Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1867)
- Date
- 1867-07-16
- Page
- Seite 576 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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576 thätigen Einfluß. Wir heben hier nur das 'Hwüptsächlichste hervor. Im Jahre 1807 ließ der König von dem Rechtsgelehrten Affer einen Plan zur Reorganisation der Amsterdamer Gemeinde entwerfen, in der Weise, daß eine Vereinigung der Adath Jescliurun mit der Hauptgemeinde zu Stande gebracht werde. Dieses Ziel wurde auch erreicht, so daß die beiden Gemeinden wieder zu einer einzigen zusammenfloffen und der Friede wieder hergestellt wurde. Der König erließ nun ein Reglement für die Gemeindeverwaltung in allen ihren Zweigen. Ferner ernannte der König ein Ober-Consistorium, als eine Oberaufsichtsbehörde für die Gemeindeangelegenheiten der Juden in Holland. Während der kurzen Zeit der Vereinigung Hollands mit dem französischen Kaiserreiche erlitten die Beziehungm der jüdischen Gemeindeverhältnisfe zum Staate keine wesentliche Veränderung. Wenden wir uns nun der jüdischen Gemeindeverfassung zu, wie sie sich seit der Wiederherstellung des Königreichs der Niederlande gestaltet hat. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, l. Juli. Dr. Leonh. Auerbach hat den 3 Jahresbericht über die Baruch Auerbach'sche Waisen-Erziehungs-Anstalt für jüdische Knaben veröffentlicht. Die Einweihung des neuen Anstaltgebäudes fand am 18. Februar d. I. im Beisein des Kronprinzen und der Kronprinzessin statt. Die Einnahme pro 1. April 1866 bis dahin 1867 betrug 16,586 Thlr. 2 Pf. baar. Der Bestand ergab am 1. April 1867 181,207 Thlr. 2 Sgr. 4 Pf. — Unter den preußischen Ausstellern zur Pariser Weltausstellung haben zwei Juden die goldene Medaille erhalten, nämlich der Dr. Adolph Frank, Chemiker zu Staßfurt, wegen seiner Bromfabrikate, und erhielt dieser zugleich auch eine mentiou honorable wegen seines Kalidüngers. Der Andere ist Herr Jakob' Mayer, Bettiebsdirektor des Bochumer Bergwerks¬ und Gußstahl-Vercins, weil er der Einzige ist, der Gußstahl sofort in Formen zu gießen versteht. — Nach einer amtlichen Zusammenstellung sind im Jahre 1866 in der Provinz Brandenburg 38 Juden zur evangelischen Kirche und dagegen 11 Christen zum Judenchume übergetreten. «Aus der katholischen Kirche gingen über 300 zur evangelischen über). — Berlin, 5. Juli. Nach einem Inserat in der „Nat. Zeit." hat das Gesuch um Anstellung des Dr. Geiger an die Repräsentanten 1420 Unterschriften erhalten. Dies ist nun freilich aber nur ein Viertel der stimmberechtigten Mitglieder der hiesigen Gemeinde, aber es sind die bedeutendsten und angesehnsten Namen auf dieser Petition zu finden, z. B. die Professoren DDr. Jaffs, Steinthal, Lazarus u. A. Homburg v. d. H., im Juli. (Privatmtth). Mit Recht widmen Sie die Spalten Ihres Blattes nicht blos den Vorgängen in den großen Gemeinden, sondern gewähren Ihren Lesern auch Einblicke in das Leben der kleineren, sobald diese ein Culturmoment aufweisen, das gefördert oder bekämpft sein will. Wo sich in unserer Glaubensgenoffenschaft Ausschreitungen kundthun, von welcher Seite sie auch ausgehen, müssen sie besprochen werden. Wir haben im Judenchume eben nur die öffentliche Meinung, welche ein Kritik ausübt, und von der wir eine Besserung der Zustände zu erwarten haben. In unserer Gemeinde hat sich eine Partei geltend gemacht, welche nicht blos alle Entwickelung verrückt, sondern sich auch eine Gewalt anmaßt, welche in das Mittelalter zurückgreift. Sang- und klanglos, aber mit vielen Schulden hat man eine neue, schöne Synagoge gebaut und geweiht; in dieselbe ist aber aller alter Unfug mit eingezogen, und eine große Anzahl hiesiger jüdischer Familien sieht sich geistig und geistlich völliger Unbefriedigtheit preisgegeben. Noch heute hat die Gemeinde an der Wahl des Vorstandes keinen Antheil, und bleibt so ohne Einfluß auf die Richtung und Führung der Gemeindeangelegenheiten. Statt aller Worte wird ein Faktum die Lage genügend charakterisiren. In der Synagoge erlaubte sich am 15. Juni ein Mitglied des isr. Cultusvorstandes, ein gewisser Jacob Rosenbaum, einem Gemeindegliede während des Gottesdienstes eine persönliche Zurechtweisung in einer Weise zu ertheilen, daß ein unbetheiligtes Gemeindeglied, Namens Herz Kahn, dem Rosenbaum im Interesse der Heiligkeit des Ortes Hierwegen glaubte vernünfttge Vorstellungen machen zu müssen. Er that dies nach beendetem Gottesdienste; Rosenbaum nahm