Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1867)
- Date
- 1867-07-16
- Page
- Seite 579 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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579 bereit Vernehmen er Plötzlich den Entschluß gefaßt habe, sein Vaterland zu besuchen. Doch als er erfahren, daß der Antrag Somssich's (in der Nationalitäten-Frage) verworfen worden sei, da hätte sein Patriotismus und sein Gefühl als Jude einen harten Kampf zu bestehen gehabt'; der Patriotismus siegte und er sei nach Hause gekommen. «Herr Horn war früher Nachfolger des De. Einhorn als Prediger der damaligen Reformgemeinde in Pest. 1849 mußte er sein Vaterland verlassen, und erwarb sich in Paris als nationalökonomischer Schriftsteller große und allseitige Anerkennung. Red. d. A. Z. d. I.) Donausürstenthümer. Jassy, 4. Juli. Ein Telegramm meldet: Fürst Carl ist gestern von hier abgereist und hat eine Rundreise durch die sieben Departements der oberen Moldau angetreten. Am Abend vor der Abreise wohnte er einem Gottesdienste in der Synagoge bei, woselbst er mit großer Begeisterung empfangen wurde. Der Fürst empfing sodann eine Deputation der einflußreichsten Mitglieder der israelitischen Gemeinde, welche dem Fürsten für die Gewährung seines Schutzes dankte und das Eingeständniß machte, daß ihre Befürchtungen übertrieben gewesen seien. Der Fürst erwiederte mit wohlwollenden, beruhigenden Worten. (Man darf bei diesem Telegr. nicht vergessen, daß das rumänische Ministerium jetzt alles Mögliche in die Welt schreiben läßt, um sich rein zu waschen. Red.) Jassy, 24. Juni Die Juden-Verfolgungen, die par orde du mufti — Bratiano mit Hilfe der Autoritäten veranlaßt worden, haben wohl nachgelassen, dagegen dauern jedoch die Excesse unter der Hand noch immer fort und gehören Prügeleien, Bärte-Abschneiden und was dergleichen an Israeliten verübte Bubenstücke mehr sind, zu den täglichen Unterhaltungen der Studenten (!!) und einiger Officiere. Die Ersteren werden von ihren Professoren, und diese wieder von ihrem Meister, dem Minister des Innern, hiezu instigirt, weil derselbe dem heute hier eintreffenden Fürsten Carl den Beweis liefern möchte, daß der Haß gegen die Juden nur im Volke begründet sei. So plump und greifbar diese Ausflucht, mit der Bratiano sich gerne weißwaschen möchte, auch sein mag, so dürfte sie dem Fürsten Carl vielleicht dennoch genügt haben, denn man hat ihn bereits daran gewöhnt, die Dinge nur durch die Augen seiner Umgebung zu betrachten. Jassy, 29. Juni. In Folge der von ihren Regierungen erhaltenen Aufträge hatten die Consuln der auswärtigen Großmächte im Laufe des gestrigen und vorgestrigen Tages besondere Audienzen beim Fürsten, um ihm die ganze Sachlage wahrheitsgetreu darzustellen und auf die mißliche Lage aufmerksam zu machen, in die Rumänien durch die jüngsten Maßregeln des Ministers Bratiano versetzt ward. Es scheint auch, daß die Vertreter der fremden Mächte über die Vorgänge hier diesmal sehr gut unterrichtet waren, und daß sie bei der von jedem Einzelnen besonders mit dem Fürsten gepflogenen Unterredung so viele Beweise beizubringen wußten, daß derselbe — entgegen dem Wunsche seiner nächsten Umgebung — die Situation ganz klar zu überblicken beginnt und rasche Abhilfe in Aussicht stellt. Ebenso hatte gestern eine aus acht Notablen der hiesigen Israeliten-Gemeinde bestehende Deputation eine Audienz beim Fürsten, die volle anderthalb Stunden währte. Fürst Carl hörte die ihm gemachten Mittheilungen mit vollster Aufmerksamkeit an, und ertheilte der Deputation in den bündigsten Ausdrücken die vollste Beruhigung bezüglich der Sicherheit der Israeliten im Lande. So viel verlautet, wurden gestern bereits mehrere Personen, die sich gröbliche Mißhandlungen gegen Israeliten zu Schulden kommen ließen, in Untersuchung gezogen. Holland. Amsterdam, 4. Juli. Unter den zehn ausländischen Künstlern, welche auf Veranlassung der Weltausstellung vom französischen Kaiser zu Rittern der Ehrenlegion ernannt worden sind, befindet sich auch der holländische Maler Israels. Italien. Rom, 1. Juli. Die hier zur Säcularfeier versammelten 450 Bischöfe haben dem Papste eine Adresse überreicht als Zeichen ihres vollen Gehör - 29*