Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1867)
- Date
- 1867-07-09
- Page
- Seite 566 (sequence 18)
- Language
- German
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56f> dem Rückzug der Piemoritesen, löste sich die Colonna Mantovana auf, und G. zog nach Toskana, wo er im Jänner l 849 sich der Legion Medici einverleiben ließ. — Die politischen Ereignisse führten diese Legion nach Rom, bei der er nun als Sergeant diente; er glänzte bei der ruhmvollen Bertheidigung eines Kriegsschiffes, und erregte die höchste Bewunderung, als er am letzten Tage von Rom's Bertheidigung am Palazzo de’ qualtro Venti den berühmten Mailänder Maler Jnduno von fünf denselben umzingelnden feindlichen Soldaten befreite. Er hielt sich hierauf größtentheils in Piemont auf, ward aber drei Mal daraus verwiesen, da er nicht aufhörte die kühnsten Revolutionsversuche gegen die kleinen absoluten Regierungen Mittelitaliens zu unterstützen und vorzubereiten. — Mitten unter solchen politischen Bestrebungen benützte er die geringe Muße um sich mannigfache literarische, kriegstechnische, selbst wissenschaftliche und ökonomische Kenntnisse zu verschaffen, und mußte nebenbei an einen anständigen und ehrlichen Lebensunterhalt denken. In diese Periode fällt ein im Aufträge eines gewiffen Capitalisten Beltrami verfaßter, und von Cavour nmgemein gelobter Colonisations-Cntwurf von Sardinien, woran sich eben gedachter Beltrami zu betheiligen suchte. Nach Orsini's Versuch in Paris war es dem G. nicht mehr möglich, bei seiner Rückkehr nach Piemont der polizeilichen Aufmerksamkeit zu entgehen, weßhalb er nach kurzem Aufenthalte in Genf sich zuletzt nach London begab. ' Als im Jahre 1859 die öffentlichen Blätter von einer Kriegsunternehmung Piemonts gegen Oesterreich unter Mitwirkung Frankreichs zu sprechen anfingen, war G. einer jener Democraten, welche an die liberale Partei ein Manifest Unterzeichneten, daß sie Bonaparte kein Zutrauen schenkten. Kaum aber hatten die Feindseligkeiten begonnen, war er mit Garibaldi in Tyrol, wo er bald Lieutenant wurde. 18(>0 ward er Secretär der Commission für „die Million Flinten." Er organisirte auch die Bekleidung und Bewaffnung der nach Sicilien gerichteten Freischaaren. Er selbst begab sich hierauf zu diesem Corps, und wurde Stabshauptmann unter Medici's Oberbefehl. In den damals aufeinander folgenden Kämpfen ragte er dermaßen hervor, daß er wegen Kriegsgewandtheit, Muth und Tapferkeit zweimal im Tagsbefehl belobt wurde; und wurde dann stufenweise mit dem Grade eines Stabs-Obristlieutenants ausgezeichnet. Am zweiten Tage der Schlacht am Volturno wurde er in einem hartnäckigen Treffen an der Spitze seines Corps an der Hüfte schwer verwundet. Auch in Aspromonte war er an der Seite Garibaldi's, welcher ihn nicht anders als einen seiner besten und würdigsten Freunde nennt. Als Abgeordneter für Varese suchte er keineswegs mit seiner ihm eigenthümlichen anziehenden Redekraft zu glänzen. Aber wenn er sprach, war er voll Feuer, ungestüm, hinreißend. Besonders wird seine Rede hervorgehoben, die er beim Vorschläge eines Monuments für den Herzog von Genua machte. Er sprach und stimmte dagegen. — Dafür war er in fast allen Commissions- Abtheilungen der Deputirten thätig; besonders zeigt er gründliche Kenntniffe und Erfahrung bei Administrations- Angelegenheiten für Eisenbahnen, eben so bei der militärischen Organisation und Verwaltung. Nach dem vorjährigen Kriege wurde unserem G. das Ritterkreuz der h. Mauritius und Lazzarus, so wie eine Versorgung von Seiten der Regierung angetragen. Er schlug beides aus, da eine solche Annahme seinen Principien und seiner politischen Farbe zuwider wäre. Er ist Mitarbeiter von verschiedenen Blättern; unter andern auch Correspondent eines englischen Blattes. Vor mehreren Tagen führte er das sehr ehrenwerthe Fräulein Sophie Weill-Schott als Gemahlin heim. Diese Dame ist wegen ihrer Erziehung, häuslichen und geselligen Tugenden sehr geachtet, und auch schriftstellerisch thätig. 11. Dr. Emilio Morpurgo. Sicherlich einer der jüngsten italienischen Deputirten ist der Abgeordnete für Este, im Jahre 1836, am 30. October geboren. Er ist aus Padua, und seine Eltern Herr Isaak Morpurgo und die edle Frau Fiorina Treves de' Bonfili, Besitzer eines bedeutenden Vermögens, gaben ihrem Sohne die sorgfältigste Erziehung. Er äußerte seine freien Gesinnungen hinsichtlich der nationalen Unabhängigkeit Venetiens stets mit unverhohlener Freimüthigkeit, und ist seither auf schriftstellerischem Wege anerkannt thätig und wirksam. Eine ausführliche Arbeit lieferte er im Jahre 1864 unter dem Titel: Von dem Verfalle des Handels und der Industrie Venedigs seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts bis zu unfern Tagen. Er war kühner Mitarbeiter am Blatte: Die Commune, und des Messaggiere Tirolese. Nicht geringes Lob ernteten seine Monographien über die Rural-Gesetzgebung, über die wechselseitigen Hilfsgesellschaften, über di?Sparkassen, über die ökonomischen und intellectuellen Zustände der Provinz Padua, seine Studien über die Zeitgenossen Dante's und über Richard Cobden. Es steht zu erwarten, daß dieser junge Mann, mit seinen seltenen Geistesgaben in seinem jetzigen so ergiebigen Wirkungskreise nicht ermangeln wird zum Besten des Vaterlandes seine edlen Kräfte mit gutem Erfolge zu verwenden. Prozesse gegen jüdische Bücher und Gebete. Der Anfang des 18. Jahrhunderts, eine Zeit, in welcher zwar nicht die Bedrückungen und Ausschließungen, wohl aber die Verfolgungen und Martern der Juden aufgehört hatten, macht sich durch mehrere Denunziationen, Untersuchungen und Prozesse gegen jüdische Bücher und Gebete bemerklich. Der erste derartige Vorgang geschah