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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-23 · Heft 30 (23.7.1867) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 30 (23.7.1867)
Date
1867-07-23
Page
Seite 598 (sequence 10)
Language
German
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598 viele Comitate, entgegen dem ungerechten Buchstaben des diesbezüglichen Gesetzartikels, den Juden theils das active und passive, theils das elftere Wahlrecht ertheilt, und wurden Israeliten zu Comitats-Commissionsmitgliedern, Honorar-Fiskalen, Notaren und Aerzten, wie auch zu wirklichen Comitatsärzten und Stadtrepräsentanten erwählt, wobei erwähnenswerth ist, daß die, in die Comitatscommission gewählten 6 Israeliten zu Loschonz die Wahl dankend ablehnten, da sie keine ausnahmsweisen Rechte genießen wollten. Charakteristisch ist eine Episode aus den Verhandlungen der ersten Comitats-Conferenz in Fünfkirchen, deren Mittheilung, als Gegensatz zu der betreffenden Stelle des Berichtes: „Aus Ungarn" in Nr. 25 d. Bl. hier Platz finden möge. „Unter allgemeinem Beifall und Heiterkeit" — berichtete „Hon" — „sprach der greise Titularprobst und Pfarrer von Berkesch, der seine Rede mit gemüthlichen Einfällen würzte. Indem er von den nöthigen Eigenschaften des Beamten sprach, sagte er: Der Beamte soll es hier, hier und hier haben lauf seinen Kopf, sein Herz und — seine Tasche zeigend). Hierauf fuhr er, auf sein Herz deutend, fort: Wenn ich bei dem Beamten die Religiosität betone, will ich nicht damit sagen, daß er ein Katholik sei, er sei auch Protestant, sei auch Jude tlanghaltender Beifall), aber er sei religiös. Herr Pfarrer Heghesi empfahl noch in kurzen Worten die Wahl des Fünfkirchner Titularpropstes, sowie des dortigen Rabbiners für das Sechser-Comit«, falls auch dieser die dazu nöthige Befähigung besitze! Also der Ungar, katholische Clerus bleibt im Liberalismus nicht zurück, ja ergreift sogar die Initiative, wie immer ihn auch die ihm Uebelwollenden, die Ultramontanen nämlich, verleumden." Es ist auch nicht zu unterschätzen, daß die den Ungarn so getreue und für Ungarn so bedeutende Hafenstadt Fiume einen Israeliten (den niederländischen Consul Kohen) zum Mitgliede der Krönungsdeputation erwählte, und da die Stadt Wien ebenfalls einen Israeliten (Gemeinderath Pollak) als Krönungsdeputirten nach Pest sandte, so waren doch die Juden beider Reichshälften durch je 1 Vertreter repräsentirt. Die Wahlen, natürlich auch pro uobis, gingen also im Großen und Ganzen abermals sins uobft vorüber; bei den Ernennungen wurde kein einziger Jude berücksichtiget, und so kam die Krönungszeit heran, die uns Israeliten wenigstens wieder die erhebende Veranlassung bot, bei Gelegenheft der damals allenthalben veranstalteten gottesdienstlichen Dankfeierlichkeiten die erfteuliche Wahrnehmung zu machen, *daß die sociale Emancipation immer mehr Platz greife.*) Mit Vollzug der Krönung war für die Legislative die Möglichkeit eingetreten, Gesetze schaffen zu können, allein es verlief eine Sitzung nach der andern, ohne daß die sanguinischen Hoffnungen und Erwartungen *) Hier z. B. wurde am 2. Pfingsttage (2. Schebuothfesteh laut Uebereinkunft, in den Kirchen beider Protest. Confessionen, sowie in der Synagoge verkündet, daß Tags darauf in den genannten Gotteshäusern eine Dankfeier werde abgehalten werden. Diese dreifache Feier begann in der Kirche der Protestanten A. C. unter Theilnabme einer überaus großen Anzahl Andächtiger der verschiedenen Confessionen. Zum Schluffe seiner Festpredigt, forderte Se. Ehrwürden, Herr Pfarrer Schärfel, die Versammlung auf, sich nun in die Kirche der Reformirten und von dort in den Tempel der I s - raeliten zu verfügen. In der reformirten Kirche, welche ebenfalls in allen Räumen gefüllt war, flehete der ehrwürdige Pfarrer, Herr K ix man, ein Bruder des in diesem Blatte rühmlichst erwähnten Pfarrers zu Torsza, den Segen des Allgütigen herab auf alle Bewohner des Landes, sprach ferner den Wunsch aus, daß sämmtliche Nationalitäten und Confessionen durch die volle bürgerliche Gleichberechtigung zufrieden gestellt werden und zwischen ihnen stets brüderliche Eintracht herrschen möge, wobei er auf das (auch, Corresp.) von der christlichen Religion aufgestellte Gebot der Nächstenliebe hinwies. Von diesem Gotteshause strömte alles, die Pfarrer, die übrigen zahlreichen Honoratioren, Bürger und Bauern der Synagoge zu, welche aber leider nicht alle Besucher fassen konnte, so daß Viele sich an Thüren und Fenstern postirten. Im Tempel hielt Schreiber dieses, in Abwesenheit des ehrwürdigen Bezirksrabbiners, Herrn D. L. Straffer, eine Gelegenheitsrede unter Zugrundelegung der Schriftverse: „Mein Haus soll ein Hans der Andacht sein für alle Völker," Jesaias 58,7. und: „Wie schön und lieblich ist es, wenn Menschenbrüder in Eintracht zusammen leben", Ps. 133. Nach dem herrlich vorgetragenen Schlußgesange des vorzüglichen Cantors Jacob Stössel verließen sämmtliche Anwesenden den Tempel in dem durch diese dreifache Feier lebhafter geweckten Gefühle der Zusammengehörigkeit sämmtlicher Gottesgläubigen. Als Appendix zu dieser Feier veranstaltete der hiesige Leseverein ein geselliges Fest, das Angehörige der verschiedenen Nationalitäten und Confessionen in schönster Einmüthigkeit vereinigte. In dem nahen Kula und Kalanka wurde die Feier in ähnlicher Weise abgehalten. In Kula hielt der ehrwürdige Rabbiner D. L. Straffer eine ungarische Festrede, die im Drucke erscheint, und in Kalanka

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