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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-16 · Heft 29 (16.7.1867) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 29 (16.7.1867)
Date
1867-07-16
Page
Seite 580 (sequence 10)
Language
German
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580 lerntet, welche erklärt, daß sie glauben und lehren, was der Heilige Vater glaube und lehre. Sie danksagen dem Papste für seine Fürsorge, die Moralität unversehrt zu erhalten, den gefährlichen Umtrieben zu widerstehen und die Jrrthümer zu widerlegen. Die Adresse drückt den Wunsch aus, die Stimme des Pontifex möge die Irrenden auf den richtigen Weg zurückführen. Es beziehen sich diese Auslassungen der Bischöfe auf die feierliche Sanktion des Syllabus und der Encyclica, welche der Papst in dem vorangegangenen Consistorium abermals ausgesprochen hatte. Bekanntlich gehören zu den vom Papst als ketzerische Umtriebe verdammten Grundsätzen auch die Gewissensfreiheit und die Gleichberechtigung, was selbstverständlich ebenso gegen alle protestantischen Kirchen, wie gegen das Judenthum gerichtet ist. Hätte man es nicht schon längst gewußt, daß gegenwärtig die gesammte katholische Geistlichkeit mit sehr seltenen Ausnahmen dem Papstthume und dessen extremen ultramontanen Grundsätzen vollständig anhängt, wie dies z. B. im vorigen Jahrhundert und im Anfang dieses Säculums nicht der Fall war: so erführe man es aus dieser Adresse. Diese feierliche Kundgebung der höheren katholischen Geistlichkeit zeigt also, daß sie noch heute den Standpunkt vor dem Westfälischen Frieden festhält und von der Parität selbst der verschiedenen christlichen Kirchen nichts wissen will. Würde sie daher die politische Macht in Händen haben, so könnte ein neuer dreißigjähriger Krieg nicht ausbleiben. Mau muß dabei bemerken, daß diese 450 Bischöfe gerade aus den westeuropäischen und amerikanischen Ländern ihrer Mehrzahl nach sind, also auch aus Staaten, in welchen die Gleichberechtigung und Gewissensfreiheit zu den Grundgesetzen des Staates gehören und völlig verwirklicht sind. Aus Deutschland und Oesterreich sind nur wenige Bischöfe erschienen. Jene Herren lehnen sich also gegen die ganze staatliche Ordnung ihres Vaterlandes ans. Hat man dergleichen jemals von Seiten des Judeuthums gehört? Hat nicht in diesem schon der Talmud den Grundsatz proklamirt, daß „das Staatsgesetz Gesetz sei?" — selbstverständlich wenn es keine Gewaltthätigkeit gegen die Religionslehren übt, welche das innere religiöse Leben des Individuums betreffen. Und doch scheut man sich nicht, dem Juden immer und immer wieder antisociale Ansichten zuzuschreiben! Großbritannien. London, 1. Juli. In der heutigen Sitzung des Oberhauses beantragte Lord Stratford de Redcliffe die Vorlegung der auf die Judenverfolgungen in der Moldau bezüglichen Depeschen. Graf Matme sbury sagte die Vorlegung zu. (Es wirft doch ein schönes Licht auf die Engländer, daß das traurige Schicksal unserer Glaubensgenossen in den Donauländern nun bereits zum dritten Male im Parlamente zur Sprache gebracht wird, während in der französischen Kammer — vom Senate lieber zu schweigen — so etwas nicht vorkommt. Dadurch wird zugleich bewirkt, daß es nicht mehr allein im Belieben des Ministers des Aenßern liegt, sich in ähnlichen Fällen der Juden anzunehmen, weil er weiß, daß eine solche Angelegenheit auch das Parlament hinter sich hat. Red. d. A. Z. v. I.) London, 2. Juli. Das Nähere über obige Oberhausverhandlung ist folgendes: Lord Stratford de Redcliffe beantragt die Vorlegung der Correspondenz, die zwischen der briti schm Regierung und der Pforte oder dem Hospodar der Donaufürstenthümer über die Judenverfolgungen in der Moldau geführt worden sein mag. Er bemerkt dazu, die Fürsten seien traktatmäßig unter der besonderen Obhut der britischen Regierung und mehrer ihrer mächtigen Verbündeten gestellt, und nun geht der edle Lord auf die Thatsachen ein, wie nämlich die Juden in der Moldau, auf Geheiß des Ministers Bratiano, unter dem Vorwände, daß sie Vagabunden seien, den unbarmherzigsten Verfolgungen ausgesetzt wurden. Nachdem er lange Berichte darüber vorgelesen, spricht er schließlich die Hoffnung aus, daß der Thatbestand besser als bisher der Fall gewesen, aufgeklärt werden und die Regierung sich direkter und wirksamer ins Mittel legen werde. — Earl of Denbigh spricht mit großer Entrüstung über die den moldauischen Juden widerfahrenen Mißhandlungen. So viel bekannt, habe keine andere Veranlassung dazu Vorgelegen, als daß es eben Juden waren, die anderen Konkurrenten den Vorrang abliefen. Die englische Regierung habe die Verpflichtung, den Juden in der Moldau eine gerechte und billige Behandlung zu sichern, wie es denn überhaupt höchste Zeit sei, die po-

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