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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-09 · Heft 28 (9.7.1867) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 28 (9.7.1867)
Date
1867-07-09
Page
Seite 567 (sequence 19)
Language
German
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567 in dem soeben zum Königreiche erhobenen Preußen. Es wird ausführlich in den „Annalen der Juden in den preußischen Staaten"'.(Berlin 1790), aus welchem wir in Nr. 2l einige Auszüge brachten, beschrieben, und heben wir daraus das Bedeutendste hervor. Doch enthält der Anfang dieser Erzählung Mehreres, was aus der Feder eines christlichen Schriftstellers am Ende des vorigen Jahrhunderts zu iimerkenswerth ist, als daß wir ihn nicht wörtlich mittheilen sollen. „Im Jahre 1702 zeigte der bekehrte Jude Christian Kahtz vor dem Advakato Fisci an: daß die Juden gegen die heilige Christnacht gotteslästerliche Einfälle und Lezeigungen wegen des gebornen Heilandes hätten, und daß der Berlinische Jude Spielmann Levi ein hebräisches Buch besäße, welches den Titel: Mase Tola führte, das ist: die Geschichte des Gehenkten, worinnen die größten Lästerungen wider Christum, die nur zu erdenken, zu lesen wären; weshalb denn unterm 22. Dezember d. I. ein Verbot an die Judenschaft durch den Landreuter publizirt wurde, darin ihnen untersagt wurde, dergleichen Lästerungen zu begehen. Es ist besonders, daß durch mehr als ein Beispiel in der jüdischen Geschichte bestätigt wird, daß die bekehrten Juden stets die größten Widersacher ihrer vorherigen Glaubensgenossen wurden, und sie der größten Uebelthaten und Bosheiten beschuldigten. Dies hätte die Judenbekehr voriger Zeit einigermaßen darauf aufmerksam machen sollen, aus welchen Gründen ein Jude zur christlichen Religion übergehe. — Aus Ueberzeugung geschah es nie, sondern entweder aus Gewinnsucht oder aus Haß und Rache gegen ihre Mitbrüder, deren Unglück sie zu bereiten suchten, um sich dadurch entweder zu rächen, Ansehen bei den Christen zu verschaffen, oder glücklicher zu machen, welches aber selten einfraf, der jüdischen Nation aber viel Unruhen zuzog, und die alten widrigen Meinungen, die man seit den ältesten Zeiten wider sie gefaßt hatte, noch mehr befestigte oder auffrischte. Die Folgen dieser von dem erwähnten Kahtz, den Juden angeschuldigten Lästerungen des christlichen Glaubens und dessen ersten Stifters wurden für dieselben sehr gefährlich und nachtheilig, so daß sie eine allgemeine Erbitterung des Volkes nach sich zogen, weder in den Städten noch in den Dörfern, wie sie selbst klagten, ihres Lebens mehr sicher waren, und daher wehmüthig baten, sie wider öffentliche Gewalt zu schützen. Der König sah sich genöthigt, deshalb ein Publikandum vom 4. Januar 1703 ergehen zu lassen, worin er den sämmtlichen Obrigkeiten in seinen Staaten aufgab, die Juden gegen Gewalt und sowohl heimliche als öffentliche Kränkungen zu schützen, indem er bereits dem Rath und Ädvokato Fisci aufgegeben habe, die wider die Juden angebrachten Beschuldigungen mit Zuziehung einiger Theologen auf das genaueste zu untersuchen; und wollte er, im Fall dieselben wahr befunden werden würden, die Juden der Gebühr nach scharf bestrafen; jedoch nicht zugeben, daß ihm von Partikulairpersonen in diesem höchsten obrigkeitlichen Amte Eingriffe geschähen. Diese Gefahr der Juden wurde durch die Anzeige eines anderen bekehrten Juden zu Küstrin, Namens Franz Mentzel, welcher die Wahrheit der Kahtzschen Beschuldigungen bezeugte und besonders hinzusetzte, daß die Juden sich in ihrem Gebete Olenu oder Alenu lästerlicher und schändender Ausdrücke wider Jesum, dessen Lehre und deren Bekenner bedienten, sehr vergrößert. Die damaligen Zeiten waren recht dazu eingerichtet, um Untersuchungen in Glaubenssachen und gegen Ketzereien anzustellen und sie mit vielen Weitläufigkeiten fortzuführen; daher diente auch diese auf sehr seichten Gründen beruhende Anklage zu einer Inquisition, an der damals viele Gottesgelehrte und Eiferer für das christliche Gesetz Theil nahmen. Sie wurde nicht allein zu Küstrin, sondern auch zu gleicher Zeit in Pommern, Magdeburg und Halberstadt vorgenommen." Aus allen Provinzen kamen die Protokolle, unter welchen das des Protonotarius Magirus aus der Neumart das lesbarste ist. In der Denunziation des Franz Wentzel, der sich „bekehrter Jude" unterschreibt, heißt es: „Ihr Gebet, bei welchem sie die Lästerung verrichten, heißet Oleno, welches täglich in der Synagoge zweimal, des Sabbaths aber dreimal gebetet wird, ohne was Morgens und Abends im Hause geschieht. Die Lästerung lautet also: Wir knien und bücken uns, aber nicht vor dem gehenkten Jesu, wobei sie bei der Nennung des Namens Jesu als einem Gräuel ausspucken und von dem Ort etwas hinwegspringen. Es stehet zwar diese Lästerung in keinem Gebetbuche der Juden ausgedruckt, allein es ist Raum gelassen, als ein NB, und wird so fort den zarten Kindern ein gebläuet und von ihnen auswendig gelernt, wie auch solches mir die Juden, als einem gewesenen Juden, nimmermehr läugnen können." Der Protonotarius Magirus in Küstrin räumte nun einen Termin auf den 18. December 1702 an, zu welchem sich Juden aus allen Städten der Neumark, wo Juden wohnten, einstellten sollten. Es erschienen deren zwanzig aus achtzehn Städten, unter welchen Einer, Samuel Moses aus Arnswalde als „Schulmeister" bezeichnet wird. Zuerst mußten sie folgenden furchtbaren Eid schwören: „Ich 9t. N. schwere bey dem allmächtigen lebendigen Gott, der Himmel und Erden erschaffen hat, und Moisi er- ' schienen ist im feurigen Busch, und bei den zehen Geboten, die Moisi gegeben sind, daß ich den Herrn Jesum Christum weder in meinem Haufe, noch Ich oder meines Wißens die andern Juden in unfern Schulen oder Synagogen, noch in ihren Häusern in Unfern Gebethen nicht lästern noch sonsten bey Unfern Zusammenkünften schimpflich von demselben reden, auch bey dem Gebeth, Olenu genannt, dieser Worte: Wir knien und bücken uns, aber nicht vordem gehenkten Jesu, uns nicht gebrauchen auch niemalen gebrauchet haben, und durch die Worte Ilevel-verick, welche in dem Gebete Olenu, ob sie gleich in denen wenigsten gedruckten Exemplarien stehen, enthalten sind, den Herrn Jesum nicht verstehen noch in Unfern Hertzen auf denselben zielen, noch ihn dadurch mit unfern Gedanken meinen, viel weniger zu dessen Verkleinerung, wenn wir das Olenu ge-

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