daß auf ihr die Heiden überführt würden, und sie selbst kläglich untereinander mit Streitreden sich überführten. Deßhalb hat er mich ausersehen unv gefunden, der ich vom Anfang der Welt bestimmt bin, der Mittler seines Bundes (6 ^.ugitt^ rijg dta&rjzrjg aviov) zu sein. — Und (mm) mache ich dir offenbar , daß vollendet ist die Zeit der Jahre meines Lebens, und ich hingehe zum Schlafe meiner Väter und öffentlich alles Volk (entlasse. Du) aber nimm hin diese Schrift zur Versicherung der Bewahrung der Bücher, welche ich dir übergeben werde. Sie sollst du oronen und balsamiren und hinterlegen in irdenen Gefäßen — au eine Stätte, die er gemacht hat von Anfang der Weltschöpfung, daß (daselbst) sein Name angerufen werde — bis zum Tage der Buße, mit Rücksicht darauf, daß der Herr bei der Vollendung des Ausganges der Tage ihrer gedenke. „Cp. 3. iSiehe! Jetzt) werden sie eingehn durch dich in das Land, das er beschlossen und verheißen hat zu geben ihren Vätern; in ihm wirst du segnend zutheilen einem jeglichen (Stamme) und festsetzen ihnen ein Loos kraft meiner und wirst für sie die Herrschaft befestigen, und die Hoheit über die Landstriche wirst du ihnen überlassen, gemäß dem, was ihrem Herrn wohlgefällt in Recht und Gerechtigkeit." Die apokalyptische Weissagung schließt mit dem martervollen Tode Akiba's und seiner Jünger, und nun fährt das Buch fort. „Cp. 14. Und dann wird Sein Reich in seiner ganzen Erdenwelt erscheinen. Dann wird der Teufel sein Ende haben, und die Traurigkeit wird mit ihm dahin sein. Dann werden sich füllen die Hände des Engels, der an höchster Stelle steht, der sofort Jene rächen wird an ihren Feinden. Denn es erhebt sich dann der Himmlische vom Sitze seines Königreichs und geht von seiner 31*