Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1867)
- Date
- 1867-07-23
- Page
- Seite 599 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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599 sich erfüllten, welche die ungarischen Israeliten — bauend auf die mehrmaligen feierlichen Enunciationen der Landesrepräsentanz — rücksichtlich ihrer Emancipation nährten. In Folge dessen griff bei unfern hierländischen Glaubensgenossen in letzterer Zeit eine gewiß vollkommen berechtigte Mißstimmung Platz, die sich bereits nicht blos in den jüdischen confessionellen Zeitschriften Luft macht, sondern auch in der Tagespresse ihr getreues Echo findet. Der „Magyar Jzraelita" klagt das Ministerium offen der Engherzigkeit an, und spricht bereits die Ansicht aus, daß das passive Zuwarten der ungarischen Israeliten seine Gränze und seine Zeit haben müsse, und zwar dies ganz im Sinne des geehrten Herrn Redacteurs dieser Blätter, so wie entgegen dem Ausspruche des bekannten Memorandums des Pester Cultusvorstandes, dem zufolge derselbe die Gleichstellung bloß als Sache des Landes und der Nation betrachtet, deren Wohl dadurch befördert werde, daherauch die Lösung dieser Frage die Gesetzgebung der Natton angehe, so daß der Vorstand sich nicht berufen fühle, in dieser Hinsicht petitionirend oder Beschwerde führend zu interveniren. Aus den der Gleichberechtigungs-Angelegenheit gewidmeten Artikeln des Journals „1848", welches unter den magyarischen Blättern die-größte Energie und Ausdauer in dieser Frage an den Tag legt, führe ich hier, in Rücksicht auf den Raum dieser Blätter, bloß die charakteristischesten Stellen an: „Ein häßlicher dunkler Fleck an der Verfassung unseres Vaterlandes ist die politische Stellung unserer jüdischen Mitbürger .... Da die Frage der Gleichberechtigung der Juden im Geiste des Volkes, in der öffentlichen Meinung schon seit Jahrzehenden entschieden ist; da alle Gründe, die dafür und dagegen vorzubringen sind, bis zum Ueberdruß abgedroschen wurden; da es keinen vernünftig denkenden Patrioten gibt, der nicht die Gleichberechtigung für gerecht und wurde dem ehrwürdigen Rabbiner E. Deutsch Abends eine Ovation dargebracht, woran sich der neuerwählte Oberstuhlrichter in hervorragender Weise betheiligte. Dieser humane Mann ließ nach der Feier — wie mir berichtet wird — die 12 jüdischen Chorknaben zu sich kommen, stellte ihnen einen Tisch mit Zuckerbackwerk vor, und beschenkte einen jeden der Knaben außerdem mit 1 fl. ö. W. . Corresp. auch für politisch Halten würde, da der Reichstag und der König bei mehreren Gelegenheiten sich für das Aussprecheu der Gleichberechtigung erklärt haben, und es sogar, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt, versprochen haben: kann und darf nun die Lösung dieser Frage noch weiter hinaus geschoben werden? . . . . Wir glauben nicht, daß diese Angelegenheit zu länger» Debatten Anlaß geben werde. Im Mgeordnetenhause wird sich keine Stimme dagegen erheben, und das Oberhaus, wir setzen dies in seinem eigenewZnteresse von ihm voraus, wird sich wohl in Acht nehmen, seine ohnehin schwachen Lebenswurzeln abzuschneiden. Es gibt keinen Grund, der das Hinausschieben rechtfertigen würde, wohl aber gibt es mehrere Gründe, die zu sofortiger Erledigung drängen." Als Paul Somssich (Schomschitsch, Vice-Präsident der Deputirtentafel) die Judenfrage im Deäk-Club dem S. präsidirt, zur Sprache brachte und Finanzminister Lünhay antwortete, daß die Regierung beim Wiederzusammentritt des Reichstages, vermuthlich Ende Juli, sogleich einen Gesetzentwurf über die Ausdehnung des Wahlrechtes und über das Jnkolat vorlegen werde, ließ sich „1848" hinsichtlich der Verschiebung der Angelegenheit wie folgt vernehmen: „Wir wissen nicht, ob hiezu jene geduldige, selbstverleugnende Haltung unserer jüdischen Mitbürger mitwirkt, welcher wir unmöglich unsere Anerkennung versagen können, indem wir sehen, daß sie zu keinem jener Mittel, selbst nicht zu dem gelindesten Mittel der Petition greifen, durch welche die öffentliche Meinung aus die Legislattve eine Pression üben kann; unserer Ansicht nach spricht jedoch dieses Verfahren unserer jüdischen Mitbürger, vermöge dessen sie ihre Angelegenheit ausschließlich der Fürsorge der Volksvertretung anheimstellen, eher gegen als für die Verschiebung. Es ist nicht gut, diejenigen, die etwas zu wünschen haben, zu der Ueberzeugung gelangen zu lassen, daß ihre berechtigten Wünsche nur dann erfüllt werden, wenn sie sie mit lauter Stimme und ungeduldig urgiren. Die Sache ist soweit gereift, daß sie — falls sie nicht aus überflüssiger Vorsorge mit andern von ihr ganz abgesonderten Angelegenheiten in Verbindung gebracht wird — selbst in einer halben Sitzung des Abgeordnetenhauses leicht gelöst werden kann .... Wir huldigen nicht extremen Anschauungen, und legen kein großes Gewicht auf den Umstand selbst, ob die Gleichberechttgung sechs Wochen früher oder später ausgesprochen wird. Auch unsere 30*