Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1867)
- Date
- 1867-07-16
- Page
- Seite 585 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeint Zeitung des Zu-enthnms. Fenilletou-Leilage M Ar. 89. Leipzig, den 16. Juli 1867. An die Indifferentisten. Vergleichende Studien über den Talmud. Von Rabb. Oppenheim in Gr. Becskerek. Die erwünschte Thräne. Ich sehe der Thränen so viele, Sie thun mir alle so weh! Sie drücken wie brennende Schwüle Das Herz mir, so oft ich sie sch. Der Eine beweint die Verwandten, Der Andre das Glück und den Freund, Wo Menschen sich trennten, sich fanden, Da ward wohl auch ewig geweint. Nun rinnen so viele der Zähren, Sie Ihnen so weh mir, so weh! Und doch säh' ich gern sie vermehren Um eine, die nirgends ich seh. Und, ach! die sah' ich so gerne! Wenn sie auch nur Einmal erschien, Sie würde wie einer der Sterne Am Himmel der Hoffnung erglüh'n. Der Glaube der Väter, der reine, Reicht Allen die göttliche Hand, Ihr lasset ihn stehn so alleine, Als hättet ihr nie ihn gekannt. Er hat doch so hoch uns gesegnet, So treu es mit uns stets gemeint! Ihr flieh't, wo er euch nur begegnet, Und Keiner von euch es beweint. Die Thräne, die säh' ich so gerne, Sie machte das Herz mir so froh; Sie brächt', wie der Anblick der Sterne, Mir Trost, wo die Hoffnung schon floh. A. Rosenbanm in Schöftland. (Fortsetzung.) il. Die Fabel «am Trunkenbolde. Unter den lehrreichen Fabeln, die dem Aesop zugeschrieben werden, befinden sich bekanntlich viele, die auch im Talmud und Midrasch Aufnahme gefunden. Als minder, oder besser gesagt, bisher als Fabel gar nicht bekannt und erkannt, möge hier als Beispiel die folgende Erzählung aus dem Midrasch dienen, die bei Aesop „Die Frau des Trunkenboldes" überschrieben ist. Die vergleichenden Parallelen ergeben sich von selbst. — „Eine Frau, erzählt Aesop, hatte einen Trunkenbold zum Manne. Sie kam, um ihn von diesem Laster zu befreien, auf folgenden Einfall. Als sie bemerkte, daß er vom Trünke in einen tiefen Schlaf verfiel, und gleich einem Tobten . ohne Bewußtsein dalag, so nahm sie ihn auf ihre Schultern, trug ihn auf den Friedhof, legte ihn daselbst hin, und ging davon. Sie ging wieder hin, als sie vermuthete, daß er wieder zu sich gekommen, und klopfte an die Friedhofsthür. Auf seine Frage: Wer da? erwiederte die Frau: Ich bin es, der den Tobten Speise ld. h. Tvdtenopfer) bringt. Lieber Freund, entgegnete der Mann, bringe mir lieber statt des Essens zu trinken, denn Du betrübst mich dadurch, daß Du mich an das Essen und nicht an das Trinken erinnerst. Wehe, mir, ich Unglückliche! rief die Frau, indem sie sich an ihre Brust schlug, auch dieser vortreffliche Einfall ist mir mißlungen! Denn Du, o Mann, bist nicht nur um nichts besser geworden, sondern Du hast Dich sogar verschlimmert, da das Laster bei Dir zu solcher Fertigkeit und Gewohnheit geworden ist." Auf jüdischem Boden mußte natürlich diese Fabel einige Veränderungen erfahren, wie sie dem Geiste des Judenthums mehr entsprechen, dem darin so manche Momente, z. B. Tvdtenopfer, völlig fremd sind. Nach dem Midrasch Rabba zum 3. B. M. 1», 8, Ab. 12, und Midrasch Esther Ab. 5 lautet unsere Fabel also: Ein Vater, der mehrere Kinder hatte, war dem Trünke so sehr ergeben, daß er alle feine Habseligkeiten verkaufte und vertrank. Einst sprachen seine Söhne: Unser Vater