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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-16 · Heft 29 (16.7.1867) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 29 (16.7.1867)
Date
1867-07-16
Page
Seite 571 (sequence 3)
Language
German
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571 Gleichheit einerseits, aber auch das Recht und die Liebe andrerseits. Aus der Gleichheit, dem Recht und der Liebe entspringen die Beschränkungen für die Freiheit; aus der Freiheit wiederum die Beschränkungen der Gleichheit. Denn die gleiche Freiheit Aller beschränkt uothwendig die Freiheit des Individuums, und ebenso setzen das Recht und die Liebe der persönlichen Freiheit gewisse Grenzen. Andrerseits würde jede persönliche Freiheit aufhören, wenn die Gleichheit despotisch alle Menschen zum Abklatsch einer und derselben bestimmten Figur machen wollte. Das Gesetz ist nun eben nichts Anderes als die allgemeine Feststellung der gegenseitigen Beschränkungen, welche diese Prinzipien in ihrer realen Geltung haben müssen, um eines nicht das andere aufheben und erdrücken zu lassen. Die unermeßliche Aufgabe aller Zeiten ist es nun, diese Prinzipien ebenso sehr zur Geltung zu bringen, wie auch ihre richtigen Beschränkungen, ihre Maße zu einander aufzufinden und festzustellen. Denn in der Natur des Menschen und in dem geschichtlichen Verlaufe seiner Entwickelung liegt es, sich bald mehr auf die eine, bald auf die andere Seite zu werfen, bald das eine Prinzip die andern überwuchern zu lassen; bald durch die Beschränkungen das Prinzip fast zu erdrücken, bald durch das Niederreißen aller Schranken es zu einer wucherischen, die Gesundheit verzehrenden Energie zu bringen. — Die Trennung der politischen und socialen Frage von der religiösen Idee in ihrer Ganzheit zerreißt aber diesen innersten Zusammenhang, und die gefährlichen Folgen bleiben daher nicht aus. Auf die eigenen Füße gestellt, treibt die Politik das Prinzip der Freiheit zu einem Extrem hin, wo die Auflösung und Zersetzung des staatlichen Verbandes, die Anarchie unausbleiblich wird; treibt die sociale Frage das Priuzig der Gleichheit zu einem Extrem hin, wo der Mensch zum Sclaven einer Doktrin, die menschliche Gesellschaft zu einer Kaserne von Arbeitern, wo aller sittlicher, selbständiger und freiheitlicher Bestand des Individuums aufhört. Ganz i>n Gegentheil wird man, wo man jene Fragen aus dem innersten Kern der religiösen Idee heraus erwägt und anstrebt, stets die richtige und konsequente Behandlung aller aus der religiösen Idee fließenden Prinzipien im Geiste haben, und deren Verwirklichung und normales Leben allein in deren Bereinigung und damit gegenseitiger Beschränkung aufsuchen. Hierzu kommt nun aber noch ein Drittes, und zwar nicht minder Wichtigess Wenn die Religion die Gesammtheit in ihrem Schoße trägt und sie mit den Grundsätzen der Gotteslehre durchdringen will, so hört sie darum doch nicht auf, das Individuum mit ihrer göttlichen Hand zu fassen, zu halten, zu führen. Sie belehrt ihn, sie verwarnt ihn, sie beeifert Ihn, sie tröstet ihn und flößt ihm Muth und Kraft ein. Der Mensch kann ihrer nicht entbehren, und früher oder später muß der in Verlafienheit verschmachten, welcher sich gänzlich von ihr losreißt. .Hört doch auch das Individuum nie auf, Individuum zu sein, und wenn es sich noch so sehr als Glied der Gesellschaft fühlt. Tausend Dinge gehören ihm allein, er findet sich alle Augenblicke mit ihnen allein, er geräth alle Tage mit ihnen in Gefahr, Schiffbruch zu leiden. Seine innere Geisteswelt, sein körperlicher Zustand, seine Besitzverhältnifie, sein Vater und seine Mutter, seine Gattin und sein Kind, selbst seine persönliche Stellung in dieser Gesellschaft, sie erinnern ihn alle Augenblicke, daß er ein Individuum ist, und wenn er mit ihnen in irgend eine Gefahr geräth, blickt sein Auge voll Schreckens und Thränen, in den allermeisten Fällen vergebens auf die politische und sociale Gesellschaft, wie diese auch geordnet sei, aber niemals vergebens auf die Religion und auf wahrhaft religiöse Menschen. Nun, jene Phrase „die politische und sociale Frage ist die Religion der Gegenwart" reißt das Individuum von der ganzen und wahren Religion los, macht diese für dafielbe zum wesenlosen Schemen, raubt ihm alle die Belebung, Tröstung und Kräftigung, die es bei jener finden würde, und verweist ihn auf die politische und sociale Ordnung, deren Bestrebung und Besserung — das ist für das leidende Individuum Stein statt Brodes. Dies ist wahrlich Grund genug, um jenen Ausspruch in seiner Unwahrheit und selbst in seiner Heuchelei erkennbar zu machen. Das Zugeständniß, das er zu machen scheint, giebt keinen Ersatz für den großen Schaden, den er anzurichten vermag. Weisen wir ihn daher bei Zeiten in seiner Hohlheit zurück. Aus Holland. Sinken aus Holland. VI. Einige Aphorismen zum Verständuiß der Gemeindeverfassung und ihrer Beziehungen zum Staat. (Schluß.» An der Spitze der Verfolger Chacham Zebi's stand der reiche und angesehene A. A. P. (der Name ist in 29*

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